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Motivation

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Heute genau vor einer Woche hab ich gerade mein allererstes Radrennen hinter mich gebracht. Ach was. Mein allererstes Rennen überhaupt, wenn man es genau nimmt. Ich weiß nicht mehr genau wie es dazu kam. Vermutlich bin ich irgendwann über einen Hinweis bei Facebook gestolpert: Melde dich jetzt für den Velothon in Berlin an und erlebe das unglaubliche Gefühl, vorbei an begeisterten Menschenmassen zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor, nach 60km auf der Zielgeraden Raum und Zeit zu vergessen. Nun ja, so oder so ähnlich muss es gewesen sein. Rückblickend fühlte es sich zumindest genau so an. Außer das mit den tosenden Menschenmassen vielleicht. Denn mein Rennen startete mit 7:50 wohl noch weit vor dem Sonntagsfrühstück der meisten Berliner. Dennoch: Es war großartig.

Das Rennfieber hat mich gepackt.

So sehr, dass ich mich am Tag danach gleich für die Cyclassics in Hamburg angemeldet habe. Und das Grinsen bekomme ich selbst heute immer noch nicht aus dem Gesicht. Was sich nun aber alles wie ein Spaziergang, respektive eine Spazierfahrt, anhört, war mitnichten so. Denn: War mein erstes Rennen. Mit 4000 anderen Verrückten. Und: Hey, wie macht man das denn so? Beim Start? Beim Fahren? Am Berg? In den engen Kurven? Mit den Klicks? Was ess ich vorher? Was macht überhaupt Sinn? Wo positionier ich mich? Wie schnell ist meine Durchschnittsgeschwindigkeit, die die bei meiner Anmeldung wissen wollen? Puh. Fragen über Fragen, die mich nach der Anmeldung beschäftigt haben. Kribbelig vor lauter Aufregung und Vorfreude. Das macht die Sache manchmal ja auch nicht besser, so im Gesamtpaket.

Also habe ich mich selbst auch im Netz ein wenig schlau gemacht und mich über Berichte anderer Radler der vergangenen Jahre gefreut. Hab mir endlos Texte dazu durchgelesen und ein paar Videos des Rennens angesehen. Und fühlte mich nun zumindest schonmal theoretisch gut vorbereitet.

Tanja Ney Radrennen Velothon Berlin

Rookies haben Fragen.

Und da ich sicher bin, dass es auch anderen Rookies so ergeht wie mir. Und dass es gut tut, im Vorfeld schonmal den ein oder anderen Erfahrungsbericht zu lesen, schreib ich nun diesen hier. Zudem schreib ich gern. Und hab ja nunmal ohnehin diesen Blog. Und da es auf diesem oftmals um die Themen Motivation, Mentaltraining, Abenteuer, Komfortzone und – last but not least – das Fahrrad geht, kann ich kaum anders, als meine Gedanken mit euch zu teilen. Here we go…

Lieber ne gute 60 als ne schlechte 120!

Ich war nun also angemeldet. Velothon 60. Die kürzeste Distanz. Kurz noch hatte ich darüber nachgedacht, die 120 zu fahren. Rückblickend bin ich doch ganz froh, erstmal nur den “Ironman Short Course” gerockt zu haben. Ich dachte mir: “Lieber ne gute 60 als ne schlechte 120!”. So für den Kopf. Und so war es dann auch. Ursprungs war auch noch das Rad völlig unklar. Die 60 traute ich mir auch mit meinem Specialized Awol Elite zu, das mich schon einmal rund um Island nicht im Stich gelassen und ne gute Figur gemacht hatte. Letztlich hat mich dann aber in der Vorbereitung doch so sehr der Ehrgeiz gepackt, dass ich mir einen federleichten,  gebrauchten Lapierre Carbon-Renner zugelegt habe. Liebe auf den ersten Blick. Aber das ist nochmal ne andere Geschichte. Wir sind beim Rennwochenende.

Tanja Ney Rennrad Velothon Berlin

Akkreditierung und Alpecin.

Anreise einen Tag vorher. Ich reise gemeinsam mit einer Freundin an, Räder im Auto, Hotel Check In und erstmal riesen Diskussion darüber, dass wir die Räder mit aufs Zimmer nehmen wollen. Tipp: Immer vorher abchecken. Ich hatte mit soviel Gegenwind an der Stelle ausnahmsweise mal nicht gerechnet. Wir haben uns dann aber doch letztlich durchgesetzt. Dann folgt die Akkreditierung am Anreisetag. Du bekommst den Starterbeutel mit nützlichem (Gutscheine für Erdinger in der Finisher-Zone usw.) und unnützlichem (Herren Alpecin Coffein Shampoo..) Kram, sowie deine Startnummer mit Einweg-Chip fürs Rad und deine Nummer fürs Trikot. Das läuft in der Tat alles gut organisiert und sortiert ab. Die Akkreditierung läuft aber auch eine ganze Weile, so dass man da keine Hektik befürchten muss.

Tja, wie schnell fährt man denn dann wohl so? Von Partyblöcken und Besenwagen.

An diesem Tag bekomme ich auch dann die Info, in welchem Startblock ich starte (G) und vor allen Dingen: Wann? In meinem Fall ging es um 7:50 (immerhin statt der ursprungs geplanten Zeit um 7:30) los. Der Startblock stimmte mich ein wenig nachdenklich, denn das war schon ein größeres Thema im Vorfeld. Bei der Anmeldung musste ich meine geplante Durchschnittsgeschwindigkeit angeben, damit ich einsortiert werden kann. Tja, wie schnell fährt man denn dann wohl so? Nicht vergleichbar mit allem bislang dagewesenen. In Island hatte ich 20kg Gepäck und Gegenwind auf 1200 KM mit dem Awol. In der Stadt lassen die Verkehrsverhältnisse kein Rennfeeling zu. Im Sauerland – wo ich gern trainiere – halte ich dann doch auch immer wieder für irgendetwas an und habe außerdem deutlich mehr Höhenmeter zu bewältigen. Hinzu kommt, dass mir die eher so professionelleren Fahrer um mich herum alle sagen: “In nem Rennen bist du sicher mindestens 5 km/h schneller als sonst. Mindestens!” Nee, ist klar..

Ich sortiere mich dennoch ganz hinten ein: Mit 23 km/h darf man überhaupt erst mitfahren, sonst wird man vom Besenwagen eingesammelt und muss sein Nümmerchen abgeben. Ich melde uns also mit 23 km/h an. Schneller geht immer, denke ich. Nach einer Weile intensiveren Trainings wird mir allerdings klar: Viel zu langsam! Ich sortier uns also nochmal um: 25 km/h. Und bin, zumindest wenige Tage lang, zufriedener. Bis ich dann irgendwann das Gefühl habe mich so bei 30 km/h deutlich wohler zu fühlen. Aber da ist es dann auch schon zu spät und wir werden in den “Partyblock G” nach ganz hinten einsortiert, wie ich ihn liebevoll nenne. Denn: Da fährt dann wirklich alles an Rädern mit, was der Markt so hergibt. Also zumindest alles was erlaubt ist.

Und ich. Und ich muss sagen: Eine Weile lang habe ich mich am allermeisten vor dem Start gefürchtet. So viele Menschen. Die ganzen Räder. Das Adrenalin. Noch so früh. Kaum wach. Und dann schon mit den Klicks fest verbunden mit dem Flugrad. 60 KM lang. 2 Stunden, wenn ich es schaffe in dieser Zeit. Was hab ich mir dabei eigentlich schon wieder gedacht…?

Zur Verteidigung des “Partyblocks” sei aber gesagt: Nix Party! Alle waren voll mit dabei und ehrgeizig. Egal auf welchem Rad! Manche fand ich wirklich auch überaus tapfer auf ihren nicht so renntauglichen Rädern und unter dem Motto “Dabei sein ist alles!”

Vom Hotel zum Start. Mein erstes Peloton.

Wir fahren also morgens völlig übermüdet – ich hatte kaum ein Auge zugemacht – auf bereits gesperrten Straßen zum Brandenburger Tor. Unter den Linden. Unterwegs gesellen sich schon nach und nach andere Radler hinzu und ich fahre bereits im Peleton. Also gefühlt. Und das macht mir schon das erste Mal Gänsehaut an diesem Morgen und ein zaghaftes Grinsen tackert sich fest in mein Gesicht und wird auch die nächsten Stunden nicht mehr verfliegen. Wow. Teil dieses ganzen zu sein ist gerade einfach der Hammer. Und in dieser Kulisse. Bei strahlend blauem Himmel mitten in Berlin.

Partyblock G und Dixie Klos.

Am Start wird es dann wuseliger. Überall ist das Klicken und Surren der Räder zu hören. Von überall strömen Athleten ein und suchen ihre Startposition. Wir können keine so richtige Kennzeichnung finden, also halten wir uns an den Lageplan und versuchen den in die Realität zu übertragen: “So, Partyblock G müsste also ungefährt dort an der Kurve sein!” Aufstellen, warten, noch gefühlte zwölfmal zur Toilette (wie übrigens ungefähr auch alle anderen, denn es bilden sich bereits lange Schlangen kurz vor Start). In der Zeit wo ich “kurz mal weg bin” schieben die Ordner die gesamten Startblöcke um einiges nach vorn und als ich wiederkomme ist es plötzlich so unglaublich voll, dass ich Freundin und Rad nicht mehr wiederfinde und doch tatsächlich anrufen muss. Ich sag mal so: Und dann find mal in einem Meer von bunten Lycras, Helmen und tausenden von Rädern jemanden wieder, der ja am Ende doch wieder so aussieht wie gerade alle anderen hier. Hat aber letztlich geklappt. Ich bin begeistert. Hatte aber kurz etwas Sorge, da es ja auch gleich losgehen sollte.

Erstmal frühstücken.

Wir warten. Und wir warten. Ich frühstücke noch “ein Gel”, wie es mir empfohlen wurde. Und wir warten. Andere frühstücken auch, sehe ich. Im Hotel habe ich übrigens um 6:00 Müsli mit heißem Wasser gegessen und um 7:00 eine Banane. Fragt nicht. Es gibt tausende von Empfehlungen und irgendeine musste ich ja schließlich ausprobieren. Und was soll ich sagen: War genau meins. Bananen sind ohnehin mein Energielieferant täglich und vor allem beim Sport, Müsli mit Wasser schmeckt zwar nach nix, aber Porridge mag ich so grundsätzlich und das mit dem Gel geht für mich auch in Ordnung. Viele finden das ultraeklig. Ich finds einfach nur praktisch. Kaffe gabs ausserdem auch dazu und einen Osaft. Das passte. Am Abend vorher natürlich traditionell Pasta. Leider keine wirklich gute, aber es hat seinen Zweck erfüllt.

Nachdem nochmal das Feld kontrolliert wurde (es gibt zahlreiche Vorgaben zu Kleidung – eng anliegend, Trinkflaschen – kein Alu und weich, keine Scheibenbremsen usw..) und auch noch einzelne Buchstaben umsortiert werden mussten, gab es dann endlich, etwa zwanzig Minuten verspätet, das Startsignal. Also im Grunde lief einfach eine Ordnerin neben uns lang und sagte immer wieder: “Geht gleich los!” Und irgendwann setzt sich das Feld dann in Bewegung.

Mein Ruhepuls, der es ohnehin schon auf 105 geschafft hatte, war wohl kaum zu bändigen und ich konnte kaum erwarten in die Pedale zu treten. Die ersten Meter rolle ich aber so rum, wie auch alle anderen um mich herum. Mehr geht nicht. 4000 Menschen. Mit Rädern. Der Startschuss fällt für die 60er und die 180er Strecke gemeinsam. Daher sind wir noch größer als ohnehin schon. Und ganz wichtig: An zwei Stellen ist volle Konzentration gefragt, denn wir müssen uns als 60er links halten, sonst landen wir auf dem falschen Kurs und dann ist das Rennen quasi vorbei, bevor ich es überhaupt merke.

Attacke!

Wir rollen. Ich klicke mich noch nicht ein, das hatte ich so geplant und das macht auch Sinn, denn ich muss immer wieder etwas halten, langsam fahren, ausweichen.. Das erste Tor ist zu sehen und irgendwann fahren wir durch und über den Zeitnehmer, der meinen Chip scannt und ab jetzt läuft die Zeit gegen mich. Damn! Der Chip befindet sich auf der Rückseite der Startnummer, die sichtbar vorn am Rad befestigt wird. Der Chip gibt die Zeit und die Nummer ist zur Identifikation im Notfall und für Photos wichtig. Ich hatte im Vorfeld ein Photopaket bestellt, aber das ist nochmal eine extra Geschichte. Wir fahren erstmal los.

Stehe ich bei der Aufstellung noch rechts am Straßenrand und höre ich mich noch zu meiner Freundin sagen: “Ich muss gleich zügig hier weg von dieser Bordsteinkante!”, bin ich schon nach wenigen Metern auf der linken Überholspur und radel mich frei. Mir zu voll hier. Das geht so nicht. Schon kurz vor dem Starttor klicke ich ein und trete in die Pedale. Auf geht´s. Scheinbar gibt´s kein Halten mehr und ich hab grad das Gefühl, dass endlich alles raus darf, worauf ich mich so unendlich lang gefreut hatte. Geduld ist auch einfach nicht meine Stärke. Hatte ich das bereits erwähnt? Der Start verläuft also wirklich erstaunlich gut und ich bin überrascht, wie schnell ich mit den Gepflogenheiten unterwegs vertraut werde.

Links kann man meist gut überholen, was ich anfangs auch bereits großzügig tue, rechts kann man sich einsortieren und immer wieder kurz oder länger im Windschatten mitfahren. Schon nach wenigen Kilometern merke ich, dass ich unglaublich viel schneller bin als gedacht. Diese gesamte Atmosphäre, die anderen Fahrer, die riesigen nur für uns gesperrten Straßen, das Adrenalin, die motivierenden Streckenposten und einige Zuschauer, das “endlich dürfen” setzt so viel Kraft frei, dass ich recht zügig deutlich über 35 km/h unterwegs bin. Das werde ich natürlich nicht dauerhaft halten können. Aber hey, ist doch schön zu sehen, dass es läuft.

Drehen Sie wenn möglich um!

Nach der heißen Startphase, als ich mich schon so ein wenig eingegrooved habe, werde ich aber dann doch nochmal nervös: “Wo war jetzt eigentlich genau die Trennung zwischen Spreu und Weizen?” Also wo sind die 180er rechts und ich links? Ich kann mich nicht erinnern! Bin irgendwie einfach mitgeschwommen in dem Sog und habe auch seit Startschuss (Freunde würden sagen bereits mindestens zwei Wochen vorher..) nen ultimativen Tunnelblick und keinen Plan mehr, was links und rechts um mich herum geschieht.

Ich werde nervös. Wie zum Teufel find ich jetzt raus, ob ich richtig bin. Ich kann doch niemanden fragen..Mach ich auch nicht. Stattdessen versuche ich immer so nah an andere Menschen heranzukommen, ohne dass wir uns verhaken, was ja häufig zu Unfällen führen soll, dass ich auf der Rückennummer die Distanz lesen kann. Die ist aber so dermaßen klein gedruckt, dass ich nichts erkennen kann. Bei niemandem. Also versuche ich anhand der Radler und Zweiräder abzuschätzen, ob die sich wohl auch auf ne 180er Strecke wagen würden. Und das ein oder andere Treckingrad gibt mir Hoffnung auf dem kleinen Kurs zu sein. Es sei denn, die sind auch falsch..

FLOW!

Bei KM 15 merke ich: Ich bin im Flow. Absolut! Es läuft und ich hab den Eindruck: “Wow, das ist mein Rennen und ich hab so Bock!” Und dann läuft es auch wirklich. Ich bin auch nur noch ganz bisschen nervös wegen des 180er Kurses. Wird schon alles stimmen soweit.

Wir fahren also durch die Stadt. Große Straßen. An engen Stellen stehen durchweg Streckenposten und norden uns ein. Die Flaggen sieht man schon von weitem. Viele Fahrer, wie dann auch ich, machen die vorgegebenen Handzeichen für Abbiegen bzw. links, rechts ausscheren und für Hindernisse auf der Fahrbahn. Schlaglöcher und Gullis sind markiert und auch die Streckenposten machen einen guten Job. ich fühle mich ziemlich schnell erstaunlich sicher. Unterwegs verliert sich das Feld auch ein wenig. Ich bin dann doch als Einzelkämpfer unterwegs, was sicher nicht empfehlenswert ist, wenn man Kräfte schonen möchte. Ich hänge mich immer wieder nur kurz an einzelne Fahrer und arbeite mich dann links nach vorn vor. Natürlich werde auch ich immer wieder überholt. Und was mir sonst noch auffällt: Es sind wirklich erstaunlich wenige Frauen unterwegs.

Die gefürchtete Havelchaussee.

Bei KM 13 kommt die erste “nennenswerte” Steigung. Naja, vergleichbar mit dem Sauerland ist sie nicht, aber es zieht sich und wir bewegen uns Richtung Grunewald und Havelchaussee. Darüber hatte ich im Vorfeld so einiges gehört und war mir nie so richtig sicher, ob das nun gut oder schlecht ist, dass ich davon schon wusste. Aber egal, nun war ich hier. Und bekanntermaßen wird alles viel kleiner und einfacher, wenn man dann erst drinsteckt. Die erste Steigung an der Straße zieht das Feld aber bereits merklich auseinander. Hier entscheidet dann neben der Fitness auch schon das Material mit, wie gut man unterwegs ist. Ich fahre dennoch beschwingt hoch und bin verwundert über mich selbst. Muss aber auch dazu sagen, dass ich ne 3er Kurbel habe, die man ja nun auch nicht bei jedem Rennrad vorfindet. Klarer Vorteil am Berg. Finde ich.

Durch den Grunewald geht es auf und ab. Es gibt enge Kurven und auch schmalere Wege. Und die ersten Unfälle. Einmal Rettungswagen von hinten, einmal von vorn. Alle machen Platz. Ich habe ein seltsames Gefühl. Gerade auch weil ich wusste, dass in den vergangenen Jahren dort immer wieder, teils schwerere, Unfälle passiert waren. Unser Feld kommt aber gut durch und ich freue mich, dass ich selbst dort die Zeit gut halten und im Schnitt mit knapp 30 km/h unterwegs bin. Die Abfahrten sind natürlich um Längen schneller. Aber da gilt es natürlich wirklich wie ein Luchs aufzupassen. Da ist wohl auch schon der ein oder andere mal in der Vergangenheit aus der Kurve geflogen.

Ich übe mich in Essen und Trinken bei verhältnismäßig hoher Geschwindigkeit.

Ich fahre wie im Rausch. Unterwegs feuern die Streckenposten uns an. Als wir irgendwann wieder in Wohngebieten unterwegs sind, sind die Anwohner am Straßenrand und geben ihr bestes. Ein Mädchen sitzt dort und spielt Schlagzeug. Großartig. Danke! Darauf einen Snack. Ich übe mich in Essen und Trinken bei verhältnismäßig hoher Geschwindigkeit auf einem Rad, das “schnell anspricht”, wie man beim Auto sagen würde. Ein kleiner Ruck zuviel nach rechts oder links und das Rad geht mit. Aber es funktioniert und ich ordne mich auch für solche Picknickpausen immer wieder mehr rechts ein.

Keine Zeit für Picknick.

So sind dann auch irgendwann die 30 KM geschafft. Das Feld ist ein ständiges Überholen und überholt werden mit den selben Fahrern. Dank der Namen auf den Startnummern erkennt man dann ja doch den ein oder anderen wieder: “Ach, die Andrea schon wieder. Was macht die denn auf einmal vor mir?”.. Es läuft. Und da kommt dann auch die erste und für uns einzige Verpflegungsstation. Und endlich, endlich bin ich hundert prozentig sicher, dass ich auf dem 60er bin. Ich scheine also noch leise Restzweifel gehabt zu haben. Und ich lasse die Verpflegungsstation links, bzw. in diesem Fall rechts, liegen. Denn ich will ja mein Ziel unter 2 Stunden erreichen. Und bin zudem gut versorgt mit meiner Nahrung.

Dabei habe ich Traubenzucker, vier Gels, 1 Magnesium, einen Riegel (den gabs zum Start) und zwei Trinkflaschen mit Elektrolythen. Unterwegs gebraucht habe ich tatsächlich nur eine Trinkflasche und zwei Gels. That´s it. Den Rest gabs dann später.

Die zweite Hälfte ist so megacool wie sie auch herausfordernd ist. Das Tempelhofer Feld ist windig und plötzlich sonnig und völlig ungeschützt auf großer breiter Fläche. Ich komme wir grad eher vor wie auf ner Radtour. Hatte ich mich eigentlich auf diese Etappe gefreut, merke ich, das ist doch nicht so meins grad. Aber ich trete fleißig weiter und freu mich auf das Finale. Als ich irgendwann dann die ersten – bzw. letzten – Fahrer mit den Buchstaben F auf dem Rücken überhole, freu ich mich ein bisschen. Wie berauscht geht es Richtung Mitte. Es wird wieder deutlich urbaner. An den Kreuzungen diskutieren die ersten Streckenposten mit Fußgängern und den letzten Partygästen, die die Berliner Clubs so langsam ausspucken, und die die Straße nicht queren dürfen. Und natürlich gerade so gar kein Verständnis haben für diese ganzen lustigen Wochenendsportler in bunten Klamotten und Tour de France Optik.

Kopfkino.

Wir nähern uns dem Ziel. Es wird etwas komplizierter. Schienen sind mehrfach zu queren. Drumherum wird es voller. An der Eastside Gallery läuft das volle Touriprogramm. Ich schweife ab. Überlege wie weit es wohl noch ist. Meine Konzentration lässt nach. Und dann mache ich einen entscheidenden Fehler: Ich blicke auf die Uhr.

Meine Uhr habe ich bereits vor dem offiziellen Start gestartet, da ich nicht abgelenkt sein wollte. Nun spuckt mir der Tracker irgendeine Laufzeit aus, mit der mein Kopf beginnt zu arbeiten. Hm, drei hin..fünf im Sinn… Wann sind wir nochmal los? Wann hab ich das Ding gestartet? Waren das 20 Minuten vorher? Oder nur 15? Jede Minute ist grad entscheidend, denn ich versuche, während ich bei KM 50 durch die Straßen Berlins rase, ganz nebenbei auszurechnen, ob ich es wohl unter zwei Stunden schaffe.

Meine Beine werden müde. Mein Kopf freut sich über eine völlig neue Beschäftigung jenseits von “Treten, treten, treten…!” und verballert seine Energie für Blödsinn. Denn ich kann es ohnehin nicht ausrechnen grad. Weiß er aber nicht. Also will er nicht wissen. Von Island kenne ich auch noch mein “last 10k-disease”. Immer so etwa 10 KM vor Ende schaltet sich der Kopf ein und beginnt zu bremsen. Nervig sowas. Vor allem, da ich genau weiß, dass der Kopf alles entscheidet. Nicht die Beine. Also die auch. Aber eben nur, wenn der Kopf es auch will. Gerade deshalb habe ich übrigend während meines Rennens immer wieder das Mantra “Wie sehr willst du das hier wirklich?” gedacht. Klingt vielleicht seltsam. War aber ein Mega-Ansporrn. Gelesen habe ich darüber in einem Mentaltrainingbuch, wo es um die Vorbereitung von Spitzensportlern auf Wettkämpfe geht. Und um genau diese Kopf-Fallen. Klar bin ich hier nur ein Jedermann, aber Menschen sind wir alle. Und das mit dem Kopf, das kennt sicher der ein oder andere, egal in welcher Liga.

Immer steht irgendwo “Mitte” auf den Verkehrsschildern.

Was soll ich sagen. Die letzten sechs Kilometer ziehen sich wie Kaugummi. Immer steht irgendwo “Mitte” auf den Verkehrsschildern, aber nie sehe ich das ersehnte Ziel. Dann nochmal am Bahnhof vorbei. Noch ne Kurve. Noch n kleiner Anstieg. Menschen links und rechts mit der großartigen Erkenntnis: “Nur noch einmal hoch, dann habt ihrs geschafft!” Ja, danke… ich werde ungeduldig. Sehe das vorletzte Tor, das die letzten Kilometer ankündigt. An dieser Stelle darf übrigens das 60er Feld ins Ziel und das 120er Feld auf die zweite Runde fahren. Ich klopfe mir kurz noch innerlich auf die Schulter, dass ich mich für die 60 entschieden habe. Puh! Was hätt ich jetzt Bock auch noch die 120 zu fahren.. Ich durchfahre das Tor auf dem steht “Ihr seid alle Helden!” Hey, genau mein Thema. Gänsehaut..Zieleinfahrt.. Straße des 17. Juni. Ich bekomme nichts von alledem mit. Sehe nur das Finisher-Tor, gehe nochmal tief in den Lenker und gebe mein wirklich allerletzes bestes. Zieleinfahrt. Keine Ahnung was da oben auf der Uhr stand. Keine Ahnung, ob ich mein persönliches Ziel für das erste Rennen geschafft habe.

Tanja Ney Rennrad Velothon Berlin

Klick klick…ahhhhhhhhhh!

Aber: Ich bin sowas von glücklich. Nach zwei Stunden irgendwas höre ich endlich auf wie ein Berseker in die Pedale zu treten und das erste Mal kehrt wirklich wieder Ruhe ein in meinen Körper. Am Rand stehen mittlerweile zahlreiche Zuschauer. Ich rolle in den Finisherbereich. Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit bis zum endgültigen Endpunkt. Anhalten. Raus aus den Klicks. Um mich herum überall die gleichen Geräusche. Klick klick…ahhhhhhhhhh! Ich fühl mich gleichzeitig so müde und lebendig wie schon lang nicht mehr.

Was bitte war denn das die letzten zwei Stunden? Wow!

Ich steige vom Rad, versuche mich zaghaft zu dehnen und zu bewegen. Richtung Ausgang in den Finisher Bereich, wo ich meine Medaille bekomme. Hunderte Radler mit ihren Rädern schieben sich müde aber glücklich gemeinsam nach vorn. Ich hatte eine Gravur mitgebucht und dann würde nun auch meine Stunde der Wahrheit schlagen. Meine persönliche Zeit. Die weiß ich nämlich bis dato noch immer nicht. Aber sie wird gleich auf meiner Medaille stehen.

Ich stelle mich mit dem Rad in der Schlange an. Zeit ein wenig runterzukommen. Am Zelt angekommen zeige ich meine Starternummer und gebe meine Medaille ab. Fünf Minuten später wird mein Name ausgerufen: “Ja, hier!” Ich fummel mich durch. Ist dann doch ne große Herausforderung diese Kombi: Alle sind müde, müssen aber noch ihre Räder irgendwie durch die Menge und in den Schlangen navigieren, halten, Sachen abgeben, entgegennehmen. es ist eng. Alle haben Durst, müssen mal. Sind kaputt. Und glücklich.

Stunde der Wahrheit.

Ich nehme die Medaille entgegen. Schaue auf die Gravur: “2:05:56” – Hm….. hm….. und dann lese ich 65.2 KM darunter. Yes, I did it! Ziel war es, die 60KM mit einem 30er Schnitt zu fahren, also unter 2 Stunden. Ich hab´s also gepackt!

Der Rest ist schnell erzählt: Mit großem logistischem Aufwand das Erdinger Alkoholfrei im Zielbereich abgeholt, Wiesenplatz im Schatten gesucht. Schuhe aus. Rad ablegen. Noch zwei weitere Erdinger. Prost.

#feierleise

Ich gehöre dann auch zu den Menschen, die nach so einer Aktion Ruhe genießen und einfach mal runterkommen müssen. Das hab ich dann auch so durchgezogen und mich einfach innerlich ein wenig gefeiert und war ne Weile noch ziemlich sprachlos. Immerhin habe ich dann letztendlich Platz 329 von 750 Frauen in meinem Rennen belegt. Mit nem 31er Schnitt. Das ist schon ganz schön okay fürs erste Mal. Und für Hamburg habe ich mich jetzt mit 30km/h angemeldet. Ich werde berichten. Sicherlich nicht das letzte Mal. Ich bin sowas von stoked. Oder wie mein Dad sagen würde: “Das ist ja schön, dass du das nochmal machst. Wenn einem etwas gefällt, dann muss man das auch machen!…aber…warum dir das erst mit 40 einfallen muss…!?”

Ich freu mich wie bolle und bin vom Rennfieber gepackt. Mich hat im Nachgang jemand gefragt, was das besondere daran war für mich. Und ich kann nur sagen:

“Dieses Gefühl, dass du dich zwei Stunden lang ausschließlich darauf fokussierst dein bestmögliches zu geben und nichts zu tun ist, ausser unermüdlich zu treten. Sonst gar nichts. Mit dem Ergebnis, dann am Ende dein Ziel auch zu erreichen und zu wissen, du hast es geschafft und im Vorfeld wirklich alles dafür getan. Das nennt man wohl auch Flow.” – Danke, Berlin.

Tanja Ney Rennrad Velothon Berlin

Kopf: “Ey, mir ist schlecht irgendwie.”
Herz: “Ist mir egal.”
Kopf: “Lass mal anhalten besser, mir ist wirklich schlecht.”
Herz: “Nee, fahr einfach weiter!”
Kopf: “Wo kommt das denn jetzt her auf einmal? Lief doch die letzten 40 Kilometer!?”
Herz: “Memme!”

Kopf: “Bin ich ne Memme, wenn ich jetzt anhalte?”
Herz: “Ja, biste! Das ist hier n Rennen und kein Stehen!”
Kopf: “Ey, mir ist schlehecht! Mach ich denn jetzt? Hier ist auch grad die mieseste Etappe. Tempelhofer Feld. Voll windig und zieht sich alles auseinander. Upfck!”
Herz: “Mehr als die Hälfte haste schon!”
Kopf: (trinkt und trödelt ein bisschen dabei) “Wenn ich jetzt anhalte, bin ich anschließend eben nur noch dabei sein war alles.”
Herz: “Ey, dafür sind wir nicht angetreten!”
Kopf: “Was mach ich hier eigentlich!?…Ach, entscheide du.”
Herz: “Ja, aber du musst mitziehen!”
Kopf: “Na gut. Deal!”
Herz: “Der Struggle ist absehbar! Wir geben jetzt nochmal ordentlich Gas.”
Kopf (rechnet): “Noch ist die Zielzeit gerade vielleicht so zu schaffen.”
Herz: “Aber nur, wenn wir das jetzt auch echt entscheiden und die nächsten 25 Kilometer nicht mehr darüber diskutieren!”
Kopf: “Meinste das klappt?”
Herz: “Ey, du has
t dich so auf die Zieleinfahrt am Brandenburger Tor gefreut! Das geht nur mit Weiterfahren. JETZT!”
Kopf: “Na gut. Einverstanden.”

Der Rest ist Geschichte. Im letzten Drittel habe ich nochmal ordentlich gearbeitet und mich auf mein Ziel fokussiert. Kopf und Herz haben gemeinsame Sache gemacht. Weil sie´s können. Entscheidend aber ist, dass ich als Sportler an diesem Punkt vermittel. Sonst herrscht Anarchie. Und ich finde mich plötzlich schiebender und schlechtseienderweise am Streckenrand wieder. Keine Option. 

Und was soll ich sagen? Beim Anblick meiner finalen Zeit hatte ich fast Pipi in den Augen. Weil ich wusste, wie sehr ich bei KM 40 gestruggelt bin. Und kurz davor war das Handtuch zu werfen. Sowas sieht man eben nicht auf den Finisherphotos. Aber genau sowas bringt dich weiter und lässt dich beim nächsten “persönlichen KM 40“ wissen: Du packst das. Du musst das nur auch entscheiden. Und es dann auch machen.

Und dann, genau dann bekommt dein Ergebnis eine viel wichtigere Bedeutung, als alle anderen Ergebnisse, die man einfach so einfliegt. Da wo es Herausforderungen gab. Wo Entscheidungen getroffen werden müssen. Da wo´s auch mal wehtut. Da gehen wir als echte Gewinner hervor. Danke Kopf & Herz für diese hitzige Diskussion. Bei KM40. Auf dem Tempelhofer Feld. Der innere Showdown hat meine letzen Reserven aktiviert und mich nochmal ordentlich und ohne jeden weiteren Zweifel kämpfen lassen. Mit Erfolg und nem Endspurt durchs Ziel, der sich sehen lassen konnte. Und ich glaube, ich konnte Kopf & Herz dabei gemeinsam laut lachen und feiern hören. 

Als ich klein war, bin ich am liebsten in Sportklamotten rumgelaufen. Egal wann, egal wo, egal wozu. Schau ich mir Bilder aus der Grundschule an, trage ich überdurchschnittlich oft einen Trainingsanzug. Heute würde man diese vermutlich wieder ziemlich hipstermäßig finden. Naja, bis auf den rosa-farbenen vielleicht, der es sogar mal mit mir gemeinsam bis in die RTL Prime Time Nachrichten geschafft hat. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. Ich war überall zu finden, wo es irgendetwas mit Bällen zu tun gab. Der Sportplatz war mein Freund und gemeinsam mit meinem, damals noch kleinen, Bruder und Freunden haben wir die meiste Zeit mit Basketball, Tennis oder Fußball verbracht. Mein Traum war es schon als kleines Kind “Leistungssportlerin” zu werden. Bewundert habe ich damals die Leichtathleten rund um Kathrin Krabbe & Co. Entsprechend habe ich auch im Schulsport ziemlich viel Gas gegeben in der Richtung und das Stadion als neue Spielwiese ohne Ballsportarten für mich entdeckt. Später dann Sport LK, den ich leider nicht mit bis ins Abi nehmen konnte. Aus gesundheitlichen Gründen. Naja und die Disziplin Hochsprung hat mir fast das Genick gebrochen. Diesen Bewegungsablauf habe ich bis heute nicht verstanden.

Wer bin ich und wenn ja wieviele?

Ich fand es schon immer faszinierend, dass Menschen etwas tun was sie lieben – in diesem Fall Sport – und das sogar als Beruf ausüben dürfen. Für mich als Kind ein Rätsel. Leider, oder vielleicht auch Gott sei Dank, hat mich niemand in dieser Richtung gefördert, so dass meine Leidenschaft nach der Schule dann einfach völlig anderen Dingen wich. Spannenderweise erinner ich mich noch an eine Situation damals mit meiner Park-Clique, wo ich so rumphilosophiert habe darüber, wer ich eigentlich gerade sein will. Es muss kurz vorm Abi gewesen sein. Ich hing viel rum mit Freunden, wir hatten Spaß, Parties. Alles was dazu gehört. Parallel dazu war ich sehr aktiv in einem Boxstall. Ich war nach einigen erfolgreichen Jahren in einem Kegelverein [sic!] zum Vollkontakt-Kickboxen gewechselt und machte dort eine ganz gute Figur. Man könnte wohl auch sagen “Ich schlug mich ganz gut.” *Texterherzhüpfhust* Damals im Park passte das irgendwie aber so gar nicht zum Rest meines Jugend-Party-Lebens und ich merkte, dass ich da nicht glücklich mit war. Ich wollte irgendwie perfekt sein. Fokus. So entschied ich, dass ich den Rest meiner Zeit in der Kleinstadt eben noch in beiden Rollen genießen und mein Leben neu starten würde, sobald ich das Abi in der Tasche habe und die weite Welt erobere.

So oder so ähnlich ist es dann auch gekommen. Mit dem Abi in der Tasche und dem Song “Rückenwind” im Ohr bin ich erstmal nach Düsseldorf gezogen. Von Sport keine Spur. Hier und da mal n bisschen mit ein paar Leuten im Park gekickt, diverse Fitnessstudios ausprobiert. Bisschen Wakeboarden. Bisschen Snowboard. Bisschen Spinning. Kein Plan. Kein Ziel. Die Idee des Leistungssports und des Wettkampfs lange hinter mir gelassen. Parallel dazu wieder: Studentenleben. Parties. Ne gute Zeit.

Du machst das doch schließlich nur zum Spaß!

2018. Heute sehe ich mich plötzlich auch berufliche Mails schreiben wie: “Sorry, dass ich mich erst jetzt melde und es mit einem Treffen bislang nicht geklappt hat. Ich muss zugeben, dass der Sport gerade viel mehr Raum einnimmt als sonst in meinem Leben und ich mich irgendwie drumherum anders organisieren muss.” Jetzt könnte man natürlich sagen: Naja, Du bist ja jetzt auch echt kein Profisportler, also entspann dich da mal n bisschen. Du musst ja nicht dies das, trainieren, diese und jene Wettkämpfe mitnehmen, dich herausfordern, regenerieren, Workout morgens um 6 Uhr machen im Gym und den ganzen Brimbram. Du machst das doch nur zum Spaß. Also halt mal den Ball flach. Olympia wird eh nix mehr. Tour de France bekanntermaßen auch nicht. Oder wie mein Dad sagen würde: “Das ist dir ja auch alles n bisschen spät eingefallen, Mädchen!”

Nope.

Those are the days my friend…

Noch heute, etwa drei Jahrzehnte später sind meine besten Tage wieder die, wenn ich morgens in Trainingsklamotten aus dem Haus gehe. Entweder mit der Sporttasche oder meinem Rennrad auf der Schulter. Und dabei ist es völlig egal, ob es morgens um 6 ist und ich im Gym verabredet bin oder ob ich mich in unserem Hof nochmal an den Brunnen setze und mir die Klickklack-, also meine Rennradschuhe anziehe und mein Rad mit viel Liebe auf die Straße schiebe. Das Gefühl muss das gleiche sein, wie damals. Wenn wir als Kinder raus durften und gemeinsam zum Sportplatz losgezogen sind. Laufen, Schwitzen, sich gegenseitig herausfordern, Spielen, Lachen, Spaß haben.

Und im Grunde ruft mein Kopf ein Gefühl ab, dass er vielleicht einfach nur lange verschüttet hatte. Irgendwo da war es doch. Da muss es gewesen sein. Wart mal, wo hab ich es nur zuletzt gesehen… Ah, da ist es: Flow!

Von viel kommt viel. Fokus.

Und genau das ist übrigens auch der Grund dafür, die Dinge einfach gut machen zu wollen. Und nicht beliebig. Wer mich kennt weiß: Ich liebe Fokus. Das ist meine Stärke. Alles um mich herum auszublenden, um mich auf mein Ziel zu fokussieren. Und dazu gehört auch ein entsprechendes Umfeld, das richtige Mindset und einige Ermöglicher-Bausteine auf dem Weg zur persönlichen Bestleistung. Ich bin unendlich dankbar, dass ich mich hab dazu hinreissen lassen. Und an manchen Tagen selbst erstaunt darüber, wie sehr diese relativ neue Leidenschaft – ich fahre seit ziemlich genau einem Jahr Rennrad – mein Leben positiv beeinflusst hat.

Heute laufe ich also wieder überdurchschnittlich oft in engen Lycra-Jerseys und Trainingsklamotten herum und auch die Photos sind ähnlich denen von früher. Nur dass ich heute keinen rosa-farbenen Trainingsanzug mehr tragen würde (Und keine rosa Brille mit “Sportbügeln”). Wobei… Der Spaß ist der gleiche und auch die Ernsthaftigkeit und die Faszination Leistung ist ähnlich geblieben. Heute freue ich mich, selbst entscheiden zu können wie ernst es mir ist und wirklich selbst alles dafür tun zu dürfen, damit es noch unzählige Tage mehr gibt, an denen ich in dieser Stimmung aus dem Haus gehe. Weil ich es kann. Und weil ich es will.

Am Ende des Tages zählt doch immer nur, ob wir glücklich sind.

Und ob Freizeit- oder Profisportler, am Ende des Tages zählt dass wir glücklich sind. Mich persönlich machen Herausforderungen und Leistungsfortschritte glücklich. Und diese fallen eben nicht vom Himmel. Oder: Von nix kommt nix. Und von viel kommt eben viel.

Ich freu mich auf viele tolle Flow-Momente und auf all das was da noch kommt. Schön, mein Little-Me nochmal getroffen zu haben auf dieser verrückten Reise.

Heute möchte ich dir ein paar Gedanken vorstellen, die erfahrungsgemäß auch die kreativsten und visionärsten Menschen ausbremsen können, noch bevor sie überhaupt losgefahren sind. Es sind nur 5 von unzähligen. Aber es sind die, die mir am häufigsten begegnen. Deshalb möchte ich sie gern mit dir teilen. Vielleicht bist du ihnen ja auch schon begegnet und brauchst mal jemanden, der deine Gedanken entwirrt. Damit du Platz für deine neuen Gedanken und Flausen hast.


Lass uns mal reden über Sätze wie..

1 „Meine Festanstellung gibt mir Sicherheit!“

Ja. Nein. Also, es ist die Frage deiner Betrachtung. Denn: klar gibt sie dir Sicherheit. In deinem Kopf! Weil wir es so gelernt haben: „Mädchen, mach erstmal nen ordentlichen Schulabschluss. Dann lernste was anständiges und dann kannste dich freuen, wenn dir jemand nen bombensicheren Job mit Perspektive anbietet!“.

Über die Frage was nun „ordentlich“ bedeutet und „anständig“ kann man sowieso streiten. Und über das, was ich persönlich eine gute Perspektive finde sowieso. Das kann ja stark differieren, von dem was andere so darüber denken. Deshalb lass uns doch bitte mal über „bombensicher“ unterhalten. Was soll daran sicher sein, wenn ich mein Glück oder Unglück in die Hände eines anderen Menschen lege? Was, wenn der Chef von Firma XY plötzlich auch Flausen im Kopf hat und die ganze Firma umstellt. Dich rauswirft, deine Arbeitszeit kürzt (was ich dir allerdings wünschen würde, das nur am Rande), dir andere Aufgaben zuteilt, du deinen Urlaub nicht so bekommst wie du es dir wünscht..

Ich habe irgendwann entschieden, dass ich das alles lieber selbst entscheide. Und auf wen kann ich mich mehr verlassen, als auf meine eigene Motivation? Wenn ich selbst nix tue, dann kommt da eben auch nix bei rum. So einfach ist das.

Klar, dafür bekomme ich nicht einfach jeden Monat ein festes Gehalt auf mein Konto gespült. Aber dafür kann ich selbst entscheiden und habe unmittelbaren Einfluss darauf, wann ich mit wieviel Kohle rechnen kann. Und wieviel ich eigentlich wirklich brauche. Ganz davon zu schweigen, dass ich das Modell noch nie so wirklich verstanden habe, einfach Geld für ein Stundenkontingent, also für meine Anwesenheit zu bekommen. Für mich zählen Ergebnisse.

Ich sehe das immer so, dass ich mich an meinen Arbeitgeber verkaufe: Ich biete an 40 Stunden brav jeden Morgen in ein Büro – oder sonstwohin – zu dackeln, und dort – im ungünstigsten Fall – mindestens 8 Stunden zu verbringen.

Im Gegenzug zahlt mein Arbeitgeber mir eine Entschädigung für diese verlorene (Frei-)Zeit und gibt mir sechs Wochen im Jahr Pause von dieser Verpflichtung.

Diese sechs Wochen muss ich mir meist auch noch in kleine Häppchen aufteilen und mich mit anderen Kollegen absprechen. Aber wie war das noch? Ich bekomme ja jeden Monat dieses Geld, das mein Motivator für dieses Agreement ist, das gesamte restliche Jahr so zu tun, als sei das alles völlig okay.

Klar kann ich mich da irgendwie sicher fühlen. Aber ob sicher gleich gut ist. Und wie ich Sicherheit definiere, das hängt ganz von mir ab. Deshalb ist meine Entscheidung ganz klar: Ich verkaufe keine 40 Stunden in der Woche an Externe. Und ich arbeite nur in einem relativ festen Rahmen für Menschen, die einen anderen Begriff von Arbeit haben und flexibel damit und eben auch mit mir umgehen.

2 „Oh Gott, ich muss mich selbst krankenversichern!“

Verrückter Weise ist das immer noch sehr häufig die offensichtlich „schlimmste anzunehmende Konsequenz“, die eintritt sobald du frei arbeitest. So zumindest klingt es, wenn man seinen Mitmenschen davon erzählt. „Oh, dann musst du dich ja selbst versichern!“ Oder im umgekehrten Fall: „Ah, das ist ja ganz gut mit der Teilzeitstelle. Dann hast du wenigstens alle Versicherungen!“

Jaaaaaa, alle Versicherungen. Toll! Hurra! Ich kann mich auch jedesmal kaum halten vor Freude!

Also, ich beschränke mich mal in diesem Fall auf die Krankenversicherung, denn über die Rente möchte ich nicht diskutieren. Klar, kann dir der Arbeitgeber was dazu zahlen. Kannste aber auch selbst privat zahlen, wenn du frei arbeitest. Und wenn du an das Modell „Rente“ glaubst.

Lass uns also über die Krankenversicherung sprechen: Das ist kein Hexenwerk! Echt nicht! Und es frisst dir auch nicht die Haare vom Kopf! Du hast die Wahl zwischen vielen privaten Versicherungen und einer freiwilligen Versicherung bei der gesetzlichen Kasse. Erstere ermittelt deinen Beitrag über dein Alter, (chronische) Krankheiten, Geschlecht usw. Die gesetzliche bemisst deinen Beitrag nach deinem Einkommen.

Ich habe mich aus finanziellen Gründen für die freie gesetzliche entschieden, denn als Frau mit Mitte Dreißig und – wenn man dem Versicherungsmakler glauben schenken soll – nahezu tödlichem Heuschnupfen, war mir die private einfach viel zu teuer.

Bei der gesetzlichen kannst du auch immer mal switchen, solltest du doch mal zwischenzeitlich über eine Anstellung versichert werden. Das ist sehr unkompliziert. Bei der privaten bist du deutlich unflexibler.

Vorsicht ist allerdings dann geboten, wenn du in deiner freien Arbeit mehr verdienst bzw. dort mehr Zeit investierst. Du musst Angaben machen bei der Krankenkasse und am Ende des Jahres deinen Steuerbescheid dort einreichen. Im Zweifel wirst du im Nachgang dann als „freiwillig gesetzlich“ versichert eingestuft und musst nachzahlen. Alles aber eine Frage der Organisation. Ehrlich!

Also trenn dich bitte von diesem typisch sicherheitsfanatischen Gedanken „ Oh Gott, ich muss meine Krankenversicherung selbst bezahlen!“ ! Für all das gibt es sehr praktische und bezahlbare Lösungen!

3 „Als Teilzeitnomade habe ich viel Freizeit!“

Den Zahn muss ich dir ziehen. Und glaub mir, damit habe ich viel Erfahrung. Nee, Spaß beiseite. Ich weiß hier echt wovon ich rede.

Du kennst sicherlich die Bilder von so genannten „digitalen Nomaden“. Die Gattung „Teilzeitnomade“ gehört zwar auch dazu, kann sich aber ebenso wenig mit dem häufig von den Medien etwas verzerrt dargestellten Bild des „ewig am Strand arbeitenden“ Nomaden identifizieren, wie die 24/7 Reiseblogger.

Klar, du kannst dir deine Arbeitszeiten aussuchen. Und auch die Orte, an denen du arbeitest. Das ist ja nicht zuletzt auch einer der Gründe für deinen angestrebten Lifestyle. Aber du erinnerst dich vielleicht an die alte Binsenweisheit von vorhin: „Von nix kommt nix!“ Und wenn du bis in die Puppen schläfst, nur am Strand oder auf der Couch rumhängen willst, lieber mit nem Cocktail am Strand rumlungerst und deinen Laptop allenfalls zum checken der neusten Facebook-Posts nutzt, dann mach das doch lieber in deinen, sicherlich wohlverdienten, sechs Wochen Urlaub.

Es kommt sicher darauf an, welches Business du ans Laufen bringen willst. Und welche Projekte du noch so nebenher auf die Beine stellst, oder ob du gar eine Teilzeitstelle als Basis für dich nutzt.

Meine Erfahrung ist: Du hältst immer viele Bälle in der Luft. Gleichzeitig. Ich für meinen Teil stehe mit 20 Stunden für eine tolle Firma in Köln zur Verfügung, bin da aber auch zeitlich und örtlich sehr flexibel. So bin ich aber gerade zum Beispiel unterwegs, halte Vorträge auf einer Messe, pflege den ganzen Tag meine virtuellen Plattformen und Kontakte, telefoniere zwischenzeitlich viel, beantworte Mails, kümmere mich um die IT der Firma und plane ein weiteres Projekt, für das ich auch einiges gerade organisieren und besprechen muss.

Nebenbei schreibe ich diesen Text, gehe nochmal meinen Vortrag für heute nachmittag durch, suche einen ordentlichen Co Working Space, tausche mich in meiner Community aus, schraube an meiner Seite, beantworte Anfragen..

Das kannst du im Grunde so endlos weiterführen und gerade virtuell sind den ganzen To Dos da einfach keine Grenzen gesetzt.

Der Vorteil: Das Internet hat immer geöffnet. Der Nachteil: Das Internet hat immer geöffnet.

Natürlich ist es abhängig vom Business. Aber du hast eben nicht nen Job, den du nach 17h einfach ablegst. Der läuft immer mit! Das gilt zwar auch für manch andere Jobs, die man auch als Angestellter erledigt. Aber in diesem Fall mache ich das einfach auch gern.

Weil es mein ganz eigenes Business ist. Weil das ich bin. Weil es mir Spaß macht. Aber man muss es mögen, ständig zu jonglieren, Prioritäten zu setzen, keine festen Zeiten zu haben. Und du musst nicht nur diszipliniert sein auch wirklich zu arbeiten, sondern auch mal abzuschalten!

Das ist nämlich gar nicht so einfach, wenn es einmal läuft und du im Flow bist. Aber das ist eher ein Luxusproblem, finde ich. Achtsamkeit hilft da schon ein bisschen, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren und sich nicht nur Jobs sondern auch mal selbst Urlaub zu geben. Du hast es in der Hand. Nur du! Das ist der Vorteil an diesem Lifestyle und unterscheidet sich deutlich vom 9to5 Job.

Halten wir also fest: Es wird anstrengend werden und du wirst dir an manchen Tagen eine „normale 40 Stunden Woche“ zurück wünschen. Aber immer wieder wirst du daran denken, dass du all das nur für dich tust. Und du wirst dir sicher kein Business aussuchen, dass dir nicht entspricht.

Also ist am Ende doch alles gut.

4 „Ich muss ja mein ganzes Leben über den Haufen werfen!?“

Die gute Nachricht: Du bleibst du. Egal was du machst! Dein Leben drumherum wird sich dir anpassen und du wirst gar nicht bemerken, dass du es ganz unbemerkt „über den Haufen wirfst“.

Lass es uns doch einfach anders benennen, damit es dir leichter fällt das zu akzeptieren. Du wirst einfach eins mit deinem Leben, weil du dich nicht mehr den Bedingungen anpasst, sondern umgekehrt. Das Leben um dich herum wird sich mit dir verändern, wachsen, großartig werden, sich entwickeln, und dich zu vielen Ideen, Orten und Begegnungen führen, von denen du nichtmal eine Ahnung hattest.

Es hat nichts zu tun mit der abstrusen Idee, die eigene Wohnung aufzulösen, alles Hab und Gut zu verkaufen und von heute auf morgen auszuwandern. Klar, das kannste auch machen. Aber es ist eben nicht der einzige Weg. Du kannst auch einfach in deiner Homebase bleiben, wenn du dich dort wohl fühlst – so wie ich es auch tue und gern in Köln lebe – und von dort aus „anders denken und arbeiten“.

Ich zum Beispiel reise immer wieder gern von hier aus durch die Welt. Plane verrückte Projekte und reise dann wiederum durch Deutschland und berichte davon. Das hält mich aber nicht davon ab, einen Freundeskreis zuhause zu pflegen, dort auch zu arbeiten, eine schöne Wohnung zu haben und sogar ein Auto mein eigen zu nennen. Klingt fast ein bisschen bodenständig, oder?

Diese verrückte Idee und das Bild des Reisebloggers. Das vergiss mal lieber schnell wieder. Das ist ganz nett, aber da gibt es schon ein paar sehr kompetente Menschen, die das gut machen und damit Geld verdienen können.

Die gute Nachricht ist also: Du kannst alles so lassen wie es ist! Nur dein Denken verändert sich. Und der Rest kommt dann von ganz allein und fühlt sich auch nicht mehr seltsam an.

5 „Aber ich hab ja eigentlich […] studiert!“

Vielleicht hast du studiert. Vielleicht auch nicht. Vielleicht hast du auch eine nette Ausbildung gemacht. So direkt nach der Schule. Bei mir war es so, dass ich erstmal ein Studium begonnen habe, um zu schauen was ich eigentlich denn so will. Dann habe ich einen coolen Studentenjob bekommen und  erfahren, dass man den auch „so richtig“ – mit nem „ordentlichen“ Studium machen kann. Also hab ich kurzerhand Studium Nr. 1 geschmissen um Studium Nr. 2 anzupacken.

Ein bisschen Glück gehörte damals dazu, denn ich hatte mich leider exmatrikuliert, noch bevor ich mich für das neue Studium eingeschrieben hatte. Und das wiederum hatte dann leider schon Einschreibungsschluss. Das ist aber wieder eine andere Geschichte. Jedoch ein gutes Beispiel dafür, dass man die Dinge auch jederzeit im Leben ändern kann. Und es auch funktioniert. Wenn man nur will.

Ich weiß nicht woher es kommt, dass man glauben soll, dass das wozu man sich in der Blüte seiner Jugend mal irgendwann entschieden hat, auch das sein muss was wir ein Leben lang machen sollen. Müssen.

Klar war das früher so. Aber das war mindestens eine Generation vor dir und mir. Also nehme ich an. Und du hast jederzeit in deinem Leben die Möglichkeit, nochmal was völlig verrücktes und neues zu machen, egal was in deinen Papieren steht. Wirklich.

Du kennst sicher den Spruch:

„Sie haben da eine Lücke im Lebenslauf!“ „Ja, war geil!“

Genau so muss es doch sein, oder? Unverständlich für mich, an etwas festzuhalten, nur weil ich es irgendwann mal gelernt habe. Es sei denn ich bin glücklich damit. Das gibt es natürlich auch. Aber ich nehme an, dass du nicht dazu gehörst. Ich entwickle mich doch weiter und damit vielleicht auch neue Interessen. Ich fand meine Jugend zwar schon ziemlich cool, aber ich würde vermutlich nicht mehr die Entscheidungen treffen, die ich mit 19 getroffen habe. Und da bin ich ehrlich gesagt auch ein bisschen froh drüber.

Also lass mal besser diese Idee los, dass etwas neues irgendwie mit deinen bisherigen Erfahrungen und Zeugnissen übereinstimmen muss. Es muss einfach mit dir übereinstimmen.

Dein Herz weiß wo du hin willst. Dein Zeugnis nur, wo du herkommst.

Zusammenfassend haben wir heute also mal fünf Gedanken durchleuchtet, die dich auf dem Weg zu einem anderen Arbeits- und Lebensgefühl, vielleicht auch auf dem Weg zum Teilzeitnomaden, bremsen können, noch bevor du überhaupt mit irgendetwas angefangen hast. Und ich mache ebenso den „Bremstest“ mit dir, indem ich das Bild vom freiheitsliebenden, reisenden und immer tiefenentspannten Blogger etwas gerade rücke. Kannste schon so machen, aber dann isses halt k***. Ich glaub du weißt schon was ich meine.


Entscheide selbst, was du davon annehmen möchtest oder eben nicht. Probier es aus. Machen. Gilt auch hier. Manchmal muss man selbst die Dinge einfach auch erlebt haben, um sie zu verstehen. Manchmal versteht man sie auch dann nicht.

Deshalb schreibe ich hier. Und ich freue mich, dass du zumindest ja schonmal neugierig bist. Wenn du Fragen hast, dann meld dich wie immer gern bei mir. Ich helfe dir gern weiter. Egal ob es um eher handfeste, organisatorische Dinge wie die Wahl der Krankenkasse geht, oder um dein Mindset, das wir vielleicht erstmal gemeinsam ein wenig schieben und auf den neuen Trampelpfad wuchten müssen, bevor es auf die Straße geht.

Ich biete auch gerade ein Skype Coaching an, solltest du mich gern mal für ne ganze Stunde buchen wollen, geht auch das.

Wie auch immer, ich freue mich von dir zu hören!

Ahoi & beste Grüße aus Hamburg, Tanja

TV-Beitrag “Reisen mit Risiko”, der im Herbst (unter anderem) mit mir gedreht wurde: http://bit.ly/2rGj5i1

Der Beitrag handelt von drei Abenteurerinnen. Mich könnt ihr ab Minute 17:09 sehen.

Ich erzähl ein bisschen was von meiner Islandumrundung mit dem Rad und davon, wie ich mich physisch, aber auch mental, auf ein solches Projekt vorbereite. Und warum ich entschieden habe, die Tour ganz allein zu machen.

Danke an das tolle Team rund um Kathrin Sielker, die das ganze für Health TV mit mir einen Tag lang gedreht haben. THX auch @ die wohngemeinschaft für die sehr feine Kulisse für das Interview. Und natürlich auch an meinen PT Florian Liebig, mit dem ich regelmäßig im Just Fit 18 Premium Club im Mediapark trainieren darf.

So, und jetzt… Film ab:
https://www.healthtv.de/…/show/repo…/reisen-mit-risiko/video

Anfang 2017 hab ich meinen Wolke 4 Artikel geschrieben. Eben hab ich ihn nochmal gelesen und noch immer für gut befunden. So gut, dass ich gern nochmal anknüpfen möchte. Denn:

Auf einige Fragen habe ich mittlerweile Antworten gefunden. Manche wusste ich auch damals schon zu beantworten. Und manche wiederum werde ich vermutlich niemals beantworten können. So wie das eben mit Fragen ist. Die sind schon ne eher seltsame Spezies. Bewegen so vieles, treffen aber nicht immer auf ihren Gegenspieler, die “Antworten”. Und dann steht man da mit all seinen Fragezeichen.

Im Januar waren meine Antworten auf das “Warum nur?” die folgenden:

„Weil ich gern Abenteuer erleben will. Weil ich mich nicht einfach zwei Wochen an irgendeinen Sandstrand legen kann. Weil ich gern meinen Grenzen die Hand schütteln und sie dabei noch ein wenig drücken möchte. Weil ich mir selbst vertraue. Weil ich Island liebe. Weil ich ein Urvertrauen in die Dinge und in meine Entscheidungen habe, dass schon alles richtig und gut sein wird. Und weil ich dafür immer und immer wieder belohnt werde. Weil ich mich auch für ein eher unsicheres “Teilzeitnomaden”-Dasein entschieden habe und dieses Lebensgefühl in keiner Sekunde missen möchte. Weil ich einmal im Leben eine Wolke berühren möchte. Weil Island unberechenbar ist. Weil ich Schafe lieber mag als Menschen. Manchmal. Weil ich Lust auf Momente und Begegnungen habe von denen ich noch lange erzählen kann.“

Word! Das kann ich wohl genauso unterschreiben. Und ist es nicht verrückt, dass ich mir vorher schon ausmalen konnte, dass dies auch nach diesen verdammten 1200 Kilometern meine Antworten sein würden?

Warum das so ist?

Weil ich mich lang genug kenne. Weil ich dem Prozess vertraue. Weil ich davon überzeugt bin, dass eine Entscheidung immer richtig ist, wenn man sie von Herzen trifft.

Mir reicht Wolke 4 nach wie vor nicht. Warum auch!? 

Und ich bin mehr als froh darüber, dass ich mich nicht hab beeinflussen lassen. Von den Fragen nach Angst und Unsicherheit. Von dem Gefühl des Unbekannten.

Rückblickend kann ich sagen: In keiner einzigen Sekunde hatte ich Angst auf meiner Tour. Respekt, klar! Aber das wäre ja auch nahezu unmenschlich, wenn das nicht so wäre. Ein Spaziergang war die Aktion sicher nicht.

Und klar hatte ich auch Zweifel.

Ganz leise, flüsternd..irgendwo da hinten in meinem Kopf. Aber das Herz hat lauter geschlagen als der Kopf. Und die Gedanken haben sich irgendwann verflüchtigt. Als ich gesehen habe, dass es funktioniert.

Die Frage nach der Angst ist wohl die häufigste Frage, die mir gestellt wurde. Vor und auch nach der Tour. Was hätte nicht alles passieren können. Ja..was hätte nicht alles passieren können? Ist es aber nicht.

Die zweite Frage, die mir gerade oft gestellt wird ist die, ob ich allein gut klargekommen bin. Erst heute meinte wieder jemand zu mir, dass er das sicher nicht ausgehalten, vermutlich gar nicht erst versucht hätte. Auch da kann ich nur wieder sagen: Einfach mal machen! Rausgehen. Alleine. Sich selbst vertrauen und durch die Erfahrung lernen, dass es möglich ist. Und dass man doch viel mehr im Griff hat, als man glaubt.

Neulich in einem Interview habe ich gesagt,

..dass ich glaube, man muss dem Leben einfach auch mal Vorschusslorbeeren geben. Um dann die Dinge auszuprobieren und die Erfahrung zu machen, dass es auch funktioniert. 

Mein Lebenskonzept funktioniert genau so. Nur erlebte Dinge können wirklich etwas verändern. Nur der Gedanke etwas tun zu wollen reicht nicht aus.

Du kannst eine Idee haben, von dem was du tun willst. Du kannst Wünsche haben, Träume. Du kannst den ersten Schritt planen und ein Ziel anvisieren. Das alles passiert in deinem Kopf. Und dann gehst du los. Und bist Teil deines Plans. Setzt ihn in die Realität um, und wirst plötzlich Teil deines eigenen Projekts.

So hat es sich für mich angefühlt und im Nachhinein kann ich sagen: Das war – genau so – gut so! Vertrauen darauf, dass ich schon kluge Entscheidungen treffen werde. Niemand kennt mich so gut, wie ich mich selbst. Und wann bekommt man schonmal die Möglichkeit, sich so intensiv mit sich selbst auseinanderzusetzen?

Deshalb kann ich nun rückblickend sagen: Ich habe in keiner Sekunde bereut, alleine losgegangen zu sein. Wirklich, in keiner einzigen Sekunde. Und was soll ich sagen? Das hinterlässt doch ein unglaublich gutes Gefühl. von Freiheit.

Ja das ist ein Helden-Artikel. So ganz ohne den üblichen Helden-Schnickschnack. Es kann nämlich jeder von uns ein Held sein. Da gibt es tausend Wege und Möglichkeiten. Worum es aber in diesem Artikel geht. Das sind Helden, die auf ihr Herz hören.

Warum? Weil ich denke, dass viele genau das verlernt haben. Allzu oft ist das Internet voll von klugen Sprüchen, die nur so strotzen von Sehnsucht und so wahnsinnig weise daherkommen. Man sollte viel öfter dies. Man sollte viel öfter jenes. Wenn ich am Meer bin, dann… Darunter zigfache Likes und Herzchen, die Empathie bekunden.

“Alles beginnt mit der Sehnsucht.”, hat Nelly Sachs mal gesagt. Und das ist gut so. Und spiegelt sich eben auch überall um uns herum, wo wir kommunizieren, wider.

Schließlich möchte jeder gern dies oder jenes. Ein besseres Leben, nettere Kollegen, ein schöneres oder, noch besser, gar kein Büro. Mehr Urlaub, mehr Freiheit, mehr Geld, Selbstverwirklichung. Die Liste ist so endlos lang, wie wir Menschen verschieden sind. Und das Verrückte daran? Die Möglichkeiten sind es auch. Aber dazu später mehr.

Da entsteht er nun vor deinem geistigen Auge. Der Held, der auf sein Herz hört. Mehr nicht.

Ein ganz schön leiser Held?

Mitnichten. Denn als Mensch ist dir nunmal nicht nur ein Herz, sondern auch ganz schön viel anderes mit auf den Weg gegeben worden. Zum Beispiel der Kopf. Und dieser kämpft von Tag zu Tag einen ungleichen Kampf mit deinem Herzen. Deine Erziehung, deine Umgebung, dein bisherige Lebens, deine Werte, Freunde, dein Job. All das prägt dich und deine Denkweisen.

Und dein Herz?

Das begleitet dich tagein tagaus. Von der ersten Sekunde deines Lebens an. In seinem, deinem eigenen Rhythmus. Im Grunde kennt ihr euch ganz schön gut.

Und wenn ich mich mit Menschen unterhalte, dann habe ich sehr häufig das Gefühl, dass das Herz zwar im Background mitspielen darf. Der Kopf aber die Rampensau ist, die immer alles entscheiden darf und die großen Auftritte hat. Auf Kosten des Taktgebers.

Und Herzensdinge, die kann man eben auch nicht so gut den Anderen erklären.

Das sind Gefühle, Emotionen, Turbolenzen, denen der Kopf oftmals gar nicht mehr folgen kann. Und trotzdem bleibt der Kopf die Rampensau. Ist doch schräg, oder? Warum das so ist?

Weil niemand mehr sein eigener Held sein möchte.

Also irgendwie ja schon, aber..ach da ist er ja schon wieder, der Kopf. Gedanken, Argumente, Gewohnheiten. Das haben wir schon immer so gemacht. Arbeiten muss man..All diese Glaubenssätze treiben mich persönlich regelmäßig in den Wahnsinn. Ich weiß nicht, wie es dir geht?

Also, was ist überhaupt ein Held?

Meiner Idee nach ist jeder ein Held, der sich traut, dem Herzen zu folgen. Der es schafft ganz leise in sich hineinzuhören und sich ernstzunehmen. Wünsche, Träume. Das sind nicht einfach nur Optionen, die wir uns gönnen dürfen, wenn dies oder jenes geschafft ist oder wir in die wohlverdiente Rente gehen.

Das sind, verdammt nochmal, Herzensangelegenheiten wegen derer wir überhaupt auf diesem Planeten sind.

Weshalb wir so unterschiedlich sind und uns, in einem gewissen Rahmen versteht sich, austoben dürfen und sollen. Und das haben wir ein bisschen verlernt. Das macht mich nachdenklich und ich möchte mehr Menschen dazu inspirieren wieder der Held ihrer eigenen Geschichte zu werden.

Dinge einfach mal machen. Träume einfach mal leben. Und hey, komm mir nicht mit „Ich hab Familie, ich muss ein Haus abbezahlen, ich muss erst warten bis…“ Helden fangen ganz klein an. Indem sie sich überhaupt erstmal wieder mit den eigenen Herzenswünschen beschäftigen und lernen, die Impulse ernstzunehmen. Anstatt im Strudel des Alltags unterzugehen.

Weil das Leben halt einfach so ist.

Ich kann dir nach jetzigem 39-jährigen Erkenntnisstand sagen:

Nein, das ist es nicht. Und das Leben hat mehr verdient, als einfach so hingenommen zu werden. Deshalb lad ich dich hiermit ein.

Komm, lass mal Helden sein! Und Dinge anders machen. Anders denken. Und neue Möglichkeiten entdecken. 

 

Ahoi & bis bald,

Tanja