KM 220 – Radfahren in Schräglage. Ist genauso blöd wie es klingt..

Das war dann wohl der bislang wirklich mit Abstand herausfordernste Tag, wenn man es noch positiv fomulieren möchte. Was mir grad schwer fällt. Aber nachdem ich nun noch im Hot Pot war (quasi n isländischer heißer Pool) und heute sogar ein Bett mein eigen nenne..will ich den Tag mal Tag sein lassen, denn morgen sieht die Welt sicher wieder ganz anders aus.

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Hatte ich nicht mal was von Komfortzone geschrieben irgendwann? Heute hab ich sie dann mal getroffen. Und zwar ne ganze Weile lang sogar. Wir haben so den ein oder andern Deal unterwegs gehabt und uns gegenseitig das Leben heiter bis wolkig gemacht. Was wiederum passt wie die Faust aufs Auge. Denn: Heute war Wetter. Und zwar so richtig. Ich kenne Island. Ich weiß, dass das so sein kann, aber wie es sich dann wirklich auf dem Fahrrad anfühlt, wenn man in Schräglage fahren muss um auf der Straße zu bleiben…Hm…das hatte ich bislang auch noch nicht ausprobiert.

Fazit: Kannste schon so machen…ist aber.. Ihr wisst schon.

Es gibt de Kurzfassung, denn ich bin sehr müde: Heute morgen von Borganes aus gestartet, schon bei Regen und recht kühlen Temperaturen, aber mit der Gewissheit, dass in nur 40km schon ein wirklich netter Campsite mit heißer Dusche wartet. Also bin ich los – erst noch über die Tanke in der anderen Richtung ne Gaskartusche besorgen – und dann in Regenklamotte Richtung Westen.

Unterwegs gabs einiges an Regen, aber halb so wild in den richtigen Klamotten. Wurd nur n bisschen warm beim Fahren, Scott und Lala waren schon voraus (Scott: Neuer Teilzeitnachbar aus Borganes) zum gleichen Ziel. Wir sind quasi alle allein aufgebrochen, weil jeder noch so seine persönlichen Dinge erledigen wollte in Borganes.

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Nach 25 KM nimmt der Wind plötzlich so rapide zu, dass ich denke ich fliege gleich weg. Mitsamt Rad und Gepäck. Wirklich nicht witzig und ich wusste ja auch, dass es stürmisch werden sollte..Aber, ERLEBNISpädagogen wollen ja auch immer alles ganz genau wissen und ausprobieren. Also unterwegs so gesehen kein bisschen gewundert über den  “plötzlichen” Umschwung und tapfer dagegen gehalten. Bis ich etwa 5km vor dem Ziel Lala überholte.

Gemeinsam zum Platz geschuftet. Beide froh, dass wir endlich dort sind. Und siehe da: Voll. Closed. Wegen Family irgendwas Camping.

Ich glaub so ungläubig war ich schon lang nicht mehr. Auf die Frage wo der nächste Campsite sei, erfahren wir: In 15km. Puh! Das ist zwar nix…aber wenn du mit deinem vollgepackten Rad nur 6 km/h bei 50km/h Seitenwind fährst und vor allem deshalb nicht in der Spur fährst…dann sind 15km plötzlich das Ende der Welt.

Egal, wir fahren also. Bleibt uns ja nicht viel anderes übrig. Noch schnell ne Banane im Windschatten des closed campsites verdrückt und auf gehts.

Aber es ging fast gar nichts. Zwischendurch mussten wir immer wieder schieben – wobei auch das wenig komfortabel war, vor allem angesichts der Autos (ist ja ne Bundesstraße..). Lala ist einmal das ganze Rad um die Ohren und umgeflogen und ich hab mir lösungsorientiert schön die – laut Navi dann doch – 18km in kleine Häppchen gepackt: So, dann haben wie ja jetzt schon Päckchen 1 mit 3km geschafft….Dann haben wir das zweite geschaffts…usw..

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Ich weiß wirklich nicht, wann ich das letzte Mal so verzweifelt war wie heute. Keine andere Wahl. Keine Chance auf Umkehren, Bus nehmen, gut vorankommen.. Bei 6 km/h bräuchten wir für die kurze Strecke dann auch 3 Stunden. Ich fass es nicht, bin zudem total verschwitzt und trotzdem auch irgendwie nass vom Regen, der uns ins Gesicht peitscht wie Hagelkörner.

Lala bekommt es mit weniger Gepäck dann doch noch irgendwie hin. Ich hingegen entdecke einen Jeep und frage einfach mal nach, ob die beiden mich nicht mit zum Hotel nehmen können. Und mein Rad natürlich.. Die beiden Französinnen wollten sich eigentlich irgendwelche heißen Quellen dort anschauen und kamen exakt aus der Richtung wo ich hin muss. Aber sie haben ein Herz und ich darf kurzerhand mein Rad in den Kofferraum werfen.

Es wird noch kurz aufgeräumt, mein Vorderrad abmontiert, Taschen runter und auf gehts. Wie es dann ja immer so ist quatschen wir munter. Ich kann ein paar Tipps geben, berichte dass ich jetzt nach 50 km Regen und Wind auch einfach platt sei und ich Ihnen deshalb unendlich dankbar sei. Sie können mich sehr gut verstehen und berichten von einem ähnlichen Erlebnis im letzten Jahr, wo es allerdings viel zu heiß war für eine Tour. Ja…die Herausforderungen sind eben recht unterschiedlich im Leben..

Der Rest ist schnell erzählt: Die beiden sind meine Retter und Heldinnen des Tages. Und die tapfere Lala kommt auch etwa ne Stunde später an. Scott wartet schon völlig verfroren im Foyer und wir schnacken ne gefühlte Ewigkeit über das Wetter und was das so mit einem macht auf so einer Tour. Herausforderung angenommen. Wenn auch nicht bis zum Schluss. Aber man wird ja wohl auch noch lösungsorientiert und pragmatisch sein dürfen, oder? Kann ich einfach nicht ablegen..

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Nebenbei erzählt Scott, dass die Mädels vom Hotel Checkin von einem Paar berichteten, die nun vier Tage biken waren, sie kamen auch von Reykjavik, und heute hier im Hotel beschlossen haben die Tour abzubrechen. Verübeln kann ich es Ihnen ja nicht. Was hab ich geflucht unterwegs.. Dennoch morgen oder übermorgen geht es irgendwie weiter. Morgen wird der Wetterforecast nochmal gecheckt und danach entschieden was wo wie wohin woher.. Gibt natürlich wie immer mehrere Möglichkeiten.

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Ich belohne mich heute mit einer “Sleepingbag Accomodation” anstelle eines Zeltplatzes hier im Hotel, genieße eine (fast) eigene heiße Dusche, den Hot Pot, eine Waschmaschine und ein Bett. It´s worth it. Und ich find ich hab das echt mal heute verdient. 50km TorTour. Das muss bitte besser werden. Aber grad kommt wohl auch endlich mal n bisschen Sonne raus (22:41). Das ist doch alles verrückt hier..

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Schlaft gut. Ich tue das selbe. Und wie…

Gute Nacht ***

 

 

 

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