Eine Liebeserklärung.

Für das unbändige Gefühl von Freiheit.
Und für das Wissen, dass man immer die Wahl hat.

Für Begegnungen mit Menschen.
Menschen, die ich sonst nie getroffen hätte in meinem Leben.

Für das Gefühl, nicht allein unterwegs zu sein.
Niemals.

Für den Abenteuergeist. Und für das Wissen, dass da draussen noch viel mehr Menschen sind, die sich auf den Weg machen die Welt zu entdecken.

Für zauberhafte Orte.
Und unendliche Straßen die dorthin führen. Immer.

Für den frisch aufgebrühten Kaffee von Fremden. Irgendwo im Nirgendwo. Bei Kälte und Regen.
Und dafür, dass wir Freunde werden. Und uns wiedersehen.
Bei Sonne.

Für warme Duschen. Die das Paradies sein können. Nach 70km Staub und Asche.

Für Menschen die Mut machen.

Für isländische Familien, die mit mir gemeinsam auf ihrer Couch Fußball gucken.

Für Gabeln, die man als Maulschlüssel verwenden kann. Und für das richtige Besteck zum richtigen Zeitpunkt.

Für den ersten heißen Kaffee am Morgen. Im Zelt. Auf dem Gaskocher.

Und für Menschen die Abenteuer wagen.
Selbst oder gerade mit 4 Kindern. On the road. Mit dem Zelt. Verrückt.

Für einen thailändischen Bananen-Reis-Snack. Im Graben der Ringroad. Geteilt mit einem Menschen vom gefühlten anderen Ende der Welt.

Für Sonne. Viel Sonne. Und dafür, dass sie nahezu niemals untergeht.

Und für Regen. Und Wind. Der mich gelehrt hat, mich in Demut zu üben, wenn ich mein Rad stundenlang mit 10km/h über holprige Straßen bewegt habe.

Für das Bauchgefühl. Zu wissen, wann es genug ist. Und abzusteigen. Und zu schieben. Manchmal auch stundenlang. Und das Wissen, auch so ans Ziel zu gelangen.

Für meine Geduld. Für meine Geduld. Für meine Geduld…

Und für Bananen, Energyriegel und Instantnudeln. Und Porridge aus der Dose. Always.
Und für frisches Wasser aus Wasserfällen, um meine Trinkflaschen wieder aufzufüllen.

Für unzählige Tiere, die stundenlang meine einzigen Gesprächspartner waren.

Für die Mitternachtssonne.

Für die Abfahrten. Die teils unglaublich waren. So unglaublich wie der Berg hinauf.
Und für die Gedanken. Die sich nach einiger Zeit beim Anblick des hundertsten unvorstellbaren Berges einfach für Humor entschieden haben.

Man hat doch eben immer die Wahl.

Für „Gravel Roads“, die den Namen „Road“ nicht im Ansatz verdient haben. Und für Schlaglöcher, in denen ich beinahe versunken wäre.

Für Autofahrer die Abstand halten.

Und für alle Touris, die versucht haben mich heimlich zu fotografieren. (Ist euch nicht gelungen. Nie!)

Für das unbändige Selbstvertrauen, dass am Ende alles gut sein wird.

Für französische Touristen, die kurzerhand extra für mich umdrehen, um mich nach 50km Sturm (50 km/h) und Regen noch die letzten 10 km zu eskortieren.
Und dafür ihr Auto umräumen.

Für das Wissen, dass die ersten Schritte die schwersten sind und es sich immer lohnt durchzuhalten.

Und dafür, das dann auch zähneknirschend zu tun. Und daran zu wachsen.

Für open minded people und großartige und inspirierende Gespräche.

Für bezaubernde Übernachtungsorte.

Für den Ozean und die unglaublich lange und wunderschöne Fahrt an der Küste entlang.

Für Busfahrer, die bei miesem Wetter noch versuchen das fünfzehnte Fahrrad irgendwie in den Bus mitzukriegen.

Für das Lachen. Immer und überall. Mit fremden Menschen. Und auch allein.

Für die Zuversicht, dass nach 60km Einsamkeit durch die Berge irgendwann das Ziel erreicht ist. Und dafür, dass man dann eine unglaublich schöne Aussicht und eine 20% Abfahrt auf Schotter mehr oder minder genießen kann.

Für meine Bremsen.

Und für mein Rad überhaupt. Das mit keinerlei Schäden durchgehalten hat. Tapfer.
Und für meinen Körper. Der selbiges von sich behaupten kann.
Und für meinen Kopf. Der sich so manches schön reden musste. Und es ist ihm gelungen.

Für Oropax.
Und für Nächte ohne. An Wasserfällen. Mit unglaublicher Geräuschkulisse.

Für Busunternehmen, die extra nen großen Bus schicken, damit meine Bikebox mitkommt.

Und für Teilzeitnachbarn, die dir Downtown eine der letzten Cyclingmaps besorgen und ins Zelt legen.

Für Stöpsel in Waschbecken, damit du endlich auch mal deine Wäsche ordentlich handwaschen kannst – the little things.

Für das Vertrauen immer und überall alles herumliegen lassen zu können, ohne dass etwas wegkommt.

Für „Leftovers“ anderer Camper. Und für die Menschen, die sich über meine erfreut haben. Sharing is Caring.

Für gute Tipps von und für andere Menschen. Die man nicht im Reiseführer bekommt.

Für freie Campingplätze an der Küste.

Für Pferde, die Vorfahrt haben.
Immer.

Und für Schafe, die mit dir Gassi gehen.

Für die „Hidden Places“.

Für die random Etappen, die ungeplant waren.

Und für die Kunst im Regen und beim höchsten Berg noch zu lachen.

Für die magic moments.
Und für Menschen, die man immer wiedertrifft.

Für Menschen, die zuhause warten. Und mitfiebern.

Und für Katzen, die immer treu sind und dich und deine Klamotten sogar nach fünf Wochen Handwäsche noch unendlich lieben.

Für unzählige bezaubernde Eindrücke.
Und viele „lessons learned“.

Für das Gefühl, dass alles möglich ist.
Und für die Erkenntnis, dass der Kopf entscheidet.

Für 1230km on the road.

Danke, Island.

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12 Gedanken zu „Eine Liebeserklärung.

  1. Wow! Respekt für deine Leistung! Ich habe mit jedem deiner Satz mitgeträumt…Wir waren letzte Jahr dort und fliegen in 5 Wochen wieder. Ich kann es kaum erwarten, das Land hat mich so verzaubert. Wir werden zwar nicht mit dem Rad rundherum reisen, aber immerhin im Auto. Und jaaaa…Dieses Gefühl von Freiheit und Sicherheit habe ich auch gespürt!

    1. Liebe Anja, wie schön, enjoy! Ich könnte auch grad direkt wieder los 😉 Aber so ist das eben auch mit Island. Ich werde definitiv auch wiederkommen.. Dreimal durfte ich ja nun schon. Nächstes mal vielleicht mit dem Motorrad 🙂 Gute Reise und viele tolle Momente!

  2. Wunderbar. Glückwunsch zu dieser, deiner ganz persönlichen Erfahrung. Toll, dass wir uns getroffen haben. Vielleicht bis irgendwann und irgendwo mal wieder! Viel Spaß bei allem, was du tust. Liebe Grüße aus – moment…wo sind wir gerade?..ah ja..Stokkseyri! Dein Jan & Deine Madeline

  3. HeyTanja, wie es dir wohl geht ? Wie wohl dein Islandtrip zu Ende gegangen ist ? Wir trafen uns im Juli bei Djúpavogur oben auf einer ehemaligen Farm – du erinnerst dich ziemlich sicher an die Frau mit dem braunen VW-Bus ? Meldung dich halt einfach mal – wenn du magst. Alles Liebe – Heide

    1. Liebe Heide, na klar erinner ich mich an dich! Ich habe in keinem schöneren „Wohnzimmer“ morgens rumgesessen zum schnacken auf meiner Tour, als in deinem Bulli. Großartig war es noch! Hab oft gedacht, wo du wohl gerade rumfährst.. Komme sicher auch in den Norden mit meinem „Vortrag“, dann sollten wir uns unbedingt sehen 🙂 Herzliche Grüße, Tanja

  4. Hey Tanja,

    Total toll was du da gemacht hast. Ums kurz zu machen ich will auch! 😂 Aber ich bin ein kleiner schisser was allein sein angeht. Nicht mit mir. Da komm ich gut klar über mehre Wochen aber irgendwie dieses alleine Zelten etc. Wie schaffst du es da keine Angst vor irgendwelchen Spinnern zu haben? Oder das dich wer von der Straße klaut..das ist so mein Problem an dem ich zu knabbern habe und was mich davon abhält so etwas anzugehen.

    Ich würde mich wirklich gerne über deine Tipps freuen.

    Alles Liebe und nochmal Hut ab für diese Reise!

    Lotta

    1. Hey Lotta,

      danke für deinen Kommentar. Und natürlich auch für das schöne Feedback. Ich denke, dass sich die Frage recht simpel beantworten lässt. Island war für mich immer ein wirklich sicheres Land, weshalb ich das recht entspannt gesehen habe. Dazu kommt aber sicher auch noch, dass ich selbst da auch recht entspannt bin und nicht so sehr ängstlich. Genau genommen überwiegt in solchen Fällen meine Neugier und Abenteuerlust gegenüber der Sorge, dass irgendetwas passieren könnte. Ich hab gerade erst einen Podcast veröffentlicht, wo es in den ersten beiden Folgen auch darum geht. Vielleicht ist der ganz hilfreich für dich? Findest du auch hier auf meiner Seite: http://tanja-ney.de/blog/podcast Mail mir aber auch gern, wenn du Fragen hast und konkrete Tipps brauchst. Bis dahin liebe Grüße, Tanja

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