Ein Lebenszeichen aus Island.

Ein Lebenszeichen aus Island

Ich melde mich aus Island. Erstmals so richtig. Vom falschen Campingplatz. Aber dazu später mehr..

Wie alles begann. Also, im Grunde genommen war schon die Anreise ein kleines Abenteuer. Ich sag mal so: Wenn ihr mal Langeweile habt und Lust auf neue Leute. So ein wenig Socializing und so..dann holt euch einfach mal ne Transportbox vom Radhändler mit den Maßen 1.85 x 0.40 x irgendwas dazwischen und fahrt die mit so nem Kofferkuli durch den Flughafen. Der Hammer sag ich euch!

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Die Vorgeschichte erspar ich euch oder mach sie ganz kurz: Transportbox musste gefunden werden. Rad musste reinpassen. Rad mit Transportbox musste in ein Auto passen (meins schied aus). Transportbox mit Rad am Flughafen musste dann wiederum in die Durchleuchtung passen. Das tat sie. Und zwar wirklich keinen Millimeter zu wenig. Da waren wir aber alle erleichtert! Also ich und auch die Herren vom Sicherheitsschnickschnack (Nä, da hamse aba Jllöck! Dat hättn wir dann wol aaauspackn müüüüsssnnn!”) Nä, wat hab ichn Glück…

Während ich also in Düsseldorf am Flughafen ja noch vier weitere Hände zur Verfügung hatte um das Ding irgendwie in den Griff zu bekommen, kam die handgepäckverdächtige Box dann einfach lieblos in Keflavik am Airport aus dem Schacht gerutscht und sollte nun irgendwie mit mir zum Campsite in Reykjavik gelangen. Auf den Kofferkuli gewuppt schnell mein anderes Gepäck geschnappt, das immer ein wenig auasieht, als würde ich darin ne Leiche transportieren (weil es sich ja hier um mehrere Radtaschen in einem großen schwarzen Reiserucksacksack handelt) und los.

Fast! Ähm,warum genau kann mein Rucksack plötzlich sprechen? Oder was macht da der Aufkleber mit “Hallo Welt”!? Kurz mal nachgedacht. Geistesblitz gehabt (“War wohl doch nicht meiner!”) und wieder aufs Band gelegt. Nur wo ist meiner jetzt? Nicht dass wir hier lustiges Koffertauschen gemacht haben, während meines kleinen Aussetzers und ich fahre demnächst mit nem Trolley hinten dran über die Ringroad und jemand anders muss irgendwie immer fünf Radtaschen jonglieren unterwegs. Ganz zu schweigen vom Equipment..

Hat aber dann alles geklappt. Fahre mit meinen Taschen und fühle mich komplett. Aber ganz kurz nochmal zu diesem kleinen Karton, den ich ja nun noch nicht losgeworden bin.
Es ist nicht ganz einfach einen Wagen zu schieben mit einem Karton, über den man nicht hinweggucken kann. Zudem mit fünf zusammengeworfenen Taschen in einem Sack, der die Form nicht hält und ständig am Boden schleift. Hinzu kommt, dass es die Herren Flughafenbauer nicht geschafft haben, die Türen barrierefrei zu gestalten. Ich musste also immer umständlich einlenken, den Wagen per Hand kurz umsetzen und dann irgendwie weiterfahren. Am besten ohne jemanden anzurempeln. Ähm sorry…hier kommt ein Karton.

Danach folgte in chronologischer Reihenfolge: Ticket für den Karton kaufen für den Flybus in die City (wird als Person gewertet. Völlig zu recht wie ich finde!)
Rausmanövrieren zu den Bussen unter den ungläubigen Augen der dort anwesenden Busfahrer (“Hoffentlich kommt die nicht zu mir…hoffentlich…!”). Falschen Bus ansprechen. Zum richtigen wirbeln, um dann fachkundlich feststellen zu lassen, dass das ja nicht so einfach sei sicherlich, bei dem Wind mit dem Karton dagegen zu halten. Richtiiiiiiig!

So, das Ding passte also dann auch nicht in den Bus und der Fahrer stellte fest: “If there is no space, I can´t take it with me!” Rums. So, Klappe zu…
Manchmal kann ich aber ja auch mit Menschen. Und schließlich hatte meine Box ja auch bezahlt. Und wurde am Campsite im Lagerraum erwartet. Also hab ich kurzerhand das Rad zwischen den Bussen und dem ganzen An-und Abfahrtsbrimbam ausgepackt, damit es passt. Zugegebenermaßen war ich da nicht nur lösungsorientiert, sondern auch etwas besorgt ob meines Gepäcks, welches sich schon auf der anderen Seite im Bauch des Busses befand. Musste ich also ja doch nochmal nachfragen, ob sie nun auch wirklich auf die verrückte Frau mit ihrer Kartonage warten. Hat aber alles geklappt. Hurra! Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich sagen, dass sich die Box im Lagerraum des Campingplatzes in Reykjavik befindet. Schön!

Jetzt hab ich doch etwas ausgeholt mit dieser Kartongeschichte. Aber glaubt mir: Man hat seltsame Themen hier und unterwegs und vor allem, wenn man auf andere Biker oder eben Campingmenschen trifft. Mein Teilzeitnachbar Brian musste sich zum Beispiel heute auf den letzten Drücker nen anderen Karton besorgen und 3km zum Campsite schleppen, weil sein Fatbike mit den dicken Reifen und dem Gepäckträger vorn zu fett ist. Logisch ja auch irgendwie.
Und zwei Bulgaren hatten liebevoll auf ihre Kartons geschrieben, man solle diese doch bitte unbedingt bis zu ihrer Rückkehr dort am Airport stehen lassen. Süß. Waren natürlich nicht mehr da. Könnt ihr euch ja denken..

Soweit also mal die Anreise bis hierher. Ich seh schon, ich könnte theoretisch jetzt schon quasi n ganzes Buch durchschreiben. Mach ich aber nicht. Mein einfachster Kanal ist wohl gerade Facebook und Instagram, weil das Netz und der Strom zwischendurch echt mäßig sind. Die beiden gehen aber immer ganz gut und schnell von der Hand und wie es aussieht, finden meine Beiträge auch Anklang. Danke dafür!

Der Rest mal in ganz kurz zusammengefasst. Ist n bisschen auch lessons learned nach zwei Tagen:

Schon kaputt gemacht:

Uhr (wieder repariert vom Uhrmacher)
gute (die schöne, nicht die funktionale – seh jetzt immer so richtig schön bescheuert aus auf den Bildern) Sonnenbrille (nicht reparabel sagt der Optiker)

Missing:

dicke Daunenjacke zuhause vergessen (obwohl ich nicht nur eine davon habe..) – heute spontan neue gekauft. Und lasst uns jetzt bitte nicht über Geld reden.
Sonnencreme – das war einfach: nachgekauft. Cool! Es scheint aber auch die Sonne gerade. meine Herren..

Zuviel:

eine Herrenboxershorts. Leider gehört sie Brian, der seine heute vermisste und den Wind beschuldigte. Ich hatte sie wohl versehentlich mit meiner bei ihm geparkten Wäsche mit eingesteckt. Blöd, weil man ja so als Radreisender auch immer nur so 2-3 in der Anzahl von jedem Ding mit hat. Aber er fliegt ja morgen heim und ich werds wohl auch noch beichten..

Zu weit:

Ich sitze auf dem verkehrten Campingplatz. Ja, das ist verrückt! So viel Gegend und so wenig Menschen. Und dann gibt es auch noch zwei in einer Ecke. Das erinnert ja fast an den Rewe in Köln. Drauf gekommen bin ich, weil hier irgendwie die angekündigte Dusche fehlt. Pffff…. Jetzt bleib ich eben.

Als letzten Hinweis möchte ich noch einen überlebensnotwendigen Tipp mitgeben:

Treckingkekse, also so Zeug mit viel Kohlehydraten, das gefühlt immer mehr wird, desto länger man kaut, empfehle ich auf dem Flug mit im Handgepäck zu führen. Das hat genau zwei Gründe:

Man kommt endlich mal freundlich mit dem Security Menschen ins Gespräch, der wissen will was da so in der Tasche sei (“Ich tippe mal…hm…Kaffee?”). Anschließend gehts um Reisen, Klettern, Island, Radfahren… und ich erfahre, dass er auch schon immer mal dorthin wollte (der Klassiker…) War in jedem Fall ein nettes Gespräch so an der Sicherheitsschleuse. Lohnt!

..und fast noch wichtiger: Solltet ihr mal – so wie ich – ungefrühstückt in einen Flieger steigen. In dem Glauben, dass ihr ja dort unterwegs frühstücken könnt. Dann endlich Porridge und Kaffe vor euch steht. Und dann die Kreditkarte nicht funktioniert “weil einige Kreditkarten leider offline nicht funktionieren!”… Dann kannste gar nicht so schnell gucken, wie der Porridge wieder von deinem Tisch verschwindet. Immerhin durfte ich den Kaffee behalten. Hunger war schon eher so die Prio. Also: Notkekse. Der Rest steht jetzt auch aufm Campingplatz im Resteregal. Waren eh zu schwer…

So, bis hierher jetzt erstmal. Es gäbe noch unzählige Dinger mehr. An Tag 3. Verrückt!

Ich genieße jetzt aber mal noch n bisschen die Sonne.

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Ahoi, huh & bis bald,
Tanja

4 Gedanken zu „Ein Lebenszeichen aus Island.

  1. Wolfgang Peters Antworten

    Freut mich, dass es so spassig beginnt. Nicht nur dein Bericht, sondern auch die Reise. Da kann ja dann noch einiges kommen.
    Ich wünsche jedenfalls jede Menge Glückssterne.
    Gruss
    Wolfgang

  2. Tina Antworten

    Haha, hab ich grad gelacht! JA, so eine *Fahhrradtour* kann dann doch ganz schön nervenaufreibend sein. Hauptsache, du bist angekommen. Ich freu mich schon auf weitere Berichte 🙂 Allerdings weiß ich noch nicht, wie ich das so auf der Isle of Skye hin bekomme. Wie machst du das denn gerade mit dem Internet und Stromversorgung? Ich schwanke zwischen Solarpaneel und Powerblock… Tipps sind gerne willkommen 🙂
    Liebe Grüße, Tina

    • teilzeitnomaden Autor des BeitragsAntworten

      Ich hab mich für ne Powerbank entschieden, weil mir Solar zu unsicher hier war. Grad hab ich allerdings schon nen Sonnenbrand..hätte also dann vielleicht doch gut geklappt. Grad läd das Ding hier im Café, damit ich unterwegs alles laden kann. Nutze auch immer sämtliche WCs und Waschräume. Zb kommt das Handy beim Duschen immer mit.. Klappt bislang ganz gut und die Powerbank ist quasi mein backup für on the road ???? Internet hab ich mit meinem Telekom Vertrag mit Auslandsoption so wie in Deutschland auch. Hab ne Auslandsflat dazu gebucht. Dann läuft alles so wie immer.. lieben Gruß, Tanja

  3. Micha Antworten

    Supiiii…danke für dein schreiben…..!!!!…..hab mich wirklich s e h r gefreut darüber und werde nun auch ein bisschen träumen…….von island……..gute reisssseee weiterhin…..freue mich auf deine weitere n “berichte“……

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