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Anfang 2017 hab ich meinen Wolke 4 Artikel geschrieben. Eben hab ich ihn nochmal gelesen und noch immer für gut befunden. So gut, dass ich gern nochmal anknüpfen möchte. Denn:

Auf einige Fragen habe ich mittlerweile Antworten gefunden. Manche wusste ich auch damals schon zu beantworten. Und manche wiederum werde ich vermutlich niemals beantworten können. So wie das eben mit Fragen ist. Die sind schon ne eher seltsame Spezies. Bewegen so vieles, treffen aber nicht immer auf ihren Gegenspieler, die “Antworten”. Und dann steht man da mit all seinen Fragezeichen.

Im Januar waren meine Antworten auf das “Warum nur?” die folgenden:

„Weil ich gern Abenteuer erleben will. Weil ich mich nicht einfach zwei Wochen an irgendeinen Sandstrand legen kann. Weil ich gern meinen Grenzen die Hand schütteln und sie dabei noch ein wenig drücken möchte. Weil ich mir selbst vertraue. Weil ich Island liebe. Weil ich ein Urvertrauen in die Dinge und in meine Entscheidungen habe, dass schon alles richtig und gut sein wird. Und weil ich dafür immer und immer wieder belohnt werde. Weil ich mich auch für ein eher unsicheres “Teilzeitnomaden”-Dasein entschieden habe und dieses Lebensgefühl in keiner Sekunde missen möchte. Weil ich einmal im Leben eine Wolke berühren möchte. Weil Island unberechenbar ist. Weil ich Schafe lieber mag als Menschen. Manchmal. Weil ich Lust auf Momente und Begegnungen habe von denen ich noch lange erzählen kann.“

Word! Das kann ich wohl genauso unterschreiben. Und ist es nicht verrückt, dass ich mir vorher schon ausmalen konnte, dass dies auch nach diesen verdammten 1200 Kilometern meine Antworten sein würden?

Warum das so ist?

Weil ich mich lang genug kenne. Weil ich dem Prozess vertraue. Weil ich davon überzeugt bin, dass eine Entscheidung immer richtig ist, wenn man sie von Herzen trifft.

Mir reicht Wolke 4 nach wie vor nicht. Warum auch!? 

Und ich bin mehr als froh darüber, dass ich mich nicht hab beeinflussen lassen. Von den Fragen nach Angst und Unsicherheit. Von dem Gefühl des Unbekannten.

Rückblickend kann ich sagen: In keiner einzigen Sekunde hatte ich Angst auf meiner Tour. Respekt, klar! Aber das wäre ja auch nahezu unmenschlich, wenn das nicht so wäre. Ein Spaziergang war die Aktion sicher nicht.

Und klar hatte ich auch Zweifel.

Ganz leise, flüsternd..irgendwo da hinten in meinem Kopf. Aber das Herz hat lauter geschlagen als der Kopf. Und die Gedanken haben sich irgendwann verflüchtigt. Als ich gesehen habe, dass es funktioniert.

Die Frage nach der Angst ist wohl die häufigste Frage, die mir gestellt wurde. Vor und auch nach der Tour. Was hätte nicht alles passieren können. Ja..was hätte nicht alles passieren können? Ist es aber nicht.

Die zweite Frage, die mir gerade oft gestellt wird ist die, ob ich allein gut klargekommen bin. Erst heute meinte wieder jemand zu mir, dass er das sicher nicht ausgehalten, vermutlich gar nicht erst versucht hätte. Auch da kann ich nur wieder sagen: Einfach mal machen! Rausgehen. Alleine. Sich selbst vertrauen und durch die Erfahrung lernen, dass es möglich ist. Und dass man doch viel mehr im Griff hat, als man glaubt.

Neulich in einem Interview habe ich gesagt,

..dass ich glaube, man muss dem Leben einfach auch mal Vorschusslorbeeren geben. Um dann die Dinge auszuprobieren und die Erfahrung zu machen, dass es auch funktioniert. 

Mein Lebenskonzept funktioniert genau so. Nur erlebte Dinge können wirklich etwas verändern. Nur der Gedanke etwas tun zu wollen reicht nicht aus.

Du kannst eine Idee haben, von dem was du tun willst. Du kannst Wünsche haben, Träume. Du kannst den ersten Schritt planen und ein Ziel anvisieren. Das alles passiert in deinem Kopf. Und dann gehst du los. Und bist Teil deines Plans. Setzt ihn in die Realität um, und wirst plötzlich Teil deines eigenen Projekts.

So hat es sich für mich angefühlt und im Nachhinein kann ich sagen: Das war – genau so – gut so! Vertrauen darauf, dass ich schon kluge Entscheidungen treffen werde. Niemand kennt mich so gut, wie ich mich selbst. Und wann bekommt man schonmal die Möglichkeit, sich so intensiv mit sich selbst auseinanderzusetzen?

Deshalb kann ich nun rückblickend sagen: Ich habe in keiner Sekunde bereut, alleine losgegangen zu sein. Wirklich, in keiner einzigen Sekunde. Und was soll ich sagen? Das hinterlässt doch ein unglaublich gutes Gefühl. von Freiheit.

Ja das ist ein Helden-Artikel. So ganz ohne den üblichen Helden-Schnickschnack. Es kann nämlich jeder von uns ein Held sein. Da gibt es tausend Wege und Möglichkeiten. Worum es aber in diesem Artikel geht. Das sind Helden, die auf ihr Herz hören.

Warum? Weil ich denke, dass viele genau das verlernt haben. Allzu oft ist das Internet voll von klugen Sprüchen, die nur so strotzen von Sehnsucht und so wahnsinnig weise daherkommen. Man sollte viel öfter dies. Man sollte viel öfter jenes. Wenn ich am Meer bin, dann… Darunter zigfache Likes und Herzchen, die Empathie bekunden.

“Alles beginnt mit der Sehnsucht.”, hat Nelly Sachs mal gesagt. Und das ist gut so. Und spiegelt sich eben auch überall um uns herum, wo wir kommunizieren, wider.

Schließlich möchte jeder gern dies oder jenes. Ein besseres Leben, nettere Kollegen, ein schöneres oder, noch besser, gar kein Büro. Mehr Urlaub, mehr Freiheit, mehr Geld, Selbstverwirklichung. Die Liste ist so endlos lang, wie wir Menschen verschieden sind. Und das Verrückte daran? Die Möglichkeiten sind es auch. Aber dazu später mehr.

Da entsteht er nun vor deinem geistigen Auge. Der Held, der auf sein Herz hört. Mehr nicht.

Ein ganz schön leiser Held?

Mitnichten. Denn als Mensch ist dir nunmal nicht nur ein Herz, sondern auch ganz schön viel anderes mit auf den Weg gegeben worden. Zum Beispiel der Kopf. Und dieser kämpft von Tag zu Tag einen ungleichen Kampf mit deinem Herzen. Deine Erziehung, deine Umgebung, dein bisherige Lebens, deine Werte, Freunde, dein Job. All das prägt dich und deine Denkweisen.

Und dein Herz?

Das begleitet dich tagein tagaus. Von der ersten Sekunde deines Lebens an. In seinem, deinem eigenen Rhythmus. Im Grunde kennt ihr euch ganz schön gut.

Und wenn ich mich mit Menschen unterhalte, dann habe ich sehr häufig das Gefühl, dass das Herz zwar im Background mitspielen darf. Der Kopf aber die Rampensau ist, die immer alles entscheiden darf und die großen Auftritte hat. Auf Kosten des Taktgebers.

Und Herzensdinge, die kann man eben auch nicht so gut den Anderen erklären.

Das sind Gefühle, Emotionen, Turbolenzen, denen der Kopf oftmals gar nicht mehr folgen kann. Und trotzdem bleibt der Kopf die Rampensau. Ist doch schräg, oder? Warum das so ist?

Weil niemand mehr sein eigener Held sein möchte.

Also irgendwie ja schon, aber..ach da ist er ja schon wieder, der Kopf. Gedanken, Argumente, Gewohnheiten. Das haben wir schon immer so gemacht. Arbeiten muss man..All diese Glaubenssätze treiben mich persönlich regelmäßig in den Wahnsinn. Ich weiß nicht, wie es dir geht?

Also, was ist überhaupt ein Held?

Meiner Idee nach ist jeder ein Held, der sich traut, dem Herzen zu folgen. Der es schafft ganz leise in sich hineinzuhören und sich ernstzunehmen. Wünsche, Träume. Das sind nicht einfach nur Optionen, die wir uns gönnen dürfen, wenn dies oder jenes geschafft ist oder wir in die wohlverdiente Rente gehen.

Das sind, verdammt nochmal, Herzensangelegenheiten wegen derer wir überhaupt auf diesem Planeten sind.

Weshalb wir so unterschiedlich sind und uns, in einem gewissen Rahmen versteht sich, austoben dürfen und sollen. Und das haben wir ein bisschen verlernt. Das macht mich nachdenklich und ich möchte mehr Menschen dazu inspirieren wieder der Held ihrer eigenen Geschichte zu werden.

Dinge einfach mal machen. Träume einfach mal leben. Und hey, komm mir nicht mit „Ich hab Familie, ich muss ein Haus abbezahlen, ich muss erst warten bis…“ Helden fangen ganz klein an. Indem sie sich überhaupt erstmal wieder mit den eigenen Herzenswünschen beschäftigen und lernen, die Impulse ernstzunehmen. Anstatt im Strudel des Alltags unterzugehen.

Weil das Leben halt einfach so ist.

Ich kann dir nach jetzigem 39-jährigen Erkenntnisstand sagen:

Nein, das ist es nicht. Und das Leben hat mehr verdient, als einfach so hingenommen zu werden. Deshalb lad ich dich hiermit ein.

Komm, lass mal Helden sein! Und Dinge anders machen. Anders denken. Und neue Möglichkeiten entdecken. 

 

Ahoi & bis bald,

Tanja

Ich freue mich, euch heute ein paar Bilder meiner letzten Tour zeigen zu können. Auch für mich verrückt, diese Eindrücke alle nochmal so zu sehen. Und es gibt noch so viele mehr. Deshalb hier nur ein Auszug, aber mit viel Liebe ausgewählt.

Auf meiner Bühnentour gibt´s dann ab dem 13. Oktober auch die passenden Geschichten dazu. Bis dahin könnt ihr euch selbst ausmalen was da los war. Enjoy <3

Als gelesenen Text empfehle ich zur Untermalung übrigens meine Liebeserklärung.

Ich melde mich aus Reykjavik. Verrückt. Von hier bin ich irgendwann vor vier Wochen mal losgefahren. Irgendwie. Und in der Zwischenzeit habe ich 1230km rund um die Insel zurückgelegt.

Auch das ist verrückt. War es doch meine erste Radreise. Und dann gleich eine so unglaublich grandiose. Mit vielen Höhen und Tiefen – aber im wahrsten Sinne..

Insgesamt aber überwiegen doch die Höhen, auch im wahrsten Sinne. Nee, mal im Ernst: Es war großartig und ich kann noch gar nicht richtig glauben, dass ich einmal rum und wieder hier in good old Reykjavik eingelaufen bin. Und das Rumhängen fühlt sich grad auch sehr seltsam an. So ohne Radfahren. Heute mal 4km Downtown. Und zurück. Sonst nix… Seltsam..

Ich fürchte fast, ich werde zukünftig morgens mit dem Rad nach Düsseldorf fahren um Brötchen zu holen.. Der Auslastung wegen..

Es ist, wie es eben nach so einer Reise so ist. Grad ist Niemandsland. Irgendwie. Ich hänge hier rum. Organisiere grad noch dies und das. Freue mich über halbwegs Zivilisation. Oder auch: Freue mich so halbwegs über Zivilisation. Beides stimmt. Muss meine Riesenbikebox morgen nochmal kleiner cuttern, hoffe dass es dabei nicht regnet. Mein Hab und Gut sortieren nach: Kann weg (Leftovers Campsite), Müll, Nehm ich mit, Könnt ich aufm Flug sogar noch anziehen und: Nein, geht gar nicht, dann lassen die mich nicht mitfliegen..

Am Freitag ziehe ich auch nochmal um ins Hostel, damit ich guter und gepackter Dinge um 2:30 (sic!) vom Flybus abgeholt werden kann. Das wird ja wieder ein Spaß mit dem Karton. Hurra!

Naja, immerhin hätt er mich fast am falschen Ort abgeholt, und dann wiederum am richtigen, aber um 6:00 (da geht schon mein Flieger) und heute besaß ich zwischenzeitlich auch mal kurz gar keinen Perso mehr. Also für ein paar Stunden.. Gut, dass ich das dann noch bemerkt habe. Das wäre ja ein Spaß gewesen am Flughafen mitten in der Nacht und dann noch mit dem lustigen Sperrgepäck, das keiner lieb hat.

Ihr seht: Ich bringe viele Geschichten mit. Und ich habe mich heute auch ein wenig vor dem Schreiben gedrückt, weil ich ja gar nicht mehr weiß wo ich anfangen soll!? D

Deshalb sende ich zumindest ein Lebenszeichen. Und kann sagen: I did it! Allen Bedenke, Sorgen und Hinweisen anderer Menschen zum Trotz. Und dank aller Ermöglicher, die mich aus der Ferne auch echt nochmal gepushed haben. Danke dafür!

Ich plane mehr zu berichten, wenn ich zurück in Köln bin. Das ist ja nun nicht mehr allzu lang. Aus der Reihe “Irgendwas ist ja immer” habe ich hier grad immer entweder keinen Akku mehr, oder keine Powerbank, oder kein Netz, kein Wetter, keinen ordentlichen Platz…Abenteuer eben. Und meine Bilder sind auf zahlreichen Geräten verteilt und wollen erstmal sortiert werden, bevor ich sie wahllos hin und herschiebe.

Deshalb das wichtigste: Es geht mir gut. Es war grandios. Ich habe unglaublich viel erlebt, bewegt, viele tolle Menschen getroffen, schöne Orte gesehen, gelacht, geflucht, mich in Demut geübt und viel gelernt. Und wenn es zuletzt das ist, dass dir der beste geschenkte Löffel nichts nutzt, wenn du zwar Müsli, aber keine Milch mehr hast.

Nee, mal im Ernst: Das war schon ne gute Tour so mit mir selbst. Und ich habe mich das ein oder andere Mal doch selbst überrascht. Nicht zuletzt mit den gefahrenen Kilometern. Und mit dem ein oder anderen Berg, der mich anfangs noch sehr herausgefordert und schon beim Anblick zum Absteigen gezwungen hat, und den ich am Ende dann doch tapfer gefahren bin. Man wächst mit seinen Aufgaben.

Das zumindest kann ich nun nach erfolgreichem Praxistest sagen. Und last but not least hat sich für mich ein Gedanke wirklich bewahrheitet: Einfach mal machen. Denn: Auch ich bin kein Radreiseprofi, bin nie mit so viel Gepäck gefahren, habe lediglich beim Indoor-Cycling (immerhin hart) trainiert und mein Antreiber war einfach die Neugier und die Abenteuerlust.

Das allein reichte für mich schon, um fünf großartige Wochen zu erleben. Für diesen “Leichtsinn” danke ich mir und entspanne mich nun noch ein wenig in Reykjavik, bevor es zurück zur Homebase geht.

Dort werde ich dann mehr berichten. Nicht nur hier, sondern auch auf der Bühne. Die ersten beiden Travelslam Termine stehen schon. Schaut mal auf meine Startseite unter Tourdaten. Ich freu mich, wenn ihr vorbeikommt. Da kommt aber noch mehr.

Seid gespannt und freut euch auf Geschichten einer Radreise. In einem Land, wo dir die Leute immer “good luck” statt einer “guten Reise” wünschen.

Iceland, you never know <3

Takk Fyrir & Ahoi,

Tanja

Guten Morgen aus Grundafjördur. Die erste Straße, die ich hier gesehen habe bei meiner Einfahrt hieß “Grund” und schon beim Anblick des kleinen Örtchens war mir klar, was der Grund für meine Wege hierher ist. Es ist zauberhaft hier und ich hatte schon auf dem Weg hierher das Gefühl, dass die Welt so im Ursprung eigentlich hätte aussehen sollen.

Das klingt vielleicht seltsam, aber ich bin nun seit 10 Tagen hier und so langsam haben sowohl Körper als auch Kopf einen ganz eigenen und, wie mir scheint, ursprünglichen Rhythmus. Großartig!

Das Ankommen und wieder Abreisen klappt mittlerweile auch ganz gut und ich nehme mir dennoch die Zeit, mich zuhause zu fühlen an jedem Ort, an dem ich mein Zelt aufschlage. Island macht es einem aber auch leicht.

Immer wieder treffe ich Menschen auf der Reise wieder, denen ich schon einmal irgendwo begegnet bin. Wie hier zum Beispiel Lala mit dem gelben Zelt, mit der ich mir in diesem Fjord verabredet habe, um weiter Richtung Norden zu fahren. Es ist ein schräges Gefühl am gefühlten anderen Ende der Welt, nach unzähligen Bergen und Fjorden, bei der Ankunft zu wissen: Da kommt gleich noch wer, den ich “kenne”. Verrückt!

Und so ist es auch ganz gut, dass wir alle mitllerweile via Internet bzw. Facebook verbunden sind. So weiß ich, dass Lala etwa gegen vier ankommen wollte, Scott noch im Snaefellesness Norden rumcruist und sich von den Möwen attakieren lässt und kann mir von Brian aus den USA nochmal schnell Campsite Tipps für die längeren Distanzen abholen (immer gern genommen: Tipps zu den Duschen und zur Windsituation 😉 ).

Ich fühle mich, als sei ich schon eine halbe Ewigkeit hier. Und das ist gut so. Gestern Abend lag ich erstmals in meinem Zelt, schaute auf den Fjord und konnte mir schon so gar nicht mehr vorstellen, wie es ist indoor zu wohnen. Das geht schon ziemlich schnell. Vor allem hier. Und vor allem wenn man ein Typ dafür ist..

Und dabei fühle ich mich auf meiner Solotour gar nicht mal so allein. Ich treffe immer wieder auf andere Abenteurer. Mit oder ohne Rad. Da wir alle sehr ähnliche Vorstellungen haben von dem was wir hier suchen oder finden wollen, sind wir dennoch alle sehr autark unterwegs und binden uns nicht zwanghaft.

Man tauscht Tipps aus (Duschen, Wind, Berge, Fahrradreparaturen, Radmitnahme im Bus..), isst mal gemeinsam oder wohnt “Tür an Tür”, aber fährt dann auch wieder getrennte Wege. Das ist schön so und so herrlich ungezwungen.

Besonders schöne Momente finde ich, wenn du stundenlang durch irgendwelche Berge cruist und dir plötzlich im Nirgendwo ein Radfahrer entgegen kommt. Man grüßt sich, selbstverständlich :-), lacht, freut sich…und im Grunde genommen weiß man auch genau, wie der andere sich gerade fühlt (“Hah, noch son Verrückter!”) und welche Strecke er oder sie dann jetzt noch vor sich hat. Ein – wie ich finde – ganz besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl. Schön!

Neben all den Geschichten und Menschen, die ich nun schon mitgenommen habe, ist mir eine ganz besonders im Gedächtnis geblieben: Die Familie aus Dresden, die ich auf dem Campsite in Stykkisholmur getroffen habe. Mit vier (!) Kids! Das erste Mal Camping, und dann auch gleich noch in Island. Und nicht mit Auto oder so nem Schnickschnack. Nein, mit dem Linienbus. Verrückt sind die! Und dabei so unglaublich toll!

Nahezu alle haben sie für verrückt erklärt angesichts ihrer Tour. Und sie haben es einfach gemacht! Großartig! Das war schon immer schön mit anzusehen, wenn es da um die alltägliche Logistik ging – Essen machen auf dem Kocher, Zelte auf-/abbauen…

Da sollte ich mich doch nochmal über meinen täglichen Umzug beschweren..

Ihr Gepäck hatten sie auf einem Kanutrailer verstaut, der dann immer von den jeweiligen Bushaltestellen zum Camping gezogen werden musste. Man muss einfach nur Lösungen finden, dann geht doch auch einfach alles.

Sonstige lessons learned aus den bisherigen Tagen, die ich vermelden kann:

  • Nach einem Berg folgt auch immer irgendwann ne Abfahrt. Man muss nur fest dran glauben…
  • Freibad bei 11 Grad muss nicht unbedingt schlecht sein..
  • Packe alles ein, von dem du denkst, du brauchst es irgendwann.

Und dann packe eta 1/3 wieder aus. Oder verschicke später ein Paket für unschlagbare 35€ zurück nach Hause…

  • Wenn irgendwo steht, der Campsite hat ne Dusche, dann heißt das…

a) nicht unbedingt, dass es wirklich eine gibt

b) nicht unbedingt, dass sie indoor ist

c) nicht unbedingt, dass sie auch warm ist

d) manchmal auch, dass du im naheliegenden Schwimmbad duschen musst. Gegen Extra Gebühr..

Wie dem auch sei. All das lässt mich immer entspannter werden und Island ist so wie ich es kenne. Nichts ist festgeschrieben. Weder das Wetter, noch die Straßen, die Duschen, die Menschen, die Wege..

Iceland you never know..

Und dafür sind wir doch alle hier, oder?

Ich habe übrigens nun die 300km Marke geknackt und lege heute eine kleine und morgen eine größere Strecke mit dem Bus zurück, weil ich nach dem etwas längeren Aufenthalt im Westen nun gern endlich auch im Norden durchstarten möchte und ich mittlerweile ohnehin mehr querfeldein als Ringroad fahre.

Auch das war eigentlich nicht so mein Plan. Ich fahre also weniger “um Island herum” als “In Island herum”. Und das ist gut so. Denn: Ich merke, ich bin nicht so der Typ, der einfach die Kilometer abreisst um einmal rumzukommen. Es gibt so viel zu entdecken abseits der festgelegten Routen. Ich mag Trampelpfade wohl ganz gern. Und werde das auf meiner Tour weiter beherzigen.

Damit es so toll bleibt wie es ist.

Schön, dass du mir hier folgst bei meinen Abenteuern <3

Takk Fyrir und sonnige Grüße aus Grundafjördur,

Tanja

Das war dann wohl der bislang wirklich mit Abstand herausfordernste Tag, wenn man es noch positiv fomulieren möchte. Was mir grad schwer fällt. Aber nachdem ich nun noch im Hot Pot war (quasi n isländischer heißer Pool) und heute sogar ein Bett mein eigen nenne..will ich den Tag mal Tag sein lassen, denn morgen sieht die Welt sicher wieder ganz anders aus.

Hatte ich nicht mal was von Komfortzone geschrieben irgendwann? Heute hab ich sie dann mal getroffen. Und zwar ne ganze Weile lang sogar. Wir haben so den ein oder andern Deal unterwegs gehabt und uns gegenseitig das Leben heiter bis wolkig gemacht. Was wiederum passt wie die Faust aufs Auge. Denn: Heute war Wetter. Und zwar so richtig. Ich kenne Island. Ich weiß, dass das so sein kann, aber wie es sich dann wirklich auf dem Fahrrad anfühlt, wenn man in Schräglage fahren muss um auf der Straße zu bleiben…Hm…das hatte ich bislang auch noch nicht ausprobiert.

Fazit: Kannste schon so machen…ist aber.. Ihr wisst schon.

Es gibt de Kurzfassung, denn ich bin sehr müde: Heute morgen von Borganes aus gestartet, schon bei Regen und recht kühlen Temperaturen, aber mit der Gewissheit, dass in nur 40km schon ein wirklich netter Campsite mit heißer Dusche wartet. Also bin ich los – erst noch über die Tanke in der anderen Richtung ne Gaskartusche besorgen – und dann in Regenklamotte Richtung Westen.

Unterwegs gabs einiges an Regen, aber halb so wild in den richtigen Klamotten. Wurd nur n bisschen warm beim Fahren, Scott und Lala waren schon voraus (Scott: Neuer Teilzeitnachbar aus Borganes) zum gleichen Ziel. Wir sind quasi alle allein aufgebrochen, weil jeder noch so seine persönlichen Dinge erledigen wollte in Borganes.

Nach 25 KM nimmt der Wind plötzlich so rapide zu, dass ich denke ich fliege gleich weg. Mitsamt Rad und Gepäck. Wirklich nicht witzig und ich wusste ja auch, dass es stürmisch werden sollte..Aber, ERLEBNISpädagogen wollen ja auch immer alles ganz genau wissen und ausprobieren. Also unterwegs so gesehen kein bisschen gewundert über den  “plötzlichen” Umschwung und tapfer dagegen gehalten. Bis ich etwa 5km vor dem Ziel Lala überholte.

Gemeinsam zum Platz geschuftet. Beide froh, dass wir endlich dort sind. Und siehe da: Voll. Closed. Wegen Family irgendwas Camping.

Ich glaub so ungläubig war ich schon lang nicht mehr. Auf die Frage wo der nächste Campsite sei, erfahren wir: In 15km. Puh! Das ist zwar nix…aber wenn du mit deinem vollgepackten Rad nur 6 km/h bei 50km/h Seitenwind fährst und vor allem deshalb nicht in der Spur fährst…dann sind 15km plötzlich das Ende der Welt.

Egal, wir fahren also. Bleibt uns ja nicht viel anderes übrig. Noch schnell ne Banane im Windschatten des closed campsites verdrückt und auf gehts.

Aber es ging fast gar nichts. Zwischendurch mussten wir immer wieder schieben – wobei auch das wenig komfortabel war, vor allem angesichts der Autos (ist ja ne Bundesstraße..). Lala ist einmal das ganze Rad um die Ohren und umgeflogen und ich hab mir lösungsorientiert schön die – laut Navi dann doch – 18km in kleine Häppchen gepackt: So, dann haben wie ja jetzt schon Päckchen 1 mit 3km geschafft….Dann haben wir das zweite geschaffts…usw..

Ich weiß wirklich nicht, wann ich das letzte Mal so verzweifelt war wie heute. Keine andere Wahl. Keine Chance auf Umkehren, Bus nehmen, gut vorankommen.. Bei 6 km/h bräuchten wir für die kurze Strecke dann auch 3 Stunden. Ich fass es nicht, bin zudem total verschwitzt und trotzdem auch irgendwie nass vom Regen, der uns ins Gesicht peitscht wie Hagelkörner.

Lala bekommt es mit weniger Gepäck dann doch noch irgendwie hin. Ich hingegen entdecke einen Jeep und frage einfach mal nach, ob die beiden mich nicht mit zum Hotel nehmen können. Und mein Rad natürlich.. Die beiden Französinnen wollten sich eigentlich irgendwelche heißen Quellen dort anschauen und kamen exakt aus der Richtung wo ich hin muss. Aber sie haben ein Herz und ich darf kurzerhand mein Rad in den Kofferraum werfen.

Es wird noch kurz aufgeräumt, mein Vorderrad abmontiert, Taschen runter und auf gehts. Wie es dann ja immer so ist quatschen wir munter. Ich kann ein paar Tipps geben, berichte dass ich jetzt nach 50 km Regen und Wind auch einfach platt sei und ich Ihnen deshalb unendlich dankbar sei. Sie können mich sehr gut verstehen und berichten von einem ähnlichen Erlebnis im letzten Jahr, wo es allerdings viel zu heiß war für eine Tour. Ja…die Herausforderungen sind eben recht unterschiedlich im Leben..

Der Rest ist schnell erzählt: Die beiden sind meine Retter und Heldinnen des Tages. Und die tapfere Lala kommt auch etwa ne Stunde später an. Scott wartet schon völlig verfroren im Foyer und wir schnacken ne gefühlte Ewigkeit über das Wetter und was das so mit einem macht auf so einer Tour. Herausforderung angenommen. Wenn auch nicht bis zum Schluss. Aber man wird ja wohl auch noch lösungsorientiert und pragmatisch sein dürfen, oder? Kann ich einfach nicht ablegen..

Nebenbei erzählt Scott, dass die Mädels vom Hotel Checkin von einem Paar berichteten, die nun vier Tage biken waren, sie kamen auch von Reykjavik, und heute hier im Hotel beschlossen haben die Tour abzubrechen. Verübeln kann ich es Ihnen ja nicht. Was hab ich geflucht unterwegs.. Dennoch morgen oder übermorgen geht es irgendwie weiter. Morgen wird der Wetterforecast nochmal gecheckt und danach entschieden was wo wie wohin woher.. Gibt natürlich wie immer mehrere Möglichkeiten.

Ich belohne mich heute mit einer “Sleepingbag Accomodation” anstelle eines Zeltplatzes hier im Hotel, genieße eine (fast) eigene heiße Dusche, den Hot Pot, eine Waschmaschine und ein Bett. It´s worth it. Und ich find ich hab das echt mal heute verdient. 50km TorTour. Das muss bitte besser werden. Aber grad kommt wohl auch endlich mal n bisschen Sonne raus (22:41). Das ist doch alles verrückt hier..

Schlaft gut. Ich tue das selbe. Und wie…

Gute Nacht ***

Ein Lebenszeichen aus Island

Ich melde mich aus Island. Erstmals so richtig. Vom falschen Campingplatz. Aber dazu später mehr..

Wie alles begann. Also, im Grunde genommen war schon die Anreise ein kleines Abenteuer. Ich sag mal so: Wenn ihr mal Langeweile habt und Lust auf neue Leute. So ein wenig Socializing und so..dann holt euch einfach mal ne Transportbox vom Radhändler mit den Maßen 1.85 x 0.40 x irgendwas dazwischen und fahrt die mit so nem Kofferkuli durch den Flughafen. Der Hammer sag ich euch!

Die Vorgeschichte erspar ich euch oder mach sie ganz kurz: Transportbox musste gefunden werden. Rad musste reinpassen. Rad mit Transportbox musste in ein Auto passen (meins schied aus). Transportbox mit Rad am Flughafen musste dann wiederum in die Durchleuchtung passen. Das tat sie. Und zwar wirklich keinen Millimeter zu wenig. Da waren wir aber alle erleichtert! Also ich und auch die Herren vom Sicherheitsschnickschnack (Nä, da hamse aba Jllöck! Dat hättn wir dann wol aaauspackn müüüüsssnnn!”) Nä, wat hab ichn Glück…

Während ich also in Düsseldorf am Flughafen ja noch vier weitere Hände zur Verfügung hatte um das Ding irgendwie in den Griff zu bekommen, kam die handgepäckverdächtige Box dann einfach lieblos in Keflavik am Airport aus dem Schacht gerutscht und sollte nun irgendwie mit mir zum Campsite in Reykjavik gelangen. Auf den Kofferkuli gewuppt schnell mein anderes Gepäck geschnappt, das immer ein wenig auasieht, als würde ich darin ne Leiche transportieren (weil es sich ja hier um mehrere Radtaschen in einem großen schwarzen Reiserucksacksack handelt) und los.

Fast! Ähm,warum genau kann mein Rucksack plötzlich sprechen? Oder was macht da der Aufkleber mit “Hallo Welt”!? Kurz mal nachgedacht. Geistesblitz gehabt (“War wohl doch nicht meiner!”) und wieder aufs Band gelegt. Nur wo ist meiner jetzt? Nicht dass wir hier lustiges Koffertauschen gemacht haben, während meines kleinen Aussetzers und ich fahre demnächst mit nem Trolley hinten dran über die Ringroad und jemand anders muss irgendwie immer fünf Radtaschen jonglieren unterwegs. Ganz zu schweigen vom Equipment..

Hat aber dann alles geklappt. Fahre mit meinen Taschen und fühle mich komplett. Aber ganz kurz nochmal zu diesem kleinen Karton, den ich ja nun noch nicht losgeworden bin.
Es ist nicht ganz einfach einen Wagen zu schieben mit einem Karton, über den man nicht hinweggucken kann. Zudem mit fünf zusammengeworfenen Taschen in einem Sack, der die Form nicht hält und ständig am Boden schleift. Hinzu kommt, dass es die Herren Flughafenbauer nicht geschafft haben, die Türen barrierefrei zu gestalten. Ich musste also immer umständlich einlenken, den Wagen per Hand kurz umsetzen und dann irgendwie weiterfahren. Am besten ohne jemanden anzurempeln. Ähm sorry…hier kommt ein Karton.

Danach folgte in chronologischer Reihenfolge: Ticket für den Karton kaufen für den Flybus in die City (wird als Person gewertet. Völlig zu recht wie ich finde!)
Rausmanövrieren zu den Bussen unter den ungläubigen Augen der dort anwesenden Busfahrer (“Hoffentlich kommt die nicht zu mir…hoffentlich…!”). Falschen Bus ansprechen. Zum richtigen wirbeln, um dann fachkundlich feststellen zu lassen, dass das ja nicht so einfach sei sicherlich, bei dem Wind mit dem Karton dagegen zu halten. Richtiiiiiiig!

So, das Ding passte also dann auch nicht in den Bus und der Fahrer stellte fest: “If there is no space, I can´t take it with me!” Rums. So, Klappe zu…
Manchmal kann ich aber ja auch mit Menschen. Und schließlich hatte meine Box ja auch bezahlt. Und wurde am Campsite im Lagerraum erwartet. Also hab ich kurzerhand das Rad zwischen den Bussen und dem ganzen An-und Abfahrtsbrimbam ausgepackt, damit es passt. Zugegebenermaßen war ich da nicht nur lösungsorientiert, sondern auch etwas besorgt ob meines Gepäcks, welches sich schon auf der anderen Seite im Bauch des Busses befand. Musste ich also ja doch nochmal nachfragen, ob sie nun auch wirklich auf die verrückte Frau mit ihrer Kartonage warten. Hat aber alles geklappt. Hurra! Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich sagen, dass sich die Box im Lagerraum des Campingplatzes in Reykjavik befindet. Schön!

Jetzt hab ich doch etwas ausgeholt mit dieser Kartongeschichte. Aber glaubt mir: Man hat seltsame Themen hier und unterwegs und vor allem, wenn man auf andere Biker oder eben Campingmenschen trifft. Mein Teilzeitnachbar Brian musste sich zum Beispiel heute auf den letzten Drücker nen anderen Karton besorgen und 3km zum Campsite schleppen, weil sein Fatbike mit den dicken Reifen und dem Gepäckträger vorn zu fett ist. Logisch ja auch irgendwie.
Und zwei Bulgaren hatten liebevoll auf ihre Kartons geschrieben, man solle diese doch bitte unbedingt bis zu ihrer Rückkehr dort am Airport stehen lassen. Süß. Waren natürlich nicht mehr da. Könnt ihr euch ja denken..

Soweit also mal die Anreise bis hierher. Ich seh schon, ich könnte theoretisch jetzt schon quasi n ganzes Buch durchschreiben. Mach ich aber nicht. Mein einfachster Kanal ist wohl gerade Facebook und Instagram, weil das Netz und der Strom zwischendurch echt mäßig sind. Die beiden gehen aber immer ganz gut und schnell von der Hand und wie es aussieht, finden meine Beiträge auch Anklang. Danke dafür!

Der Rest mal in ganz kurz zusammengefasst. Ist n bisschen auch lessons learned nach zwei Tagen:

Schon kaputt gemacht:

Uhr (wieder repariert vom Uhrmacher)
gute (die schöne, nicht die funktionale – seh jetzt immer so richtig schön bescheuert aus auf den Bildern) Sonnenbrille (nicht reparabel sagt der Optiker)

Missing:

dicke Daunenjacke zuhause vergessen (obwohl ich nicht nur eine davon habe..) – heute spontan neue gekauft. Und lasst uns jetzt bitte nicht über Geld reden.
Sonnencreme – das war einfach: nachgekauft. Cool! Es scheint aber auch die Sonne gerade. meine Herren..

Zuviel:

eine Herrenboxershorts. Leider gehört sie Brian, der seine heute vermisste und den Wind beschuldigte. Ich hatte sie wohl versehentlich mit meiner bei ihm geparkten Wäsche mit eingesteckt. Blöd, weil man ja so als Radreisender auch immer nur so 2-3 in der Anzahl von jedem Ding mit hat. Aber er fliegt ja morgen heim und ich werds wohl auch noch beichten..

Zu weit:

Ich sitze auf dem verkehrten Campingplatz. Ja, das ist verrückt! So viel Gegend und so wenig Menschen. Und dann gibt es auch noch zwei in einer Ecke. Das erinnert ja fast an den Rewe in Köln. Drauf gekommen bin ich, weil hier irgendwie die angekündigte Dusche fehlt. Pffff…. Jetzt bleib ich eben.

Als letzten Hinweis möchte ich noch einen überlebensnotwendigen Tipp mitgeben:

Treckingkekse, also so Zeug mit viel Kohlehydraten, das gefühlt immer mehr wird, desto länger man kaut, empfehle ich auf dem Flug mit im Handgepäck zu führen. Das hat genau zwei Gründe:

Man kommt endlich mal freundlich mit dem Security Menschen ins Gespräch, der wissen will was da so in der Tasche sei (“Ich tippe mal…hm…Kaffee?”). Anschließend gehts um Reisen, Klettern, Island, Radfahren… und ich erfahre, dass er auch schon immer mal dorthin wollte (der Klassiker…) War in jedem Fall ein nettes Gespräch so an der Sicherheitsschleuse. Lohnt!

..und fast noch wichtiger: Solltet ihr mal – so wie ich – ungefrühstückt in einen Flieger steigen. In dem Glauben, dass ihr ja dort unterwegs frühstücken könnt. Dann endlich Porridge und Kaffe vor euch steht. Und dann die Kreditkarte nicht funktioniert “weil einige Kreditkarten leider offline nicht funktionieren!”… Dann kannste gar nicht so schnell gucken, wie der Porridge wieder von deinem Tisch verschwindet. Immerhin durfte ich den Kaffee behalten. Hunger war schon eher so die Prio. Also: Notkekse. Der Rest steht jetzt auch aufm Campingplatz im Resteregal. Waren eh zu schwer…

So, bis hierher jetzt erstmal. Es gäbe noch unzählige Dinger mehr. An Tag 3. Verrückt!

Ich genieße jetzt aber mal noch n bisschen die Sonne.

Ahoi, huh & bis bald,
Tanja

Ahhhh….ich bin im Ausnahmezustand. Nein. Stop. Ich BIN ein Ausnahmezustand.

Ich packe meine Sachen und bin raus mein Kind…Thomas D. ist auf der Reise und hat Rückenwind…

Ich weiß noch wie heute, als ich diesen Song damals gehört habe, als ich die Zusage für meine erste eigene Bude im Studentenwohnheim gerade bekommen hatte. Erste Bude. Sachen packen. Freiheit. Wow!

Und nun sitze ich hier. Knappe zwanzig [sic!] Jahre später. Packe erneut. Und fühle mich: Ähnlich. Verrückt!

Und Rückenwind wünsche ich mir auch. Und zwar jede Menge.

Die letzten zwei Wochen vor der Abreise gleichen einer riesigen Gefühlsachterbahn. War das ne gute Idee, was ich da vor habe? Warum war das mal wieder meine Idee? Wird alles klappen wie geplant? Hab ich auch alles? Bin ich fit genug? Hab ich vielleicht irgendwas vergessen? ..

Fragen über Fragen. Und dazwischen: Ich!

Und, wann geht´s denn endlich los bei dir?

Hör ich gerade immer wieder. Es dreht sich einfach alles um meine Reise und manchmal merke ich “Hey, ich will das grad gar nicht!” Irgendwie.. Weil dann der Fragenkatalog wieder gnadenlos aufgeschlagen und durchgeblättert wird in meinem Kopf. Von A wie Abflug [Hoffentlich klappt alles mit dem Rad Check In] bis Z wie Ziemlich stürmisch [Iceland you never know.. ich wünsche mir dennoch moderates Wetter irgendwie].

In ziemlich genau einer Woche komme ich gerade an und wechsel vom Flieger in den Flybus. Hurra!Ich kann es kaum erwarten, dass mir niemand mehr Fragen stellt. Nicht mehr ständig irgendwelche Pakete bei mir eintreffen mit Outdoorkram, der dann doch noch fehlte, mein Rad endlich wieder komplett zusammengebaut ist, und ich meine erste Unterkunft auf dem Campsite in Reykjavik beziehe.

Das beste: Ich freue mich auf ein paar Wochen absolute Freiheit. Mein eigenes Tempo. Nur mein Rad, Fynn und ich.

Taghelle Nächte, Weite, Natur, Begegnungen mit anderen Reisenden, keine Termine, viel Bewegung und nur ein Ziel: Irgendwann wieder am Ausgangspunkt ankommen. Oder: Einfach unterwegs sein. Den Kopf mal ordentlich lüften.

Die letzten Wochen gestalten sich hier vor Abflug leider mehr als voll. Das liegt natürlich daran, dass ich als “Freie” ein wenig vorarbeiten muss, um nicht während meiner Tour bankrott zu gehen. Und um mir wirklich die Freiheit nehmen zu können, “One-Way” zu fliegen und spontan über einen Rückflug zu entscheiden. Tolle Projekte, die ich gerade noch laufen habe. Keine Frage. Aber mit dem Kopf bin ich wohl deutlich woanders. Und wo. Das kann ich auch nicht gut beschreiben.

Ich denke, das ist wieder sowas wie Transit. Nicht mehr hier. Noch nicht dort. Und keine Ahnung wie es werden wird.

Manchmal zaubert es mir ein Lächeln ins Gesicht. Wenn ich zum Beispiel so wie heute morgen auf dem Spinning Rad im Gym sitze, mich auspower und anschließend durch den Kölner Regen fahre. Dann wiederum fallen mir wieder hundert Sachen ein, die ich noch machen wollte und ich frage mich wann. Zwischen all den noch laufenden Projekten.

Und dann sind da auch noch andere Reiseberichte, der rege Austausch mit anderen Reisenden oder Abenteurern. Ein Bericht von einem anderen Radler, der vom Nordkap nach Sizilien fahren wollte. Und seine Tour abgebrochen hat. Zu kalt, mies gepackt, zu viel Equipment, zu allein, zu alles irgendwie.. Dabei hatte ich ihm so die Daumen gedrückt. Gefallen hat mir aber, dass er authentisch berichtet hat. Sein vorletzter Blogeintrag war eine sehr ehrliche Beschreibung seines Gemütszustands “Ich versuche die nächste Etappe. Und wenn es nicht klappt, dann flieg ich zurück!” Ich hätte es ihm dennoch gegönnt.

Ich bin mir mittlerweile sehr sicher, dass  die Phasen bei solchen eher außergewöhnlichen Projekten sich ähneln. Das unschlagbare Duo “Vorfreude und Euphorie” wird irgendwann abgelöst von Zweifeln und der Hoffnung, dass alles gut werden wird. Sein Blogeintrag regt mich an nachzudenken. Innezuhalten. Hab ich mir zu viel vorgenommen? Wie war das noch mit dem Scheitern? “Hey, Scheitern gibt es nicht!”, ist mein Credo seit je her. Weil ich hier keinen Wettbewerb gewinnen muss. Weil ich nicht perfekt sein muss. Weil mein Abenteuer nicht perfekt sein muss. Es muss einfach Spaß machen!

Gerade ist das schwierig mit dem Spaß und mir. Muss ich zugeben. Ehrgeiz, Verbissenheit, Perfektionismus. Da kommt eine ganz ungesunde Mischung zusammen und fragt mich ständig: “Na, gut vorbereitet? Weißt du was dich erwartet?”

Nein! Das weiß ich nicht. Und das ist wohl auch gut so. Denn: Genau das Gefühl aushalten. Das nicht alles planbar ist. Das ist meine Herausforderung. Geduld. Abwarten. Paretoprinzip. Die Dinge regeln, wenn sie da sind. Nicht vorher. Gut vorbereitet sein ist das eine. Sich bekloppt machen wohl das andere. Irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit: Das Abenteuer Geduld.

Ich löse das Problem wenn es da ist.

Höre ich mich oft sagen, wenn ich mit Teams arbeite. Bringt ja nichts, mir vorher den Kopf über milliausend mögliche Dinge, die passieren könnten zu zerbrechen. Sag ich immer. Und nun darf ich das nochmal selbst lernen. So richtig. Mit viel Geduld.

Wann hast du das letzte Mal deiner Komfortzone die Hand geschüttelt? Etwas außergewöhnliches getan? Dich unglaublich gefühlt?

Jetzt! Genau jetzt! Time is now!

Ich fühle mich genau jetzt genau so. Und das ist gut so. Ich bin aufgeregt. Habe bisweilen Pipi in den Augen, nur weil ich jemandem von meinen Plänen berichte. Beschreibe. Wie ich mir die Weite vorstelle. die Freiheit. Das Unterwegssein. Mein kleines Abenteuer, das mein Herz hüpfen lässt. Dieses Gefühl ist unglaublich. Und deshalb der Transit-Zustand gerade nur schwer auszuhalten.

Noch schnell hier den Papierkram fertig machen. Noch schnell dies und jenes Projekt zu Ende bringen. Noch grad die Steuer einreichen. Noch eben neue Pedalen besorgen. Noch eben dies. Noch gerade das.

Und das Herz ist schon unterwegs. Schonmal vorgefahren. Während der Kopf hier noch Achterbahn fährt und alle an ihm ziehen und zerren. Fragen beantworten. Organisieren. Einkaufen. Machen. Tun.

Ich mag diesen Transit nicht gern. Obwohl er dazugehört. Mich macht er regelmäßig echt fertig. Wohl auch einer der Gründe, warum Packen nicht gerade meine Leidenschaft ist. Für gewöhnlich sagt man, dass die Seele langsamer reist als der Körper und meist erst nachkommt. Gerade habe ich das Gefühl, dass mein Herz, meine Seele, es sich schonmal gemütlich gemacht hat am 66. Breitengrad. Und Kopf und Körper einen ungleich schwierigeren Job machen, indem sie hier noch grad die Stellung halten.

Ich freue mich auf mein Abenteuer. Und ich weiß, dass es gut werden wird. Denn ich bin dabei. Und wenn ich erst dort bin, dann freue ich mich, dass es nicht mehr “das große Ganze” ist, sondern einfach Schritt für Schritt mein Herzensprojekt. Und ich mittendrin. Endlich. Bis dahin muss ich noch aushalten. Die Zerrissenheit. Die Vorfreude. Die Fragen. Die Zweifel. Die unbändige Freude über das was kommt. Himmelhochjauchzend vs. Zutodebetrübt. Und ich dazwischen.

Nein, so schlimm ist es nicht. Aber hey, ich kann es kaum erwarten endlich in den Flieger zu steigen um etwas zu #machen. So wie ich es ja auch immer wieder sage und empfehle. Das nimmt den Dingen die Größe und plötzlich bemerkst du, dass du etwas bewegen kannst.

Ich bin ein Ausnahmezustand. Aber ein ziemlich glücklicher.

Danke dafür & Danke für deine Unterstützung!

Ahoi & bis bald,

Tanja