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Erst neulich durfte ich Amalia Sedlmayr kennenlernen. Die junge Athletin hat eine unfassbare Geschichte zu erzählen und mich mit ihrem Umgang damit wirklich zutiefst beeindruckt. Daher habe ich mich entschieden, ihre Geschichte hier zu teilen. Doch nicht ich habe sie geschrieben. Die Sportstiftung NRW, die die Para-Athletin auf ihrem Weg zu Olympia unterstützt, begleitet die ehemalige Triathletin und schreibt auch ausführlich darüber.

Da der Lebens- und auch Leidensweg der Ausnahmesportlerin sehr komplex ist, habe ich mich entschieden die Worte des Kollegen hier zu teilen, anstatt selbst vermutlich viel zu wenige Worte zu verlieren. Zu diesem Zeitpunkt, wo ich sie kennenlerne und diesen Text teile, hat sie die Amputation beider Unterschenkel gerade hinter sich gebracht. Ein zweiter Teil des Portraits seitens der Sportstiftung wird folgen. Wenn ihr Interesse habt an weiteren Inhalten dazu, dann folgt der Sportstiftung auch gern bei Instgram (@sportstiftungnrw).

Warum Amalia hier einen Platz hat?

Weil sie einer der für mich eindrucksvollsten Persönlichkeiten  ist, denen ich bislang begegnet bin. Nachdem ich sie kennengelernt habe, habe ich mich ein wenig geerdet gefühlt. Bei all dem Mimimi, das wir manchmal an den Tag legen, holt auch mich so eine Geschichte wieder auf den Boden der Tatsachen. Insbesondere aber ihr Umgang damit. Keineswegs selbstverständlich, all diese Entscheidungen zu treffen, sich neue Ziele zu setzen und diese konsequent – mit allen Challenges die dazugehören – zu verfolgen.

Thumbs up, Amalia. Du sagtest zwar, du könntest von mir noch ne Menge lernen. Aber ich bin da anderer Meinung. Ich lerne von dir. Wir alle lernen von dir. Deshalb teile ich deine Geschichte. Herzliches Dankeschön an Sebastian Burg und Sportstiftung NRW für die Bereitstellung des Text- und Bildmaterials. Und an Amalia, die einverstanden war, ihre Geschichte mit mir und auch hier zu teilen. 

©Sportstiftung NRW / Sebastian Burg

Fieser Fisch

Drei Jahre trank Amalia Sedlmayr unwissend vergiftetes Wasser. Die lange Leidenszeit schwächte ihren Körper beträchtlich, aber stählte ihren Willen. Aus einer ambitionierten Triathletin wurde eine aufstrebende Para-Ruderin mit dem Ziel Tokio 2021.

Der fiese Fisch ist im Labor untergetaucht. Die Wasserkaraffe hat Amalia aussortiert. Drei Jahre hauste der bunte, daumengroße Übeltäter in seinem gläsernen Unterschlupf. Tag für Tag, Schluck für Schluck infiltrierte er heimlich sein Gift in die Sportlerin. Der Fisch zwang Amalia ans Limit – körperlich, mental, moralisch. Unterkriegen ließ sich die 28-Jährige jedoch nie. 

An einem Morgen im Dezember 2013 beginnt alles. Schier von jeglicher Kraft verlassen, knickt Amalia auf dem Weg ins Bad ein. Sie kann sich kaum aufrecht halten. Muskelschmerz. Dabei steht Amalia eigentlich voll im Saft. Die Triathlon-Distanz bewältigt sie unter sieben Stunden. Die abendliche Joggingrunde taugt nicht als Erklärung für diesen Schmerz.

Im folgenden halben Jahr verliert Amalia 27 Kilo. Stress im Studium kann nicht die Ursache sein, ist sie sich sicher. In einem Kraftakt schleppt sich Amalia im Sommer zum Hausarzt. Der weist sie ins Krankenhaus ein. Nach drei Tagen im Rollstuhl will sie wieder aufstehen, aber ihre Beine tragen sie nicht mehr. Die Erkenntnis ist erschreckend irreal: „Ich kann nicht mehr gehen“. 

Das eigene Ich wird immer fremder 

Aber nicht nur ihr Körper baut sukzessive ab. „Mein Kopf war Gemüse“, erzählt Amalia. „Ich wurde vergesslich, war schnell reizbar und hatte Schwierigkeiten mit der Sprache. Mein Wortschatz schrumpfte.“ Eigentlich sind Sprachen ihr Ding. Das Portugiesische sog sie mit der Muttermilch auf, Spanisch und Englisch reiften durch Sprachreisen während ihrer Schulzeit. 2013 zog Amalia nach Heidelberg, um Übersetzungswissenschaften zu studieren. „Dolmetscher müssen im Kopf schnell schalten können“, weiß sie. Es fiel ihr leicht. Und jetzt das. Das eigene Ich wird Amalia zunehmend fremder. Wie konnte es soweit kommen? 

Ein Fisch gehört ins Wasser, dachte sich Amalia, als sie vom Stadtfest „Heidelberger Herbst“ in ihre Studentenbude heimkehrt. Sie war frisch an der Uni. Das soeben auf dem Flohmarkt erworbene Schnäppchen machte in der Wasserkaraffe neben dem Bett dekorativ etwas her. Amalia und der Deko-Fisch hatten damit eine Gemeinsamkeit: Wasser ist ihr Element. 

Im Alter von drei Jahren sprießt ihre Liebe zum Schwimmen. Das Mädchen paddelt bald zweimal wöchentlich im Schwimmzentrum der Deutschen Sporthochschule Köln. „Meine Mutter hat mich breit gefächert in alle möglichen Sportarten gefördert“, erzählt Amalia. Leichtathletik, Kunst- und Geräteturnen kommen hinzu. Ab der Grundschule verbringt sie jeden Wochentag an der „SpoHo“. Das Kind steckt voller Energie. „Damit ich abends Ruhe gab, musste ich mich tagsüber auspowern“, berichtet Amalia. „Ich habe mich dort immer wahnsinnig wohl gefühlt.“ Amalia macht fünf Jahre klassisches Ballett mit Auftritten im Kölner Gloria Theater. „Während dieser Zeit ist die Perfektionistin in mir gewachsen“, erklärt sie. Bis 16 trainiert sie zudem als Rettungsschwimmerin bei der DLRG. 

Der Triathlon wird zur Leidenschaft

Mit 17 erzählt ihr Onkel “Joli” aus Brasilien von seinem neuen Hobby, Triathlon. Amalia ist im Nu angefixt. Jolis bester Freund ist Joachim Doeding, zufällig der Top-Triathlet von São Paulo. Er wird ihr erster Trainer, der Triathlon ihre Leidenschaft. „Ich habe Spaß daran, mich mit anderen zu messen, aber vor allem mich selbst zu übertreffen. Meine Bestzeit zu übertreffen ist ein wunderbares Gefühl. Dabei erzielt man den größten Fortschritt“, sagt Amlaia. Der Triathlon habe sie mental auf das Leben vorbereitet und ihr gezeigt, dass sie erreichen kann, woran sie glaubt. „Irgendwann stellt den Körper auf den Maschinen-Modus.“ 

Neben dem Abitur stemmt die Schülerin jede Woche bis zu 38 Stunden Training. „Ich bewegte mich an der Grenze zum Leistungssport.“ Um ihren Sport zu finanzieren, arbeitet Amalia in einer Neurologischen Rehabilitationsklinik in Bonn. Sie hilft Parkinson-Patienten, Unfallopfern und Querschnittsgelähmten wieder mobil zu werden. „Es ist eine Ironie des Lebens, dass mich diese Erfahrung darauf vorbereitete, was später auf mich zukam“, sagt sie. „Ich habe von diesen Menschen gelernt, das Leben anzunehmen.“ 

“Sie hatten mich aufgegeben.”

Als Amalia 2013 selbst Patientin wird, gibt sie den Ärzten Rätsel auf. Amalia durchläuft einen Marathon an Fehldiagnosen. Knochenmark, Leber und das zentrale Nervensystem erleiden schwerwiegende Schäden. Von plötzlichen Krampfanfällen geschüttelt, kommt sie kaum aus dem Bett. Spasmen befallen Füße und Finger. Nach der zweiten Reha kommt zuhause prompt der Rückfall. Der Fisch in der Karaffe neben dem Bett hatte auf sie gewartet. 

Nach der vierten Reha 2015 kann sie zehn Meter am Rollator laufen und gilt als „austherapiert“. Ein schlechter Witz für eine Triathletin. „Sie hatten mich aufgegeben.“ 

Am Tiefpunkt kommt die Wende

Es geht rapide bergab. Unerklärliche Bauchschmerzen rauben Amalia wochenlang den Schlaf. Die Ärzte diagnostizieren Knochenmarkfunktionsstörungen und Leberschäden, erkennen aber nicht die Ursache. „Ich bin nicht ängstlich und eigentlich sehr leidensfähig“, betont Amalia. Doch an diesem Tiefpunkt wollte sie nur raus aus der Klinik und zu ihrer Mutter. „Ich wollte mich von ihr verabschieden.“ Der Entwurf eines Testaments lag bereits in der Schublade.

Bei der erneuten stationären Aufnahme stellt ein Assistenzarzt fest, dass noch ein Test auf Schwermetalle im Blut aussteht. Es ist des Rätsels Lösung: Amalia hat seit drei Jahren eine schwere chronische Bleivergiftung. 

Blei reichert sich in den Knochen anstelle von Calcium an. Eine dauerhafte tägliche Dosis schädigt das Nervensystem und führt zu Lähmungen. „Aus Blei“, erklärt Mutter Esta Maria ihrer Tochter am Telefon, „sind die kleinen Zylinder, die Angler an ihre Leinen heften, damit der Köder ins Wasser sinkt.“ Angler, Fische, Wasser – in Amalias Kopf schließt sich ein Kreis. Die Entgiftungskur dauert bis heute an. Tabletten ziehen das Blei langsam aus den Zellen. 

Bildermemory statt Bachelor

Seit 2016 geht es bergauf, aber der Absturz war tief. Um ihren Studienabschluss kämpft Amalia zwei Jahre vergebens. Sie bekommt Sprachtherapie. Bildermemory statt Bachelor. „Wörter mit ‚ung‘ oder ‚sch‘ waren der Horror“, erinnert sie sich. „Ich sah das Wort, wusste, dass es ich falsch geschrieben hatte, erkannte aber nicht, wo der Fehler lag.“ Amalia kramt alte Sprachlernbücher aus ihrer Schulzeit heraus und wälzt sie zum zweiten Mal. 

Auch das Internet wird zum Reha-Helfer. Beschränkt auf ihre zwölf Quadratmeter in Heidelberg recherchiert sie Kraft- und Koordinationsübungen. Jeden Tag trainiert sie in Eigenregie eineinhalb Stunden – zusätzlich zur Physiotherapie. „Ich träumte vom Joggen am Neckar“, sagt Amalia. Nach einem Jahr schafft sie es ohne Pausen 300 Meter mit dem Rollator zu gehen.  

“Verliere nicht den Mut!”

„Seit 2018 fühle ich mich wieder klar im Kopf“, sagt Amalia. “Auch, weil ich weniger Medikamente nehmen muss.” Sie beginnt ein neues Studium an der Sporthochschule in Köln. Sie möchte Trainerin für Menschen mit Einschränkung werden, am liebsten im Schwimm- oder Rudersport. Denn: „In jungen Menschen steckt so viel Potenzial.“ Das Studium mache Spaß, sagt sie, „auch wenn ich im Weitsprung kürzer springe als in der Grundschule.“ 

Orthesen für die Füße ermöglichen ihr das Gehen. „Manchmal ärgere ich mich. Früher ging ich einfach mal mitten in der Nacht laufen, um den Kopf frei zu bekommen.“ Das geht nicht mehr. „Ich musste lernen, mein neues Ich anzuerkennen“, gibt die Studentin zu. In ihrem Zimmer im Wohnheim der Sporthochschule klebt ein mit bunten Farben vollgeschriebenes Tapetenstück. Die Pinnwand daneben ist gespickt mit Postkarten und Fotos. Alle Botschaften ihrer Freunde und Familie stoßen in das gleiche Horn: Verliere nicht den Mut! 

©Sportstiftung NRW / Sebastian Burg

Para statt Tri

Amalia trainiert eisern jeden Tag. Manchmal steht die Tür zum Hausflur offen, damit in den vier Wänden der Platz für ihre Übungen reicht. Oft nutzt sie die Möglichkeiten, die ihr der Olympiastützpunkt Rheinland in Köln bietet: den Kraftraum, die Physiotherapeuten oder die Ernährungsberatung. Amalia verfolgt inzwischen ein neues Ziel: die Ruderwettkämpfen bei den Paralympics. Doch viel wichtiger ist: Amalia ist wieder eine Athletin – mit einem vorangestellten „Para“ statt einem „Tri“. 

Im Frühjahr 2019 betritt Amalia zum ersten Mal den Ruderkeller des RTHC Bayer Leverkusen. „Rudern ist wie Schwimmen eine sehr technische Sportart. Noch kann ich die richtige Rudertechnik nicht konstant abrufen“, unkt bereits wieder die Perfektionistin in ihr. 

In der paralympischen Bootsklasse Mixed-Doppel-Zweier schnupperte Amalia im folgenden Sommer WM-Luft. Mit Schlagmann Marcus Klemp erreichte sie in Linz den dritten Platz im B-Finale. Eine hartnäckige Erkältung und Gegenwind verhinderten die direkte Qualifikation die Paralympics. Im Mai 2020 hätten die beiden letzten Tokio-Tickets vergeben werden sollen. Dann warf das Coronavirus alles durcheinander. „Die Chancen zur Qualifikation standen gut. Wir gehörten zu den Top Drei“, sagt Amalia. “Jetzt kann ich mich bis 2021 stärker verbessern. Bei mir ist noch viel Luft nach oben.” 

Damit spätestens bei den Paralympics in Paris 2024 eine Medaille gelingt, sichert die Sportstiftung NRW die optimale Vorbereitung der Para-Ruderer durch einen Trainer am Standort Leverkusen finanziell ab. 

©Sportstiftung NRW / Sebastian Burg

Kein finanzieller Spielraum für Amalia – Sportstiftung NRW ist zur Stelle

Neben wöchentlich 17 Stunden Fahrtzeit zum Training, langen Einheiten und ihrem Vollzeitstudium bleibt Amalia keine Zeit, um ihr BAföG aufzustocken. Mit diesem Einkommen würde kein Leistungsruderer annähernd auskommen“, erkennt die Sportstiftung NRW. „Solange Amalia Bedarf hat, sind wir deshalb mit unserer Basisförderung zur Stelle“, sagt Geschäftsführer Jürgen Brüggemann. Amalias Deutschlandstipendium ist Teil dieses “CARE-Pakets”, das man sich mit Leistung verdient.Die Sportstiftung ist in Sachen Förderung paralympischer Athleten der erste Ansprechpartner in NRW. 

All in: Keine Angst vor Amputation 

Die Fehlbelastung der Füße hinterlässt bei Amalia Spuren. Die Schmerzen werden unerträglich. Amalia quält sich durch die Tage und findet nachts keine Ruhe. Anfangs halfen Botox-Spritzen verkrampfte Muskelspasmen zu lähmen und zu zähmen. Nun verliert die Behandlung an Wirkung. Der ungeliebte Rollstuhl bekommt ein Comeback, doch Schmerzen und schlaflose Nächte bleiben. Durch Corona sei ihr bewusst geworden, dass ihr Wohl und somit eine OP Vorrang haben. “Danach kann ich ungebremst in die neuen Tokio-Saison starten“, hofft sie. 

Der nächste Einschnitt kommt. “Mehrere Fachärzte sind mit mir zu dem Entschluss gekommen, dass eine beidseitige Amputation ab Höhe der Schienbeine die sicherere Lösung ist.” Auf lange Sicht erwartet Amalia dadurch eine Linderung ihrer Schmerzen und weniger Folge-OPs, dafür aber – das ist ihr sehr wichtig – mehr Mobilität. Bei einer Fußgelenksversteifung wäre das anders. “All in oder gar nicht!” Von Angst keine Spur: “Ich habe schon anderes geschafft und gehe das ja nicht alleine an. Ich fühle mich getragen von meinem Glauben, meinen Trainern, Physiotherapeuten, Freunden und von der Sportstiftung NRW.”

Fortsetzung folgt.

©Sportstiftung NRW, Text und Fotos: Sebastian Burg

#52 – Podcast mit Tanja Ney: Mentaltraining, Triathlon und die „Extrameile“

Im Podcast mit Tanja Ney nehmen wir wortwörtlich einen Umweg über die „Extrameile“: Es geht um mentales Training, Motivation und jede Menge Assets, die Tanja in ihrer Arbeit als Mentaltraining mit ihren Athleten nutzt. Außerdem gibt’s einige Tipps, wenn ihr zu Hause selbst mal ausprobieren wollt, wie ihr mental besser werden könnt. Viel Spaß beim Zuhören!

Hier gehts zum Pushing Limits Podcast.

Ich möchte euch gern einladen, mich zu motivieren und zu supporten, indem ihr mich – und damit den Verein „wirfueryannic.ev“ – pro gefahrenen Kilometer bei der Fichkona Challenge unterstützt. Da ich mit meinen Projekten das Privileg habe, eine Öffentlichkeit und damit auch so einige coole & engagierte Menschen zu erreichen, möchte ich nicht einfach nur für mich fahren, sondern mein nächstes Event nutzen, um auf ein wichtiges Thema aufmerksam zu machen: Depression im Sport.

Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Thema auch und gerade im Sport sichtbar zu machen. Die sehr persönliche Geschichte dahinter findet ihr auf der Vereinswebseite. Über einen meiner Lieblingsblogs, Pushing Limits, habe ich von dem Verein erfahren und habe mir gleich Gedanken gemacht, wie auch ich das Thema unterstützen könnte.

Warum für das Thema Depression?

Weil hier ganz klar auch das Thema Mentaltraining an seine Grenzen stößt und es wichtig ist, diese zu erkennen und Menschen anderweitig zu unterstützen. Das Thema ernst zu nehmen und nicht zu tabuisieren. Um nicht zu spät zu reagieren, ist Aufklärung wichtig. Gerade Sportler sind oftmals nur als starke, meist erfolgreiche und ehrgeizige Persönlichkeiten sichtbar. Und Social Media sei Dank wird uns das auch mittlerweile in all seinen Facetten immer wieder oberflächlich präsentiert. Die unperfekten Menschen und Herausforderungen dahinter werden oft nicht gesehen. Ernstzunehmende Krankheiten nicht erkannt oder tabuisiert.

Am 22.6. werde ich also die Fichkona Challenge fahren. 600 Kilometer nonstop mit dem Rennrad. Vom Fichtelberg bis ans Meer, nach Rügen zum Kap Arkona. Das ist mein Plan. Dafür trainiere ich und darüber berichte ich regelmäßig auf meinen Kanälen. Ich freue mich auf diese Herausforderung und bin mir der Größe dieser Challenge sehr bewusst. Bislang bin ich 300km erfolgreich gefahren und diese Distanz wird eine neue Erfahrung für mich werden.

Ob ich es schaffe? Das weiß ich nicht. Aber ich trete an, um am nächsten Morgen ins Ziel zu fahren.

Diese Spendenaktion soll dazu beitragen, dass das Thema sichtbar wird und der Verein weitere Events und Beratungs- / Präventionsangebote an den Start bringen kann. Aktuell gilt es, einen Aktionstag auf die Beine zu stellen, wo Trainer und Funktionäre geschult werden.

Was ihr dafür tun müsst?

Vor dem Event:

Schreibt einfach in das Spenden-Event bei betterplace euer Commitment für jeden gefahrenen Kilometer. (Zb.: „Ich spende 0.05 € pro gefahrenen Kilometer! oder “Wenn du mind. 300km fährst, dann spende ich – soundsoviel Euro!“) Selbstverständlich könnt ihr auch bereits vorher einen Betrag spenden, wenn ihr von der Sache und von mir und der Aktion überzeugt seid. Motiviert mich selbstverständlich auch!

Nach dem Event:

Nachdem ich dann am Ende 600 +- x Kilometer gefahren bin, spendet ihr eure daraus resultierende Summe über einen Link, den ich noch bekanntgeben werde. Selbstverständlich erhaltet ihr dazu später auch eine entsprechende Spendenquittung.

Sobald das Event gelaufen und alle Spenden überwiesen worden sind, wird der gesamte Betrag an den Verein „wirfueryannic.ev“ übergeben und ihr werdet über darüber informiert.

Während des Events:

Feuert mich an und motiviert mich. Ich freu mich über jeden Support und über jeden Kilometer, der Spenden einfährt. Und das gute Gefühl, mit jedem Kilometer meinem persönlichen Ziel ein Stück näher zu sein. Ich versuche euch dabei unterwegs so gut es geht auf dem laufenden zu halten, damit ihr wisst, ob ihr einen Kredit aufnehmen müsst oder ein einfacher Gang zum Pfandflaschenautomaten schon ausreicht für eure Spende 😉 .

Für Fragen mailt mir gern und wenn ihr von der Sache überzeugt seid und andere Supporter kennt: SPREAD THE WORD und teilt dieses Event gern auf euren Kanälen.

Lasst uns diese verrückte Welt doch mit ebenso verrückten Aktionen ein Stück weit besser machen und gemeinsam etwas bewegen.

Ich danke euch ღ
Best, Tanja

#letsbeatdepression

Buenos dias aus den Bergen Teneriffas, wohin ich mich auch dieses Jahr für den Jahresausklang und für Sonne und Trainingszwecke zurückgezogen habe. So langsam starte ich auch in mein neues Sport- und Businessjahr und möchte gern vorab einen kleinen Ausblick mit euch teilen. Weil es ein “leider geiles” Jahr werden wird. Dachte ich, das letzte sei nicht zu toppen, wurde ich nun eines besseren belehrt. Aber von vorn..

Ich freue mich riesig, dass das Jahr so motiviert startet. Ich werde wieder einen meiner bisherigen Athleten, einen Marathonläufer auf seine Ziele und einen besonderen Wettkampf hin begleiten und mental trainieren. Darüber wie dieses Sportmentaltraining genau funktioniert und dass es deutlich mehr sein muss, als “Chakka, auch du kannst es schaffen!” berichte ich bei meinem zweiten Vortrag im Radshop staub & teer in der Kölner Südstadt. “Leider” war auch der zweite Termin ratzfatz ausverkauft, so dass ich für dort keine Einladung mehr aussprechen kann.

Tanja Ney Coach Sportmentaltraining

Aber ich wäre nicht ich, hätte ich mir darüber nicht schon Gedanken gemacht. Ich plane weitere Keynotes in größerem Rahmen und das bundesweit. Was wann wie wo werdet ihr hier und auf meinen Social Media Kanälen erfahren, sobald es konkrete Infos dazu gibt. Nur eins kann ich schonmal verraten: Das wird gut!

Unter anderem werde ich auf dieser Tour auch von meinen eigenen Trainings berichten, da ich mich auf die FICHKONA vorbereite, wo es gilt 600km in 24 Stunden zurückzulegen. Mit dem Renner versteht sich. Ein großer Traum und der nächste logische Schritt für mich, nachdem ich vergangenes Jahr erstmals die 300 fahren durfte bei der R2NSC. Dass ich einen Startplatz bekommen habe ist großartig und ich freue mich einfach mega auf diese Herausforderung. Klar darf auch hier das mentale Training nicht fehlen, denn gerade auf den Langstrecken ist nicht nur der Körper gefragt sondern der Kopf hat endlos Zeit dumme Sachen zu machen und blöde (berechtigte..) Fragen zu stellen.

Apropos Langstrecke. Bereits jetzt begleite ich den Ultracyclisten Torsten Weber und sein Team als Sportmentaltrainerin in Vorbereitung auf das Race Around Austria 2019. Die rund 2.200 km lange Strecke mit etwa 30.000 Höhenmetern führt über grenznahe Straßen einmal rund um Österreich und dauert etwa 5 Tage. Nach dem bereits erfolgreichen Race Across Germany war dem Team schnell klar, dass auch die mentale Komponente mit trainiert werden sollte. Damit starten wir im Februar mit einem Kick Off des gesamten Teams und ich freue mich sehr mit an Bord sein zu dürfen.

Ebenso Torsten Weber werde ich mental für das “kleine” Race Across Germany begleiten und dort auch während des Rennens mit im Team und somit auch live im Begleitfahrzeug mit dabei sein. Da einer meiner größten Wünsche ist, irgendwann einmal das sagenumwobene RACE ACROSS AMERICA als Mentaltrainerin begleiten zu dürfen, bin ich doch hier schonmal auf dem richtigen Weg denke ich.

Alles in allem also wirklich gute, herausfordernde und sportliche Aussichten. Darauf freue ich mich sehr. Insbesondere mag ich an meinem Job, dass ich immer und immer wieder mit motivierten Menschen zu tun haben, die eben mehr wollen. Die die Extrameile gehen. Und die immer einmal mehr aufstehen als alle anderen. Dabei zu unterstützen und auch selbst meinen Sport und meine Ziele damit umsetzen zu dürfen ist ein Traum. Der, durch viele kleine Schritte, gesteckte Ziele und Disziplin Wirklichkeit wird.

Daneben bin ich natürlich weiterhin in Sachen Medien und guter Kommunikation unterwegs, coache auch Nicht-Sportler, blogge, halte Vorträge und gebe Workshops. Ein buntes Jahr wird das. Ich freu mich drauf!

Habt einen großartigen Start und machts zu euerm besten Jahr, euerm besten Tag, eurem besten Moment.

Best, Tanja

Am vergangenen Sonntag bin ich das zweite Mal bei den Cyclassics in Hamburg mitgefahren. Eines der größten Jedermannrennen mit rund 18.000 Teilnehmern auf drei Distanzen. Ich bin auch dieses Jahr nochmal den “short course” mit knapp 60 Kilometern gefahren. Zunächst hatte ich die 100er angemeldet, aber dann hat mich irgendwie doch der Ehrgeiz gepackt, meine Zeit aus dem letzten Jahr zu knacken. Letztes Jahr war das genau mein zweites Rennen überhaupt, denn ich war ja erst im Mai 2017 aus einer Laune heraus mit diesem verrückten Sport gestartet. Aber das ist eine andere Geschichte und gehört nicht hier her.

Ich möchte gern an dieser Stelle schreiben, was ich aus, vor allem auch aus sportmentaler Sicht, einfach richtig gemacht habe, um mein Ziel in diesem Rennen sogar noch um einiges zu übertreffen.

Ich nehme nämlich nicht nur ein verdammt gutes Gefühl mit nach Hause, sondern auch einige lessons learned, die ich gern an dieser Stelle mit euch teilen möchte.


Von Nix kommt Nix.

Das einfachste zuerst: ich habe natürlich trainiert. Logisch. Also finde ich. Was wir als Sportmentaltrainer allerdings vom Training fordern, unterscheidet sich möglicherweise vom herkömmlichen Training. Denn: Ich habe möglichst wettkampfnah trainiert, wo immer es mir möglich war. Zum Beispiel in meinem Wettkampfoutfit. Auch, wenn das für manch andere dann vielleicht etwas overdressed aussieht, so auf nem Wattbike im Gym: Es ist egal, denn es ist wichtig! Darüber hinaus habe ich eine ähnliche Dauer wie die des Wettkampfes trainiert. Die Startzeiten mit berücksichtigt und meine Ernährung angepasst. On Top habe ich nun auch einen Trainingsplan, nach dem ich trainiere und der mich natürlich aus Sicht der Trainingslehre voranbringt.

Von Nix kommt doch was: Der Leistungszuwachs entsteht in den Pausen.

Ist für uns Sportler oftmals eine oder die größte Herausforderung, aber so unfassbar wichtig. Da wir wissen, dass der Leistungszuwachs in den Ruhephasen entsteht, benötigen wir von diesen natürlich auch entsprechend ausreichend viele. Sonst trainieren wir in den Keller. Stichwort “Superkompensation”. Dazu an anderer Stelle ausführlicher mehr. Ich habe also mein Trainingsvolumen darauf abgestimmt, dass ich nicht non-stop auf dem Rad sitze oder Stabi-Training mache, sondern eben auch mal: NIX. Und dieses “Nix” auch mit aktiver Erholung fülle.

Mentales Warm Up im Startblock – Geschenkt!

Menschen sind unterschiedlich. Athleten auch. Und jeder braucht etwas anderes, um sich zu motivieren. Nicht jeder weiß, was ihm gut tut und so werden die Situationen, die dafür sinnvoll wären, oftmals nicht gut genutzt.

Tanja Ney Cyclassics SportmentaltrainingDie Pre-Start-Phase gibt es halt, da machste nix, da stehste halt rum und wartest. Vielleicht isst du noch grad ne Banane. Dehnst unmotiviert ein bisschen hier und da, sieht ja auch immer so doof aus, wenn alle anderen gucken und nur quatschen..ist ja schließlich kein Profirennen, wir fahren hier son bisschen durch Hamburg… Oder wie?

Ich sag dir was: Diese Phasen sind ein Geschenk! Denn du hast nochmal die einmalige Gelegenheit in dich hineinzuhören, was du gerade wirklich brauchst. Im Idealfall weißt du das natürlich bereits und hast es im Training genau so gemacht. Wettkampfnahes Training eben. Ich für meinen Teil weiß was ich nicht brauche: Gequatsche. Ich bin eher so “der Fokus-Typ”, wie meine Freunde immer so schön sagen. Ich werde ruhiger, konzentriere mich. Esse in der Tat nochmal eine Banane (Stichwort: Rituale) und höre Musik, während die meisten um mich herum quatschen was das Zeug hält. Über die Strecke, das letzte Jahr, die Unfälle, das Wetter, die Motivation, das Feld, die Aufstellung, das Hotel,  die Organisation…dies das… Mich interessiert es nicht und das kann bisweilen recht egozentrisch wirken. Vor allen Dingen, wenn sich andere Solofahrer neben dir positioniert haben, die vielleicht doch gern noch ein bisschen Ablenkung bräuchten.

Weil eben jeder andere Bedürfnisse hat, um anschließend die beste Leistung abrufen zu können.

Daher ist es für mich wichtig, mich zu fokussieren und mich mit ausgewählter Musik noch bis etwa 7-10 Minuten vor dem Startschuss zu aktivieren. Headphones rein – Welt raus. Danach geh ich aufs Rad und warte nur noch darauf, dass sich das Feld vor mir in Bewegung setzt. Und wenn es eine Sache gäbe, die ich nicht verändern würde bei so einem Wettkampf, dann ist es tatsächlich diese Pre-Start-Phase, in der ich keinen anderen Auftrag habe, als mich um mich selbst zu kümmern. Egal was andere denken.

Dazu eine kleine Anekdote am Rande: Eine Kollegin von mir hatte mal geäußert, sie würde sich am liebsten vor dem Reitwettkampf ganz allein in einen der Hänger zurückziehen, um von niemandem mehr angequatscht zu werden. Ihr Gedanke dazu: “Aber wie sieht das dann aus!?” … Merkste selbst, ne?

Es ist wirklich völlig egal was die anderen denken. Es sei denn, der Wettkampf ist dir nicht wichtig.


Treffen sich deine Körperwahrnehmung, dein Flow und deine Uhr.

Sagt die Körperwahrnehmung: hey, das fühlt sich alles verdammt gut an und ich bin nichtmal aus der Puste gerade. Sagt der Flow, klasse, dann komm ich jetzt auch noch mit. Meint die Uhr beleidigt: Und, braucht ihr mich denn dazu nicht? Ihr müsst doch sehen, wie schnell ihr gerade seid? Ähm, nein! Natürlich ist es eine Frage des Trainings und ich würde keinem Ausdauersportler raten von heute auf morgen auf die Uhr zu verzichten. Gerade in diesen Disziplinen geht es eben nicht darum Tore zu schießen oder ähnliches, sondern eine Leistung in einer bestimmten Zeit abzurufen. Daher ist die Uhr ein wichtiges Instrument für uns Radfahrer oder Läufer. Dennoch kann ich trainieren, mein Körpergefühl besser wahrzunehmen, sensibler zu sein und besser einschätzen zu können ob ich gerade tatsächlich meine Pace fahre oder laufe.

In diesem Rennen habe ich die Uhr am Lenker gehabt (Ich nutze eine Garmin Uhr, die sich dort auch als Tacho verwenden lässt) und somit auch nicht meine Herzfrequenz gemessen. Ich trage keinen Brustgurt. Lediglich die gefahrenen KM habe ich immer mal gecheckt und auch die Geschwindigkeiten. Ersteres vor allen Dingen deshalb, weil ich wusste bei KM 40 kommen zwei längere Anstiege und ich wollte rechtzeitig vorher einen Gelbeutel nehmen. Ich habe mich soweit fokussieren und sensibilisieren können, dass ich während des Rennens irgendwann sogar dachte: “Genau so könnt ich ewig fahren. Top Atmung, top Bewegung, super Herzfrequenz. Rein vom Gefühl her.” Und so war es dann auch und das bei nicht weniger als knapp 40 km/h. Das hat mich erstaunt und gleichermaßen erfreut. Über die Verwendung der Uhr in Sachen Zeit habe ich an anderer Stelle auch schonmal geschrieben. Daher wiederhole ich es nicht nochmal hier, ihr könnt den Artikel aber hier finden.

Einfach nur das abrufen was da ist. Nicht mehr und nicht weniger.

Wenn ich also im Training vorher alles soweit richtig gemacht habe, dann habe ich im Wettkampf keinen anderen Auftrag mehr, als genau das abzurufen, was ich Wochen oder Monate vorher trainiert habe.

Ich möchte eine neuralgische Stelle herausgreifen aus dem Rennen, da ich selbst überrascht war von meiner eigenen Entwicklung. Und das im Prinzip auch nur, weil ich einfach WUSSTE, dass ich es kann.

Es gab also diese beiden Anstiege bei KM40. Die Berge sind nicht allzu steil, wir reden hier ja immernoch von Hamburg, aber sie haben eine Steigung von ca. 7% und ziehen sich in die Länge. Zudem kommen sie kurz hintereinander und eben auch erst dann, wenn man schon 40 schnelle Kilometer in den Beinen hat. Nun kommt hinzu, dass ich nicht so der Bergfloh bin. Leider nein, leider gar nicht. Aber natürlich gehören Berge dazu und ich fahre diese selbstverständlich auch im Training. Nun wusste ich, dass ich exakt diese Etappe im Prinzip erst die letzten Tage trainiert hatte. Aus den Ergebnislisten vom letzten Jahr wusste ich auch, dass ich knapp 5 Minuten gebraucht hatte für diese Etappe. Auf dem Wattbike erst ein paar Tage zuvor hatte ich ein 2 Stunden Training absolviert, in das ich mehrere Male ein Bergtraining mit voller Kraft auf sechs Minuten Länge einbauen sollte.

Ich habe geflucht. Ich habe getreten. Aber ich habs gemacht. Und es auch ein wenig gehasst. Zumindest in den sechs Minuten Phasen. Nach den zwei Stunden war ich stolz auf mich, dass ichs durchgezogen hatte.

Und was soll ich sagen: Genau dieses Training, wo ich wirklich die Zähne zusammenbeißen musste, hat mich die Berge ungleich viel entspannter und in einem für mich gesundem Tempo hochfahren lassen. Weil ich mir schon unten dachte: “Das hier werden maximal fünf Minuten. Im Training habe ich drei mal sechs Minuten geschafft. Dann pack ich das hier locker!” Und so war es dann auch. Allein also das Wissen darum, dass ich das schonmal gewuppt hatte. Sogar mit noch deutlich mehr Anstrengung. Das hat mich so zuversichtlich gestimmt und so selbstbewusst fahren lassen, dass sich sogar ein mir fremder andere Fahrer oben bedankte, “weil ich ihn so schön schnell den Berg hochgezogen habe”.

Und sonst?

Last but not least habe ich in meinem nun fünften Rennen auch andere Dinge verändert und meine persönlichen lessons learned berücksichtigt. Da will ich hier gerade gar nicht so sehr in die Tiefe gehen, da sie nicht unbedingt sportmentaltechnisch im Fokus betrachtet werden müssen. Ich würde einige dennoch in Kürze hier benennen, da auch ich immer spannend finde zu hören oder zu sehen, wie andere Sportler ihren Umgang mit Wettkampftagen pflegen.

Was für mich also noch relevant war.

  • Ich halte es ganz gern so, dass ich am Abend vor dem Wettkampf lieber früh als spät im Hotel bin und auch früh im Bett. Ich gehe nicht mehr groß raus und schon gar nicht irgendwo was trinken, verzichte auch gern auf Menschen. Klingt komisch, ist aber für mich persönlich ein echter Win – und hat nichts mit den Menschen zu tun. Lieber bin ich dann nach dem Wettkampf unter Menschen, wenn mein Fokus nicht mehr auf dem Rennen liegt.
  • Ich habe mir angewöhnt die vorletzte Nacht und die Schlafqualität in ebensolcher höher zu bewerten, als die in der Wettkampfnacht. Erfahrungsgemäß ist diese ohnehin eine Herausforderung für die meisten Athleten und oftmals auch viel zu kurz.
  • Ich mache beim Frühstück keine Experimente und nehme mir da auch nochmal die Ruhe, die ich brauche. Hier habe ich zum Beispiel nochmal mit der Headspace-App meditiert, die ich sonst aber auch regelmäßig für meine Morgenroutine nutze.
  • Ich lege mir meine Sachen schon am Vorabend zurecht und muss im Prinzip nur noch in die Klamotten springen und zwei drei Sachen ins Trikot stecken.
  • Ich melde mich im Vorfeld mit einer realistischen Selbsteinschätzung für den für mich sinnvollsten Startblock an. In diesem Fall war es C (statt, wie letztes Jahr G), was mich durch das Fahrerfeld um mich herum deutlich entspannt hat.
  • Ich fahre entspannt aber frühzeitig zum Start, um mich so zu positionieren, dass ich mich wohlfühle und gut wegkomme wenn es losgeht. Durch den Zeitgewinn kann ich mich außerdem auch meinem mentalen Warmup widmen.

Du Amateur!

Tanja Ney Cyclassics Sportmentaltraining
Credits: NDR

Jetzt könnte man, zu Recht, sagen: “Ey, bitte…du bist doch Amateur. Das ist ein Jedermannrennen. Was machste dir da so viele Gedanken? Klar kannste da am Vorabend noch mit den Kumpels was trinken gehen. Und nen Trainingsplan in dem Sinne, ach den brauchst doch für sowas auch nicht. Da meldste dich an. Und dann fährste halt mal. Und wenns gut läuft ist gut. Und wenn nicht, dann eben nicht. Ist ja nur n Hobby und nicht dein Beruf. Geld verdienste damit auch nicht. Die Tour de France wirste auch und eh ja niemals nie mehr gewinnen.

Jepp. Stimmt in Teilen. Allerdings ist es sicherlich so, dass bei 18.000 Startern die Herangehensweise und die Zielsetzung sehr unterschiedlich ausfällt. Und somit eben auch das Ergebnis. Völlig okay, dass für manche – und vielleicht auch viele – der olympische Gedanke zählt.

Ich für meinen Teil habe in diesem Sport etwas gefunden, wo ich mich mit mir selbst messen kann und habe den Ehrgeiz, dafür das bestmögliche im Vorfeld zu tun. Weil es mir Spaß macht.

Ich fokussiere mich nicht zu sehr auf das Ergebnis. Ich schaue mir an, was realistisch sein könnte, trainiere genau dafür, nehme all diese Erfahrungen mit in den Wettkampf und versuche dann mit dem was ich bis dahin “gelernt” habe mein bestes zu geben. Dabei schaffe ich es, mich selbst in den Flow zu bringen, um am Ende unfassbar glücklich und zufrieden ins Ziel zu rollen. Das gute daran: Wenn der Prozess bis dahin gut funktioniert hat , dann zahlen sich all die Mühen im Vorfeld aus und du schaffst manchmal sogar unmögliches.

Und es gibt sie ja dann doch. Zahlen. Daten. Fakten.

In Hamburg habe ich am Ende 1:31 gebraucht für die 60er und somit die 1:40 aus dem letzten Jahr locker unterboten, was mein Ziel war. Aber da wäre ich sogar über eine 1:39 schon glücklich gewesen. Ich habe in meiner AK Platz 18 belegt und bei den Damen Gesamt (von knapp 900)  Platz 41. Und ich bin mir sicher, dass all diese kleinen Stellschrauben, gepaart mit Disziplin, Beharrlichkeit und konsequenten Entscheidungen zu diesem Ergebnis und letztlich auch zu diesem Flow- und Glücksgefühl geführt haben. Da ist es am Ende des Tages doch fast umso schöner Amateur zu sein.

Das Sportmentaltraining.

Zu guter letzt möchte ich darauf hinweisen, dass all das was ich hier schreibe natürlich meine persönlichen Erfahrungen sind. Wie ich oben schon schrieb, gibt es einfach so viele Herangehensweisen wie es Menschen gibt und so muss jeder für sich seinen besten Weg finden, um die eigenen Ziele zu erreichen. Ich möchte hiermit keine Ratschläge geben, sondern inspirieren über deine eigenen Motive und Wege nachzudenken und auch dort an kleinen Stellschrauben zu drehen und somit vielleicht auch sensibler zu werden für solche Herausforderungen.

Wie sehr sich jemand damit auseinandersetzen möchte, das bleibt wirklich jedem selbst überlassen. Fakt ist, dass der mentale Bereich eine entscheidende Komponente ist, wenn wir über Leistungsabruf im Wettkampf sprechen. Dazu gibt es natürlich zahlreiche Studien und Erfolgsgeschichten, die auch Einfluss auf meine eigene Herangehensweise haben. Für jeden Sportler lässt sich aber auch da nur individuell ein Training erstellen. Meine eigenen Erfahrungen sollen dich motivieren über deinen ganz eigenen Weg nachzudenken und Training und Wettkampf nochmal neu zu denken. All diese Themen werde ich gern auch nochmal an anderer Stelle jeweils für sich betrachten und vertiefen.

Wenn du Fragen hast, dann meld dich also gern bei mir. Ich freu mich über Feedback und Austausch mit anderen Athleten.

…aber dann wirds halt herausfordernd. Oder eben auch einfach: gut.

Ich bin euch noch einen Nachbericht schuldig. Zur diesjährigen Ruhr2NorthSea Challenge am 23. Juni in Duisburg. Genau genommen von Duisburg bis nach Bensersiel. 300 Kilometer Freiheit vom Pott bis an die Nordsee. Und bevor jemand fragt: Ja, ohne Übernachtung. Das ist, wenn ich mich recht erinnere, die meist gestellte Frage im Vorfeld gewesen. Vor der zweitplatzierten Frage: Tut dir denn da nicht der Hintern weh? Und auch da kann ich jetzt ein klares Nein zurückgeben. Den dritten Platz belegte übrigens dann: Bist du denn so eine Strecke schonmal gefahren. Und auch hier: Nein!

Aber beginnen wir von vorn. Ich möchte gar keinen allzu detallierten Tourenbericht hier abgeben, denn davon gibt es bereits einige. Mir geht es vor allen Dingen darum, drängende Fragen zu beantworten. Fragen, die mir oftmals gestellt wurden. Fragen, die sicherlich die meisten Menschen davon abhalten überhaupt nur darüber nachzudenken so eine Herausforderung anzunehmen. Und Fragen, die ich eben auch vorher noch gar nicht hätte beantworten können. Es jetzt aber umso lieber tue.

Mir geht es also vor allen Dingen darum, was Menschen, respektive mich, antreibt solch eine Challenge anzunehmen. Und was ich aus eigener Erfahrung nun an lessons learned mitnehme. Auch über mich. Meine Empfehlungen. Mein Kopfkino, oder auch Mndfck, wie ich ihn immer liebevoll nenne. Ganz schön viel Zeit nämlich auf so einer langen Tour. Sagen wir mal so: Ich denke, dass das Thema Mentaltraining bei solchen Langstrecken eine beachtliche Rolle spielt. Denn der Kopf hat ganz schön viel Zeit zum Denken. Genau genommen waren es bei mir etwa 17 Stunden. Von denen ich 13.5 im Sattel gesessen habe. Und nein, der Hintern tat mir nicht weh. So sehr ich mich auch anstrenge eine Situation zu finden, in der ich da mal nachfühlen hätte müssen.

Also, beginnen wir mit der Kommunikation im Vorfeld. Ich hab mich also angemeldet bei dieser Challenge, weil ich einfach Bock drauf hatte. Nicht mehr. Nicht weniger. Naja, und im Gegensatz zu meiner Islandtour damals oder meinem ersten Radrennen im vergangenen Jahr verfügte ich diesmal auch über ein passendes Fahrrad, nämlich mein Rennrad. Eine solche lange Strecke bin ich noch nie gefahren, aber mich hat dieser Gedanke fasziniert stundenlang mit hunderten (am Ende waren es etwa 700) anderen Radlern ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. An dieser Stelle steigen die meisten ja schon gedanklich aus.

Was bitte soll daran faszinierend sein!? Erschreckend ist das. Kann ich mir gar nicht vorstellen!

Tja und da beginnt das “Abenteuer Tanja Ney” vermute ich. Ich bin, so denke ich, schon auch ein wenig ein Typ für sowas und entsprechende Gene wurden mir irgendwann mal von irgendwem untergejubelt (denn meine Familie kann da absolut keinen Einfluss drauf gehabt haben – Sry, Mum & Dad!). Zur Entlastung der meisten Menschen, die schon gedanklich an diesem Punkt aussteigen sei gesagt: Diese Distanz gehört bereits zu den Strecken, die wir kognitiv gar nicht in Gänze erfassen können. Leider weiß ich die Quelle nicht mehr, aber es ist belegt, dass wir ab einer bestimmten Länge, Höhe, Weite, Dauer das ganze Unterfangen gar nicht mehr richtig einordnen können. Und vielleicht ist das auch gut so.

Meine Chance, um an den Start zu gehen. Hirn ist also raus. Top! Ich mach mit!

Ich selbst bin zuvor und auch nur einmal 100 Kilometer am Stück gefahren. Etwa ein Jahr zuvor. Strecken von 50-80 Kilometer sind übliche Trainingsdistanzen und keine Seltenheit. Wobei es sich doch sicherlich eher um die 60-70 eingependelt hat in den letzten Monaten. Ergo: Nicht annähernd bin ich die 300 mal irgendwann irgendwo mit irgendwem gefahren. Zu der Frage aber also mein klares Statement, das ich nicht müde werde zu wiederholen: Nein, du musst diese Distanz auch nicht schonmal gefahren sein, um sie zu fahren. Wie blödsinnig ist das aber auch? Klar, mal sich annähern und vielleicht die 200er vorher zur Probe (die bietet der Veranstalter nämlich auch an), auch ne Option. Aber eben nicht meine Herangehensweise. Mein Motto ist eben: Ganz oder gar nicht. Und die Mindestvoraussetzung in meinen Augen für solch ein Event:

Du solltest fit und gesund sein, trainiert haben, optimalerweise Radfahren können und vor allem Stehvermögen in Sachen Willensstärke mitbringen. Der Rest ergibt sich von selbst. Ob du dann am Ende 200 oder 300 Kilometer fährst: Dein Rüstzeug ist das gleiche.

Der Mndfck den ich mitgebracht hatte war übrigens mein persönliches Armageddon: Der Megamarsch 2017. Den bin ich nämlich, gemeinsam mit einem Kumpel, angetreten und habe nach 60 Kilometern das Handtuch geworfen, weil meine Gesundheit mir einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. 100 waren das Ziel. 60 hab ich geschafft. Aber natürlich einige Tage lang immer nur gesehen, was ich nicht geschafft habe. Und dann erklär mal jemandem, der sich mit diesen ganzen Mentalthemen auseinandersetzt, dass plötzlich nicht der Kopf entscheidet, sondern die Gesundheit. So war es aber dann eben und das hatte ich dann auch irgendwann abgenickt und verstanden. Mittlerweile bin ich auch stolz auf die 60 Kilometer, die ich immerhin in 14 Stunden durch die Nacht marschiert bin. Damals habe ich entschieden: ich mach nix mehr zu Fuß. Challenges nur noch mit Fahrrad. Das ist eher so meine Disziplin. Mit dem Megamarsch im Hinterkopf hatte die R2NSC aber nun doch ähnliche Parameter, die ich nicht einschätzen konnte. Ich bin schon sehr überzeugt von meiner Willensstärke. Aber wenn der Körper, trotz Training, schlapp macht? Ich konnte es nicht sagen und hoffte einfach das beste. Aus dem Marsch hatte ich immerhin schon einiges gelernt.

Und letztlich bleibt die Erkenntnis: Du kannst nicht mehr tun, als dich optimal vorbereiten. Punkt. Mehr geht nicht. Mental und körperlich.

Und dann gesellen sich noch weitere lustige Gesellen wie deine Tagesform, andere Menschen, Gruppen, Wind, Wetter, Schlaf in der (halben) Nacht vorher – wir sind um 4:30 gestartet.. dazu. Wanwitzigerweise gibt es sehr häufig diesen einen Aufwachmoment in meinem Leben, wo ich morgens früh den Wecker höre und denke “Was war heute nochmal? Oh nein… Warum um alles in der Welt…Wer hat mich denn da schon wieder angemeldet?”

Und dann siehste dein Rad da stehen. Mein Material, Radklamotten usw. lege ich auch schon immer schön parat, Startnummern sind schon da wo sie hingehören und indem ich dann aufstehe wirds ja dann doch schön kribbelig. Wenn auch ich diese explosive Mischung aus Müdigkeit, Freude und Aufregung immer sehr speziell finde. Aber hey, I like it. Und neulich hat mal ein Triathlon-Kumpel zu mir gesagt:

Genau deshalb machen wir das doch, wenn wir ehrlich sind, oder?

Jepp, genau so ist es. Und jetzt möchte ich gern mal eine Lanze für die Faszination brechen. Ich gehöre zu den Menschen, die wirklich Gänsehaut bekommen, wenn sie mit hunderten anderen motivierten Menschen, die einfach Bock haben im Startblock stehen. Jedem ist diese explosive Mischung in unterschiedlichen Ausprägungen anzusehen. Jeder will etwas. Sich selbst herausfordern. Etwas erleben. Glück. Spaß. Und ein Stück weit sicherlich auch sich selbst ein bisschen besser kennenlernen. Und egal was in all diesen Köpfen vorgeht: Alle haben am Ende das gleiche Ziel: Gesund und munter nach 300 Kilometern im Ziel an der Nordsee anzukommen. Bis hierher hat jeder sein bestes getan und es geht nur noch darum, genau diese Vorbereitung – das Training – mit Freude abzurufen.

Du fährst also los und die ersten Kilometer sind, ähnlich wie bei einem Rennen, einfach nur ein großer Spaß. Denn gestartet wurde in größeren Blöcken (nach Geschwindigkeit). Du hast ne große Gruppe, alle sind irgendwie drauf und noch ist es natürlich überhaupt nicht vorstellbar, wie es ganze 16 Stunden später aussehen würde. Dein Job also: Einfach nur treten, im besten Fall dabei lächeln.

Das hab ich also gemacht. Und vorher auch immer wieder genau so trainiert. Also nicht das Lächeln. Aber das Treten, um irgendwann in diesen eigenen Rhythmus zu kommen. Stoisch gegen den Wind (wir hatten in der Tat die komplette Distanz Gegenwind mit Stärke 6): Drücken Ziehen, Drücken, Ziehen. Und mit den Gedanken ist das so wie beim Meditieren: Da soll man ja auch am besten “Einatmen-Ausatmen” denken, wenn das Kopfkino wieder seine Pforten öffnet. “Drücken-Ziehen” ist hier die Radalternative. Und klar: Das geht auch nicht die ganze Zeit. Zu viele Dinge passieren ja auch irgendwie unterwegs:

Mal verlierste deinen Mitfahrer. Mal denkste über die Gruppe vor dir nach “Hm, wären die vielleicht was, um gemeinsam weiterzufahren?”, den nächsten Verpflegungspunkt “Ob´s da wohl Kaffee gibt?”, die Gegend, die anderen, das Wetter, den Wind, die Pannen am Straßenrand, die App, die zwischenzeitlich ausfällt. Ach, der Kopf findet ne Menge, wenn es darum geht sich nicht zu langweilen.

Dennoch: Wirklich stoisch treten und in den eigenen Tritt kommen, das ist das Geheimnis. Meter für Meter vorwärts und nicht zu weit nach vorn denken. Wie eingangs erwähnt: Das bekommt dein Kopf sowieso nicht gewechselt. Muss er also auch gar nicht erst versuchen. Zu meiner Islandumrundung 2016 hatte ich in einem Interview irgendwann auch mal gesagt:

Naja, ich fahre ja nicht 1400 Kilometer am Stück. Im Grunde fahre ich jeden Tag auch nur eine kleine Fahrradtour.

So ähnlich bin ich die Challenge angegangen. Es gab unterwegs sechs Verpflegungspunkte im Abstand von etwa 30-50 Kilometern. Das waren meine Etappen und haben mir die Distanz in kleine gut verdauliche Häppchen geteilt. In meinem Kopf gab es immer nur von hier bis zum nächsten VP. Drücken, Ziehen. Kopf aus.

Das entscheidende sind für mich im übrigen nicht die aktiven Phasen, sondern die “Sollbruchstellen”. Nach der Pause wieder aufs Rad steigen, das war für viele das schwierigste und auch offensichtliche Quälerei. Nicht selten wurde dann nochmal darüber gesprochen, wenn ich das jetzt mal neutral ausdrücken wollte.

Ich bin ein großer Freund von “what goes around comes around”. Weshalb ich tatsächlich nach jeder Pause wieder gern aufs Rad gestiegen bin und mich auf die Bewegung gefreut und das auch ausgesprochen habe. Klar, das klappt natürlich auch nur dann, wenn einem wirklich nichts bahnbrechend weh tut. Dazu sei aber gesagt: Ein guter Sattel der zum Hintern passt und – in meinem Fall – eine darauf passende Hose mit guter Polsterung (die hier tatsächlich auf den Sattel angepasst ist), sind – neben dem positiven Mindest – die beste Investition in so eine Tour. Mir taten die Füße weh, was ich allerdings einfach immer mit Barfußlaufen an den VP weitestgehend gelöst habe. Also, zack, Schuhe wieder an, Helm auf, Brille, Handschuhe, Rädchen schnappen, Kopf aus und munter weiter.

Meine Erfahrung: Wenn man sich auch in den Pausen nicht allzu sehr aus dem eigenen Flow bringen lässt, dann kann man mit diesem auch wieder zügig in den Tritt kommen und einfach stoisch, übrigens auch in einer Gruppe, weiterfahren.

Das kann und muss man üben. Sicherlich. Manchmal wirkt das auch schon ziemlich nerdig und vielleicht auch ein wenig egoistisch. Aber ich habe gelernt, dass ich meine Ziele dann erreiche, wenn ich mich fokussiere und schaue was ich genau brauche. Ich gehöre dann zum Beispiel auch eher nicht so zu den geselligen Menschen im Startblock oder in den Pausen. Ich kümmer mich einfach nur um mich und versuche mich durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen zu lassen. Das übe ich auch in der ein oder anderen Trainingssituation und bin froh, dass es dann im Wettkampf oder bei solchen Events ohne große Anstrengung einfach so da ist.

Das klingt jetzt vermutlich so simpel, kann aber auch manchmal zu seltsamen Situationen führen, die wieder ins Kopfkino einladen. So hatte mich zum Beispiel beim letzten Velothon-Rennen in Berlin eine Athletin im Startblock angesprochen. Sie fuhr das erste Mal und hatte viele Fragen. Zudem war sie wohl auch eher der Typ “Ablenkung” und war froh, mit jemandem sprechen zu können. Ich aber wusste wie mein mentales Warm Up aussehen sollte im Startblock: Kopfhörer rein, Musik hören, fokussieren. Also habe ich mich nach ein bisschen Small Talk kurzerhand entschuldigt und ihr gesagt, dass ich nicht unhöflich sein möchte…aber es doch bin. Weil mir das Rennen wichtig ist und ich einfach weiß was ich in dem Moment am besten brauche.

Und da darf man dann auch einfach mal egoistisch sein.

Ich halte das für einen wesentlichen Punkt, auch mental. Bei sich bleiben. Den eigenen Rhythmus finden. Die eigenen Ziele fokussieren. Und wirklich danach schauen, was brauche ich bei so einer Herausforderung. Das ist gar nicht mal so einfach, denn wie stark man mental unterwegs dann so ist, das lässt sich nur schwer vorher sagen. Aber auch da gilt eben: Das kannst du trainieren und du kannst nicht mehr tun, als dich optimal vorbereiten. Die Nerven liegen selbstverständlich gerne mal blank bei so einer Anstrengung und die eigene Frustrationstoleranz fährt natürlich auch immer mit. Aber die gute Nachricht ist: Die Motivation eben auch. Und der Grund, warum ich überhaupt losgefahren bin.

Als ich irgendwann dann nach 17 Stunden im Ziel angekommen bin, war die überraschendste Erkenntnis tatsächlich die, dass ich nicht ein einziges Mal auf der Strecke gedacht habe “Was für eine dämliche Idee! Ich hab kein Bock mehr!” Nicht einmal. Und das ist kein Fishing for compliments, Das habe ich wirklich gedacht und mir selber damit ein Geschenk gemacht. Weil ich gesehen habe, dass es funktionieren kann. Auch ich wusste natürlich nicht, ob das klappen würde. Ich war mir zu 95% sicher, dass ich gut ins Ziel komme. Aber es gibt eben auch äußere Umstände, die die restlichen 5% ausmachen. In meinem Fall. Bei nicht allzu positiver Herangehensweise und zu großem Respekt gegenüber der Herausforderung mag die Gewichtung auch anders sein und äußere Einflüsse nehmen dir viel schneller den Motivationswind aus den Segeln. Apropos: Wegen des Wetters sind a) so einige Fahrer gar nicht erst angetreten und b) viele Fahrer vorzeitig aus der Challenge ausgestiegen.

 

Ich bin stolz auf  das was ich geleistet habe. Auch wenn ich fest daran geglaubt habe, dass ichs kann. Am Ende bleibt doch immer ein kleines bisschen Unsicherheit. Training hin oder her. Aber ich hab im Vorfeld einfach mein bestes gegeben und bin mit einem sehr positiven Mindset an den Start gegangen. Letztlich danke ich aber nicht nur mir, meinen Beinen und meinem Kopf sondern auch all den Menschen und einer wundervollen Gruppe, die mich mitgezogen hat. Trotz allem Egoismus geht nicht immer alles ganz allein.

Und final möchte ich dazu sagen: Du musst nicht vorher schonmal so eine Strecke gefahren sein. Du musst nur Bock darauf haben und dich darauf einstellen. Körperlich, wie auch mental. Und dann kann das ein Erlebnis sein, das du so schnell nicht vergessen wirst.

Mein Fazit also: 300 Kilometer mit dem Renner? Kannste schon so machen, aber dann wirds halt gut.

Ich habe vor meinem Start übrigens gesagt: “Wenn ich die 300 schaffe, dann fahre ich den Fichkona!” Das sind dann 600. Keep u posted….

 

Ein Plädoyer für das was uns antreibt. Ich komme gerade von einem erfolgreichen Termin zurück. Bin hunderte Kilometer Auto gefahren. Hatte viel Zeit zum Nachdenken. Aber nicht zum Schreiben. Habe mir Gedanken gemacht und überlegt: Will ich darüber überhaupt schreiben. Ich will. Wenn es doch auch sehr persönlich ist. Aber es ist mir wichtig. Denn: Es war im Grunde nur einer der üblichen Termine, für die ich unterwegs bin. Irgendwasmitmedien. Workshop. Vortrag. Anschließend super Feedback. Sehr sogar. Darüber habe ich auf der Fahrt nochmal nachgedacht. Und verstanden: Hey, all das was ich angeschoben habe in den letzten Wochen, Monaten, vielleicht auch Jahren, das zahlt sich gerade aus. Kommt langsam zu mir zurück. What goes around comes around. Ich freue mich.

Und dann ist da doch immer wieder mal dieser eine unfassbar kurze Gedanke. Verrückterweise in den guten Zeiten. Immer. In den so richtig guten Momenten. Wo ich das Gefühl habe, dass einfach alles stimmt. Ich wirklich mein bestes für all das gegeben habe und gebe und genau das bekomme, was ich mir vom Leben wünsche und einfach nur der Mensch bin, der ich sein möchte. Das Leben nicht tauschen wollen. Die Welt ein klein bisschen in den Arm nehmen.

In genau diesen besten Momenten denke ich daran, dass ein wichtiger Mensch, meine Mum, mich genau so nicht mehr erleben kann. Wie ich mich entwickelt habe, wie ich die Welt sehe, was ich verändere oder welche Spuren ich hinterlassen möchte. Meine Sicht auf die Dinge, das Leben, mein Mindset, meinen unbändigen Willen etwas zu bewegen und auch mich immer wieder herauszufordern und neues auszuprobieren. Spontan sein, offen durchs Leben gehen, Neues wagen, Menschen begeistern, nichts verpassen, mutig sein. So viele Dinge, die ich damals noch nicht in dieser Form für mich entwickelt habe. Weil es eben genau die Zeit bis hierher brauchte um genau diese Spuren zu trampeln.

Ein Plädoyer das zu teilen, was uns antreibt. Das soll es sein, denn ich würde mir nichts mehr wünschen, als genau all das mit diesem Menschen teilen zu dürfen. Und ich bin davon überzeugt, dass wir oftmals viel zu wenig teilen, was uns antreibt, was uns wichtig ist, was das Leben für uns lebenswert macht. Mit den wichtigen Menschen. Ich teil ne ganze Menge. Mit vielen. Aus Gründen. Weil ich überzeugt davon bin, dass manches auch andere inspiriert. Und weil ich Spuren hinterlassen will. Und vielleicht auch ein kleines bisschen, weil das Leben mir da zumindest in einer Sache schonmal einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.

Und ich denke, dass wir viel zu oft nur glauben, dass andere schon wissen was uns wichtig ist. Welche Idee wir vom Leben haben. Was wir vom Leben wollen. Wer wir sind. Und dabei ist es so wichtig. Also finde ich. Und wenn man mal genau hinsieht, dann teilen wir echt jeden Blödsinn in den sozialen Medien. Ein Klick, zack…teile dies wenn du…zack. Lass mal auch im echten Leben echte Dinge teilen. Herzensdinge. Weil es wichtig ist. Und weil es manchmal auch einfach Momente im Leben gibt, wo das eben nicht mehr geht. Und weil du bis dahin vielleicht auch ein bisschen von dir erzählt haben solltest. Also find ich.

Kopf: “Ey, mir ist schlecht irgendwie.”
Herz: “Ist mir egal.”
Kopf: “Lass mal anhalten besser, mir ist wirklich schlecht.”
Herz: “Nee, fahr einfach weiter!”
Kopf: “Wo kommt das denn jetzt her auf einmal? Lief doch die letzten 40 Kilometer!?”
Herz: “Memme!”

Kopf: “Bin ich ne Memme, wenn ich jetzt anhalte?”
Herz: “Ja, biste! Das ist hier n Rennen und kein Stehen!”
Kopf: “Ey, mir ist schlehecht! Mach ich denn jetzt? Hier ist auch grad die mieseste Etappe. Tempelhofer Feld. Voll windig und zieht sich alles auseinander. Upfck!”
Herz: “Mehr als die Hälfte haste schon!”
Kopf: (trinkt und trödelt ein bisschen dabei) “Wenn ich jetzt anhalte, bin ich anschließend eben nur noch dabei sein war alles.”
Herz: “Ey, dafür sind wir nicht angetreten!”
Kopf: “Was mach ich hier eigentlich!?…Ach, entscheide du.”
Herz: “Ja, aber du musst mitziehen!”
Kopf: “Na gut. Deal!”
Herz: “Der Struggle ist absehbar! Wir geben jetzt nochmal ordentlich Gas.”
Kopf (rechnet): “Noch ist die Zielzeit gerade vielleicht so zu schaffen.”
Herz: “Aber nur, wenn wir das jetzt auch echt entscheiden und die nächsten 25 Kilometer nicht mehr darüber diskutieren!”
Kopf: “Meinste das klappt?”
Herz: “Ey, du has
t dich so auf die Zieleinfahrt am Brandenburger Tor gefreut! Das geht nur mit Weiterfahren. JETZT!”
Kopf: “Na gut. Einverstanden.”

Der Rest ist Geschichte. Im letzten Drittel habe ich nochmal ordentlich gearbeitet und mich auf mein Ziel fokussiert. Kopf und Herz haben gemeinsame Sache gemacht. Weil sie´s können. Entscheidend aber ist, dass ich als Sportler an diesem Punkt vermittel. Sonst herrscht Anarchie. Und ich finde mich plötzlich schiebender und schlechtseienderweise am Streckenrand wieder. Keine Option. 

Und was soll ich sagen? Beim Anblick meiner finalen Zeit hatte ich fast Pipi in den Augen. Weil ich wusste, wie sehr ich bei KM 40 gestruggelt bin. Und kurz davor war das Handtuch zu werfen. Sowas sieht man eben nicht auf den Finisherphotos. Aber genau sowas bringt dich weiter und lässt dich beim nächsten “persönlichen KM 40“ wissen: Du packst das. Du musst das nur auch entscheiden. Und es dann auch machen.

Und dann, genau dann bekommt dein Ergebnis eine viel wichtigere Bedeutung, als alle anderen Ergebnisse, die man einfach so einfliegt. Da wo es Herausforderungen gab. Wo Entscheidungen getroffen werden müssen. Da wo´s auch mal wehtut. Da gehen wir als echte Gewinner hervor. Danke Kopf & Herz für diese hitzige Diskussion. Bei KM40. Auf dem Tempelhofer Feld. Der innere Showdown hat meine letzen Reserven aktiviert und mich nochmal ordentlich und ohne jeden weiteren Zweifel kämpfen lassen. Mit Erfolg und nem Endspurt durchs Ziel, der sich sehen lassen konnte. Und ich glaube, ich konnte Kopf & Herz dabei gemeinsam laut lachen und feiern hören. 

Als ich klein war, bin ich am liebsten in Sportklamotten rumgelaufen. Egal wann, egal wo, egal wozu. Schau ich mir Bilder aus der Grundschule an, trage ich überdurchschnittlich oft einen Trainingsanzug. Heute würde man diese vermutlich wieder ziemlich hipstermäßig finden. Naja, bis auf den rosa-farbenen vielleicht, der es sogar mal mit mir gemeinsam bis in die RTL Prime Time Nachrichten geschafft hat. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. Ich war überall zu finden, wo es irgendetwas mit Bällen zu tun gab. Der Sportplatz war mein Freund und gemeinsam mit meinem, damals noch kleinen, Bruder und Freunden haben wir die meiste Zeit mit Basketball, Tennis oder Fußball verbracht. Mein Traum war es schon als kleines Kind “Leistungssportlerin” zu werden. Bewundert habe ich damals die Leichtathleten rund um Kathrin Krabbe & Co. Entsprechend habe ich auch im Schulsport ziemlich viel Gas gegeben in der Richtung und das Stadion als neue Spielwiese ohne Ballsportarten für mich entdeckt. Später dann Sport LK, den ich leider nicht mit bis ins Abi nehmen konnte. Aus gesundheitlichen Gründen. Naja und die Disziplin Hochsprung hat mir fast das Genick gebrochen. Diesen Bewegungsablauf habe ich bis heute nicht verstanden.

Wer bin ich und wenn ja wieviele?

Ich fand es schon immer faszinierend, dass Menschen etwas tun was sie lieben – in diesem Fall Sport – und das sogar als Beruf ausüben dürfen. Für mich als Kind ein Rätsel. Leider, oder vielleicht auch Gott sei Dank, hat mich niemand in dieser Richtung gefördert, so dass meine Leidenschaft nach der Schule dann einfach völlig anderen Dingen wich. Spannenderweise erinner ich mich noch an eine Situation damals mit meiner Park-Clique, wo ich so rumphilosophiert habe darüber, wer ich eigentlich gerade sein will. Es muss kurz vorm Abi gewesen sein. Ich hing viel rum mit Freunden, wir hatten Spaß, Parties. Alles was dazu gehört. Parallel dazu war ich sehr aktiv in einem Boxstall. Ich war nach einigen erfolgreichen Jahren in einem Kegelverein [sic!] zum Vollkontakt-Kickboxen gewechselt und machte dort eine ganz gute Figur. Man könnte wohl auch sagen “Ich schlug mich ganz gut.” *Texterherzhüpfhust* Damals im Park passte das irgendwie aber so gar nicht zum Rest meines Jugend-Party-Lebens und ich merkte, dass ich da nicht glücklich mit war. Ich wollte irgendwie perfekt sein. Fokus. So entschied ich, dass ich den Rest meiner Zeit in der Kleinstadt eben noch in beiden Rollen genießen und mein Leben neu starten würde, sobald ich das Abi in der Tasche habe und die weite Welt erobere.

So oder so ähnlich ist es dann auch gekommen. Mit dem Abi in der Tasche und dem Song “Rückenwind” im Ohr bin ich erstmal nach Düsseldorf gezogen. Von Sport keine Spur. Hier und da mal n bisschen mit ein paar Leuten im Park gekickt, diverse Fitnessstudios ausprobiert. Bisschen Wakeboarden. Bisschen Snowboard. Bisschen Spinning. Kein Plan. Kein Ziel. Die Idee des Leistungssports und des Wettkampfs lange hinter mir gelassen. Parallel dazu wieder: Studentenleben. Parties. Ne gute Zeit.

Du machst das doch schließlich nur zum Spaß!

2018. Heute sehe ich mich plötzlich auch berufliche Mails schreiben wie: “Sorry, dass ich mich erst jetzt melde und es mit einem Treffen bislang nicht geklappt hat. Ich muss zugeben, dass der Sport gerade viel mehr Raum einnimmt als sonst in meinem Leben und ich mich irgendwie drumherum anders organisieren muss.” Jetzt könnte man natürlich sagen: Naja, Du bist ja jetzt auch echt kein Profisportler, also entspann dich da mal n bisschen. Du musst ja nicht dies das, trainieren, diese und jene Wettkämpfe mitnehmen, dich herausfordern, regenerieren, Workout morgens um 6 Uhr machen im Gym und den ganzen Brimbram. Du machst das doch nur zum Spaß. Also halt mal den Ball flach. Olympia wird eh nix mehr. Tour de France bekanntermaßen auch nicht. Oder wie mein Dad sagen würde: “Das ist dir ja auch alles n bisschen spät eingefallen, Mädchen!”

Nope.

Those are the days my friend…

Noch heute, etwa drei Jahrzehnte später sind meine besten Tage wieder die, wenn ich morgens in Trainingsklamotten aus dem Haus gehe. Entweder mit der Sporttasche oder meinem Rennrad auf der Schulter. Und dabei ist es völlig egal, ob es morgens um 6 ist und ich im Gym verabredet bin oder ob ich mich in unserem Hof nochmal an den Brunnen setze und mir die Klickklack-, also meine Rennradschuhe anziehe und mein Rad mit viel Liebe auf die Straße schiebe. Das Gefühl muss das gleiche sein, wie damals. Wenn wir als Kinder raus durften und gemeinsam zum Sportplatz losgezogen sind. Laufen, Schwitzen, sich gegenseitig herausfordern, Spielen, Lachen, Spaß haben.

Und im Grunde ruft mein Kopf ein Gefühl ab, dass er vielleicht einfach nur lange verschüttet hatte. Irgendwo da war es doch. Da muss es gewesen sein. Wart mal, wo hab ich es nur zuletzt gesehen… Ah, da ist es: Flow!

Von viel kommt viel. Fokus.

Und genau das ist übrigens auch der Grund dafür, die Dinge einfach gut machen zu wollen. Und nicht beliebig. Wer mich kennt weiß: Ich liebe Fokus. Das ist meine Stärke. Alles um mich herum auszublenden, um mich auf mein Ziel zu fokussieren. Und dazu gehört auch ein entsprechendes Umfeld, das richtige Mindset und einige Ermöglicher-Bausteine auf dem Weg zur persönlichen Bestleistung. Ich bin unendlich dankbar, dass ich mich hab dazu hinreissen lassen. Und an manchen Tagen selbst erstaunt darüber, wie sehr diese relativ neue Leidenschaft – ich fahre seit ziemlich genau einem Jahr Rennrad – mein Leben positiv beeinflusst hat.

Heute laufe ich also wieder überdurchschnittlich oft in engen Lycra-Jerseys und Trainingsklamotten herum und auch die Photos sind ähnlich denen von früher. Nur dass ich heute keinen rosa-farbenen Trainingsanzug mehr tragen würde (Und keine rosa Brille mit “Sportbügeln”). Wobei… Der Spaß ist der gleiche und auch die Ernsthaftigkeit und die Faszination Leistung ist ähnlich geblieben. Heute freue ich mich, selbst entscheiden zu können wie ernst es mir ist und wirklich selbst alles dafür tun zu dürfen, damit es noch unzählige Tage mehr gibt, an denen ich in dieser Stimmung aus dem Haus gehe. Weil ich es kann. Und weil ich es will.

Am Ende des Tages zählt doch immer nur, ob wir glücklich sind.

Und ob Freizeit- oder Profisportler, am Ende des Tages zählt dass wir glücklich sind. Mich persönlich machen Herausforderungen und Leistungsfortschritte glücklich. Und diese fallen eben nicht vom Himmel. Oder: Von nix kommt nix. Und von viel kommt eben viel.

Ich freu mich auf viele tolle Flow-Momente und auf all das was da noch kommt. Schön, mein Little-Me nochmal getroffen zu haben auf dieser verrückten Reise.

Heute möchte ich dir ein paar Gedanken vorstellen, die erfahrungsgemäß auch die kreativsten und visionärsten Menschen ausbremsen können, noch bevor sie überhaupt losgefahren sind. Es sind nur 5 von unzähligen. Aber es sind die, die mir am häufigsten begegnen. Deshalb möchte ich sie gern mit dir teilen. Vielleicht bist du ihnen ja auch schon begegnet und brauchst mal jemanden, der deine Gedanken entwirrt. Damit du Platz für deine neuen Gedanken und Flausen hast.


Lass uns mal reden über Sätze wie..

1 „Meine Festanstellung gibt mir Sicherheit!“

Ja. Nein. Also, es ist die Frage deiner Betrachtung. Denn: klar gibt sie dir Sicherheit. In deinem Kopf! Weil wir es so gelernt haben: „Mädchen, mach erstmal nen ordentlichen Schulabschluss. Dann lernste was anständiges und dann kannste dich freuen, wenn dir jemand nen bombensicheren Job mit Perspektive anbietet!“.

Über die Frage was nun „ordentlich“ bedeutet und „anständig“ kann man sowieso streiten. Und über das, was ich persönlich eine gute Perspektive finde sowieso. Das kann ja stark differieren, von dem was andere so darüber denken. Deshalb lass uns doch bitte mal über „bombensicher“ unterhalten. Was soll daran sicher sein, wenn ich mein Glück oder Unglück in die Hände eines anderen Menschen lege? Was, wenn der Chef von Firma XY plötzlich auch Flausen im Kopf hat und die ganze Firma umstellt. Dich rauswirft, deine Arbeitszeit kürzt (was ich dir allerdings wünschen würde, das nur am Rande), dir andere Aufgaben zuteilt, du deinen Urlaub nicht so bekommst wie du es dir wünscht..

Ich habe irgendwann entschieden, dass ich das alles lieber selbst entscheide. Und auf wen kann ich mich mehr verlassen, als auf meine eigene Motivation? Wenn ich selbst nix tue, dann kommt da eben auch nix bei rum. So einfach ist das.

Klar, dafür bekomme ich nicht einfach jeden Monat ein festes Gehalt auf mein Konto gespült. Aber dafür kann ich selbst entscheiden und habe unmittelbaren Einfluss darauf, wann ich mit wieviel Kohle rechnen kann. Und wieviel ich eigentlich wirklich brauche. Ganz davon zu schweigen, dass ich das Modell noch nie so wirklich verstanden habe, einfach Geld für ein Stundenkontingent, also für meine Anwesenheit zu bekommen. Für mich zählen Ergebnisse.

Ich sehe das immer so, dass ich mich an meinen Arbeitgeber verkaufe: Ich biete an 40 Stunden brav jeden Morgen in ein Büro – oder sonstwohin – zu dackeln, und dort – im ungünstigsten Fall – mindestens 8 Stunden zu verbringen.

Im Gegenzug zahlt mein Arbeitgeber mir eine Entschädigung für diese verlorene (Frei-)Zeit und gibt mir sechs Wochen im Jahr Pause von dieser Verpflichtung.

Diese sechs Wochen muss ich mir meist auch noch in kleine Häppchen aufteilen und mich mit anderen Kollegen absprechen. Aber wie war das noch? Ich bekomme ja jeden Monat dieses Geld, das mein Motivator für dieses Agreement ist, das gesamte restliche Jahr so zu tun, als sei das alles völlig okay.

Klar kann ich mich da irgendwie sicher fühlen. Aber ob sicher gleich gut ist. Und wie ich Sicherheit definiere, das hängt ganz von mir ab. Deshalb ist meine Entscheidung ganz klar: Ich verkaufe keine 40 Stunden in der Woche an Externe. Und ich arbeite nur in einem relativ festen Rahmen für Menschen, die einen anderen Begriff von Arbeit haben und flexibel damit und eben auch mit mir umgehen.

2 „Oh Gott, ich muss mich selbst krankenversichern!“

Verrückter Weise ist das immer noch sehr häufig die offensichtlich „schlimmste anzunehmende Konsequenz“, die eintritt sobald du frei arbeitest. So zumindest klingt es, wenn man seinen Mitmenschen davon erzählt. „Oh, dann musst du dich ja selbst versichern!“ Oder im umgekehrten Fall: „Ah, das ist ja ganz gut mit der Teilzeitstelle. Dann hast du wenigstens alle Versicherungen!“

Jaaaaaa, alle Versicherungen. Toll! Hurra! Ich kann mich auch jedesmal kaum halten vor Freude!

Also, ich beschränke mich mal in diesem Fall auf die Krankenversicherung, denn über die Rente möchte ich nicht diskutieren. Klar, kann dir der Arbeitgeber was dazu zahlen. Kannste aber auch selbst privat zahlen, wenn du frei arbeitest. Und wenn du an das Modell „Rente“ glaubst.

Lass uns also über die Krankenversicherung sprechen: Das ist kein Hexenwerk! Echt nicht! Und es frisst dir auch nicht die Haare vom Kopf! Du hast die Wahl zwischen vielen privaten Versicherungen und einer freiwilligen Versicherung bei der gesetzlichen Kasse. Erstere ermittelt deinen Beitrag über dein Alter, (chronische) Krankheiten, Geschlecht usw. Die gesetzliche bemisst deinen Beitrag nach deinem Einkommen.

Ich habe mich aus finanziellen Gründen für die freie gesetzliche entschieden, denn als Frau mit Mitte Dreißig und – wenn man dem Versicherungsmakler glauben schenken soll – nahezu tödlichem Heuschnupfen, war mir die private einfach viel zu teuer.

Bei der gesetzlichen kannst du auch immer mal switchen, solltest du doch mal zwischenzeitlich über eine Anstellung versichert werden. Das ist sehr unkompliziert. Bei der privaten bist du deutlich unflexibler.

Vorsicht ist allerdings dann geboten, wenn du in deiner freien Arbeit mehr verdienst bzw. dort mehr Zeit investierst. Du musst Angaben machen bei der Krankenkasse und am Ende des Jahres deinen Steuerbescheid dort einreichen. Im Zweifel wirst du im Nachgang dann als „freiwillig gesetzlich“ versichert eingestuft und musst nachzahlen. Alles aber eine Frage der Organisation. Ehrlich!

Also trenn dich bitte von diesem typisch sicherheitsfanatischen Gedanken „ Oh Gott, ich muss meine Krankenversicherung selbst bezahlen!“ ! Für all das gibt es sehr praktische und bezahlbare Lösungen!

3 „Als Teilzeitnomade habe ich viel Freizeit!“

Den Zahn muss ich dir ziehen. Und glaub mir, damit habe ich viel Erfahrung. Nee, Spaß beiseite. Ich weiß hier echt wovon ich rede.

Du kennst sicherlich die Bilder von so genannten „digitalen Nomaden“. Die Gattung „Teilzeitnomade“ gehört zwar auch dazu, kann sich aber ebenso wenig mit dem häufig von den Medien etwas verzerrt dargestellten Bild des „ewig am Strand arbeitenden“ Nomaden identifizieren, wie die 24/7 Reiseblogger.

Klar, du kannst dir deine Arbeitszeiten aussuchen. Und auch die Orte, an denen du arbeitest. Das ist ja nicht zuletzt auch einer der Gründe für deinen angestrebten Lifestyle. Aber du erinnerst dich vielleicht an die alte Binsenweisheit von vorhin: „Von nix kommt nix!“ Und wenn du bis in die Puppen schläfst, nur am Strand oder auf der Couch rumhängen willst, lieber mit nem Cocktail am Strand rumlungerst und deinen Laptop allenfalls zum checken der neusten Facebook-Posts nutzt, dann mach das doch lieber in deinen, sicherlich wohlverdienten, sechs Wochen Urlaub.

Es kommt sicher darauf an, welches Business du ans Laufen bringen willst. Und welche Projekte du noch so nebenher auf die Beine stellst, oder ob du gar eine Teilzeitstelle als Basis für dich nutzt.

Meine Erfahrung ist: Du hältst immer viele Bälle in der Luft. Gleichzeitig. Ich für meinen Teil stehe mit 20 Stunden für eine tolle Firma in Köln zur Verfügung, bin da aber auch zeitlich und örtlich sehr flexibel. So bin ich aber gerade zum Beispiel unterwegs, halte Vorträge auf einer Messe, pflege den ganzen Tag meine virtuellen Plattformen und Kontakte, telefoniere zwischenzeitlich viel, beantworte Mails, kümmere mich um die IT der Firma und plane ein weiteres Projekt, für das ich auch einiges gerade organisieren und besprechen muss.

Nebenbei schreibe ich diesen Text, gehe nochmal meinen Vortrag für heute nachmittag durch, suche einen ordentlichen Co Working Space, tausche mich in meiner Community aus, schraube an meiner Seite, beantworte Anfragen..

Das kannst du im Grunde so endlos weiterführen und gerade virtuell sind den ganzen To Dos da einfach keine Grenzen gesetzt.

Der Vorteil: Das Internet hat immer geöffnet. Der Nachteil: Das Internet hat immer geöffnet.

Natürlich ist es abhängig vom Business. Aber du hast eben nicht nen Job, den du nach 17h einfach ablegst. Der läuft immer mit! Das gilt zwar auch für manch andere Jobs, die man auch als Angestellter erledigt. Aber in diesem Fall mache ich das einfach auch gern.

Weil es mein ganz eigenes Business ist. Weil das ich bin. Weil es mir Spaß macht. Aber man muss es mögen, ständig zu jonglieren, Prioritäten zu setzen, keine festen Zeiten zu haben. Und du musst nicht nur diszipliniert sein auch wirklich zu arbeiten, sondern auch mal abzuschalten!

Das ist nämlich gar nicht so einfach, wenn es einmal läuft und du im Flow bist. Aber das ist eher ein Luxusproblem, finde ich. Achtsamkeit hilft da schon ein bisschen, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren und sich nicht nur Jobs sondern auch mal selbst Urlaub zu geben. Du hast es in der Hand. Nur du! Das ist der Vorteil an diesem Lifestyle und unterscheidet sich deutlich vom 9to5 Job.

Halten wir also fest: Es wird anstrengend werden und du wirst dir an manchen Tagen eine „normale 40 Stunden Woche“ zurück wünschen. Aber immer wieder wirst du daran denken, dass du all das nur für dich tust. Und du wirst dir sicher kein Business aussuchen, dass dir nicht entspricht.

Also ist am Ende doch alles gut.

4 „Ich muss ja mein ganzes Leben über den Haufen werfen!?“

Die gute Nachricht: Du bleibst du. Egal was du machst! Dein Leben drumherum wird sich dir anpassen und du wirst gar nicht bemerken, dass du es ganz unbemerkt „über den Haufen wirfst“.

Lass es uns doch einfach anders benennen, damit es dir leichter fällt das zu akzeptieren. Du wirst einfach eins mit deinem Leben, weil du dich nicht mehr den Bedingungen anpasst, sondern umgekehrt. Das Leben um dich herum wird sich mit dir verändern, wachsen, großartig werden, sich entwickeln, und dich zu vielen Ideen, Orten und Begegnungen führen, von denen du nichtmal eine Ahnung hattest.

Es hat nichts zu tun mit der abstrusen Idee, die eigene Wohnung aufzulösen, alles Hab und Gut zu verkaufen und von heute auf morgen auszuwandern. Klar, das kannste auch machen. Aber es ist eben nicht der einzige Weg. Du kannst auch einfach in deiner Homebase bleiben, wenn du dich dort wohl fühlst – so wie ich es auch tue und gern in Köln lebe – und von dort aus „anders denken und arbeiten“.

Ich zum Beispiel reise immer wieder gern von hier aus durch die Welt. Plane verrückte Projekte und reise dann wiederum durch Deutschland und berichte davon. Das hält mich aber nicht davon ab, einen Freundeskreis zuhause zu pflegen, dort auch zu arbeiten, eine schöne Wohnung zu haben und sogar ein Auto mein eigen zu nennen. Klingt fast ein bisschen bodenständig, oder?

Diese verrückte Idee und das Bild des Reisebloggers. Das vergiss mal lieber schnell wieder. Das ist ganz nett, aber da gibt es schon ein paar sehr kompetente Menschen, die das gut machen und damit Geld verdienen können.

Die gute Nachricht ist also: Du kannst alles so lassen wie es ist! Nur dein Denken verändert sich. Und der Rest kommt dann von ganz allein und fühlt sich auch nicht mehr seltsam an.

5 „Aber ich hab ja eigentlich […] studiert!“

Vielleicht hast du studiert. Vielleicht auch nicht. Vielleicht hast du auch eine nette Ausbildung gemacht. So direkt nach der Schule. Bei mir war es so, dass ich erstmal ein Studium begonnen habe, um zu schauen was ich eigentlich denn so will. Dann habe ich einen coolen Studentenjob bekommen und  erfahren, dass man den auch „so richtig“ – mit nem „ordentlichen“ Studium machen kann. Also hab ich kurzerhand Studium Nr. 1 geschmissen um Studium Nr. 2 anzupacken.

Ein bisschen Glück gehörte damals dazu, denn ich hatte mich leider exmatrikuliert, noch bevor ich mich für das neue Studium eingeschrieben hatte. Und das wiederum hatte dann leider schon Einschreibungsschluss. Das ist aber wieder eine andere Geschichte. Jedoch ein gutes Beispiel dafür, dass man die Dinge auch jederzeit im Leben ändern kann. Und es auch funktioniert. Wenn man nur will.

Ich weiß nicht woher es kommt, dass man glauben soll, dass das wozu man sich in der Blüte seiner Jugend mal irgendwann entschieden hat, auch das sein muss was wir ein Leben lang machen sollen. Müssen.

Klar war das früher so. Aber das war mindestens eine Generation vor dir und mir. Also nehme ich an. Und du hast jederzeit in deinem Leben die Möglichkeit, nochmal was völlig verrücktes und neues zu machen, egal was in deinen Papieren steht. Wirklich.

Du kennst sicher den Spruch:

„Sie haben da eine Lücke im Lebenslauf!“ „Ja, war geil!“

Genau so muss es doch sein, oder? Unverständlich für mich, an etwas festzuhalten, nur weil ich es irgendwann mal gelernt habe. Es sei denn ich bin glücklich damit. Das gibt es natürlich auch. Aber ich nehme an, dass du nicht dazu gehörst. Ich entwickle mich doch weiter und damit vielleicht auch neue Interessen. Ich fand meine Jugend zwar schon ziemlich cool, aber ich würde vermutlich nicht mehr die Entscheidungen treffen, die ich mit 19 getroffen habe. Und da bin ich ehrlich gesagt auch ein bisschen froh drüber.

Also lass mal besser diese Idee los, dass etwas neues irgendwie mit deinen bisherigen Erfahrungen und Zeugnissen übereinstimmen muss. Es muss einfach mit dir übereinstimmen.

Dein Herz weiß wo du hin willst. Dein Zeugnis nur, wo du herkommst.

Zusammenfassend haben wir heute also mal fünf Gedanken durchleuchtet, die dich auf dem Weg zu einem anderen Arbeits- und Lebensgefühl, vielleicht auch auf dem Weg zum Teilzeitnomaden, bremsen können, noch bevor du überhaupt mit irgendetwas angefangen hast. Und ich mache ebenso den „Bremstest“ mit dir, indem ich das Bild vom freiheitsliebenden, reisenden und immer tiefenentspannten Blogger etwas gerade rücke. Kannste schon so machen, aber dann isses halt k***. Ich glaub du weißt schon was ich meine.


Entscheide selbst, was du davon annehmen möchtest oder eben nicht. Probier es aus. Machen. Gilt auch hier. Manchmal muss man selbst die Dinge einfach auch erlebt haben, um sie zu verstehen. Manchmal versteht man sie auch dann nicht.

Deshalb schreibe ich hier. Und ich freue mich, dass du zumindest ja schonmal neugierig bist. Wenn du Fragen hast, dann meld dich wie immer gern bei mir. Ich helfe dir gern weiter. Egal ob es um eher handfeste, organisatorische Dinge wie die Wahl der Krankenkasse geht, oder um dein Mindset, das wir vielleicht erstmal gemeinsam ein wenig schieben und auf den neuen Trampelpfad wuchten müssen, bevor es auf die Straße geht.

Ich biete auch gerade ein Skype Coaching an, solltest du mich gern mal für ne ganze Stunde buchen wollen, geht auch das.

Wie auch immer, ich freue mich von dir zu hören!

Ahoi & beste Grüße aus Hamburg, Tanja