Ich bin ein Ausnahmezustand. Ein ziemlich glücklicher.

Ahhhh….ich bin im Ausnahmezustand. Nein. Stop. Ich BIN ein Ausnahmezustand.

Ich packe meine Sachen und bin raus mein Kind…Thomas D. ist auf der Reise und hat Rückenwind…

Ich weiß noch wie heute, als ich diesen Song damals gehört habe, als ich die Zusage für meine erste eigene Bude im Studentenwohnheim gerade bekommen hatte. Erste Bude. Sachen packen. Freiheit. Wow!

Und nun sitze ich hier. Knappe zwanzig [sic!] Jahre später. Packe erneut. Und fühle mich: Ähnlich. Verrückt!

Tanja Ney Island Teilzeitnomaden

Und Rückenwind wünsche ich mir auch. Und zwar jede Menge.

Die letzten zwei Wochen vor der Abreise gleichen einer riesigen Gefühlsachterbahn. War das ne gute Idee, was ich da vor habe? Warum war das mal wieder meine Idee? Wird alles klappen wie geplant? Hab ich auch alles? Bin ich fit genug? Hab ich vielleicht irgendwas vergessen? ..

Fragen über Fragen. Und dazwischen: Ich!

Und, wann geht´s denn endlich los bei dir?

Hör ich gerade immer wieder. Es dreht sich einfach alles um meine Reise und manchmal merke ich “Hey, ich will das grad gar nicht!” Irgendwie.. Weil dann der Fragenkatalog wieder gnadenlos aufgeschlagen und durchgeblättert wird in meinem Kopf. Von A wie Abflug [Hoffentlich klappt alles mit dem Rad Check In] bis Z wie Ziemlich stürmisch [Iceland you never know.. ich wünsche mir dennoch moderates Wetter irgendwie].

In ziemlich genau einer Woche komme ich gerade an und wechsel vom Flieger in den Flybus. Hurra!Ich kann es kaum erwarten, dass mir niemand mehr Fragen stellt. Nicht mehr ständig irgendwelche Pakete bei mir eintreffen mit Outdoorkram, der dann doch noch fehlte, mein Rad endlich wieder komplett zusammengebaut ist, und ich meine erste Unterkunft auf dem Campsite in Reykjavik beziehe.

Das beste: Ich freue mich auf ein paar Wochen absolute Freiheit. Mein eigenes Tempo. Nur mein Rad, Fynn und ich.

Ich bin Fynn <3
Ich bin Fynn <3

Taghelle Nächte, Weite, Natur, Begegnungen mit anderen Reisenden, keine Termine, viel Bewegung und nur ein Ziel: Irgendwann wieder am Ausgangspunkt ankommen. Oder: Einfach unterwegs sein. Den Kopf mal ordentlich lüften.

Die letzten Wochen gestalten sich hier vor Abflug leider mehr als voll. Das liegt natürlich daran, dass ich als “Freie” ein wenig vorarbeiten muss, um nicht während meiner Tour bankrott zu gehen. Und um mir wirklich die Freiheit nehmen zu können, “One-Way” zu fliegen und spontan über einen Rückflug zu entscheiden. Tolle Projekte, die ich gerade noch laufen habe. Keine Frage. Aber mit dem Kopf bin ich wohl deutlich woanders. Und wo. Das kann ich auch nicht gut beschreiben.

Ich denke, das ist wieder sowas wie Transit. Nicht mehr hier. Noch nicht dort. Und keine Ahnung wie es werden wird.

Manchmal zaubert es mir ein Lächeln ins Gesicht. Wenn ich zum Beispiel so wie heute morgen auf dem Spinning Rad im Gym sitze, mich auspower und anschließend durch den Kölner Regen fahre. Dann wiederum fallen mir wieder hundert Sachen ein, die ich noch machen wollte und ich frage mich wann. Zwischen all den noch laufenden Projekten.

Und dann sind da auch noch andere Reiseberichte, der rege Austausch mit anderen Reisenden oder Abenteurern. Ein Bericht von einem anderen Radler, der vom Nordkap nach Sizilien fahren wollte. Und seine Tour abgebrochen hat. Zu kalt, mies gepackt, zu viel Equipment, zu allein, zu alles irgendwie.. Dabei hatte ich ihm so die Daumen gedrückt. Gefallen hat mir aber, dass er authentisch berichtet hat. Sein vorletzter Blogeintrag war eine sehr ehrliche Beschreibung seines Gemütszustands “Ich versuche die nächste Etappe. Und wenn es nicht klappt, dann flieg ich zurück!” Ich hätte es ihm dennoch gegönnt.

Ich bin mir mittlerweile sehr sicher, dass  die Phasen bei solchen eher außergewöhnlichen Projekten sich ähneln. Das unschlagbare Duo “Vorfreude und Euphorie” wird irgendwann abgelöst von Zweifeln und der Hoffnung, dass alles gut werden wird. Sein Blogeintrag regt mich an nachzudenken. Innezuhalten. Hab ich mir zu viel vorgenommen? Wie war das noch mit dem Scheitern? “Hey, Scheitern gibt es nicht!”, ist mein Credo seit je her. Weil ich hier keinen Wettbewerb gewinnen muss. Weil ich nicht perfekt sein muss. Weil mein Abenteuer nicht perfekt sein muss. Es muss einfach Spaß machen!

Gerade ist das schwierig mit dem Spaß und mir. Muss ich zugeben. Ehrgeiz, Verbissenheit, Perfektionismus. Da kommt eine ganz ungesunde Mischung zusammen und fragt mich ständig: “Na, gut vorbereitet? Weißt du was dich erwartet?”

Nein! Das weiß ich nicht. Und das ist wohl auch gut so. Denn: Genau das Gefühl aushalten. Das nicht alles planbar ist. Das ist meine Herausforderung. Geduld. Abwarten. Paretoprinzip. Die Dinge regeln, wenn sie da sind. Nicht vorher. Gut vorbereitet sein ist das eine. Sich bekloppt machen wohl das andere. Irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit: Das Abenteuer Geduld.

Ich löse das Problem wenn es da ist.

Höre ich mich oft sagen, wenn ich mit Teams arbeite. Bringt ja nichts, mir vorher den Kopf über milliausend mögliche Dinge, die passieren könnten zu zerbrechen. Sag ich immer. Und nun darf ich das nochmal selbst lernen. So richtig. Mit viel Geduld.

Wann hast du das letzte Mal deiner Komfortzone die Hand geschüttelt? Etwas außergewöhnliches getan? Dich unglaublich gefühlt?

Jetzt! Genau jetzt! Time is now!

Ich fühle mich genau jetzt genau so. Und das ist gut so. Ich bin aufgeregt. Habe bisweilen Pipi in den Augen, nur weil ich jemandem von meinen Plänen berichte. Beschreibe. Wie ich mir die Weite vorstelle. die Freiheit. Das Unterwegssein. Mein kleines Abenteuer, das mein Herz hüpfen lässt. Dieses Gefühl ist unglaublich. Und deshalb der Transit-Zustand gerade nur schwer auszuhalten.

Noch schnell hier den Papierkram fertig machen. Noch schnell dies und jenes Projekt zu Ende bringen. Noch grad die Steuer einreichen. Noch eben neue Pedalen besorgen. Noch eben dies. Noch gerade das.

Und das Herz ist schon unterwegs. Schonmal vorgefahren. Während der Kopf hier noch Achterbahn fährt und alle an ihm ziehen und zerren. Fragen beantworten. Organisieren. Einkaufen. Machen. Tun.

Ich mag diesen Transit nicht gern. Obwohl er dazugehört. Mich macht er regelmäßig echt fertig. Wohl auch einer der Gründe, warum Packen nicht gerade meine Leidenschaft ist. Für gewöhnlich sagt man, dass die Seele langsamer reist als der Körper und meist erst nachkommt. Gerade habe ich das Gefühl, dass mein Herz, meine Seele, es sich schonmal gemütlich gemacht hat am 66. Breitengrad. Und Kopf und Körper einen ungleich schwierigeren Job machen, indem sie hier noch grad die Stellung halten.

Ich freue mich auf mein Abenteuer. Und ich weiß, dass es gut werden wird. Denn ich bin dabei. Und wenn ich erst dort bin, dann freue ich mich, dass es nicht mehr “das große Ganze” ist, sondern einfach Schritt für Schritt mein Herzensprojekt. Und ich mittendrin. Endlich. Bis dahin muss ich noch aushalten. Die Zerrissenheit. Die Vorfreude. Die Fragen. Die Zweifel. Die unbändige Freude über das was kommt. Himmelhochjauchzend vs. Zutodebetrübt. Und ich dazwischen.

Nein, so schlimm ist es nicht. Aber hey, ich kann es kaum erwarten endlich in den Flieger zu steigen um etwas zu #machen. So wie ich es ja auch immer wieder sage und empfehle. Das nimmt den Dingen die Größe und plötzlich bemerkst du, dass du etwas bewegen kannst.

Ich bin ein Ausnahmezustand. Aber ein ziemlich glücklicher.

Danke dafür & Danke für deine Unterstützung!

Ahoi & bis bald,

Tanja Ney

 

 

3 Gedanken zu „Ich bin ein Ausnahmezustand. Ein ziemlich glücklicher.

  1. Wolfgang Peters Antworten

    Liebe Tanja,
    alles Gute für die letzten Vorbereitungen und dann allerbeste Wünsche für ein gutes Gelingen. Hab immer genug Luft in den Reifen, ein trockenes Plätzchen zum Schlafen und genug Power, gesund wieder zurück und anzukommen.
    Wolfgang
    P.S. Fährt die müde Katze mit? 😉

    • teilzeitnomaden Autor des BeitragsAntworten

      Lieber Wolfgang, ich danke dir für die guten Wünsche! Und ich freue mich, dass du mir folgst ???? Die Katze bleibt besser zuhause bei dem Schmuddelwetter in Island ???? Dafür kommt Fynn ja stellvertretend mit.
      Lieben Gruß aus dem ebenso schmuddeligen Köln, Tanja
      PS: Sehen wir uns wie gewohnt im Herbst?

      • Wolfgang Peters Antworten

        Das tun wir. Ist Fynn der Knuddelbär auf einem der Fotos? Na, der ist jedenfalls pflegeleichter…

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