Es ist Samstag der 14.11. Ich wache auf, in meiner schönen Hinterhof-Altbauwohnung mitten in Köln. In einem schönen Viertel. Um mich herum erwacht das Leben und die Sonne. Der Springbrunnen in unserem Hof beginnt zu plätschern. Meine Katzen melden sich friedlich und schnurrend bei mir an und freuen sich über ein Lebenszeichen nach meinem Schlaf.

Und dann fällt es mir wieder ein. Diese Sache in Paris. Noch bevor ich den Weg in die Küche nehme, um mir einen frisch gemahlenen Kaffee aus der Maschine zu holen, bin ich gedanklich an einem ganz anderen Ort. In Paris. Ein paar hundert km entfernt von hier. Gedanklich ganz nah dran.

Ich will wissen, wie es gerade dort ist. Was die Menschen bewegt hat, während ich hier meinen Schlaf zelebriert habe. Friedlich. Ganz anders als dort.

Also beginne ich den Tag so, wie ich ihn gestern beendet habe. Nachrichten. Es macht mich unfassbar traurig.

Rückblick. Gestern Abend.

Ich sitze am späten Abend noch auf einen Wein in der Bar gegenüber. In unserer Bar. Man kennt sich. Scherzt. Lacht. Freut sich über ein entspanntes Wochenende mit wenigen Terminen. Wir sprechen über Photoshootings, Premium-Fitnessstudios, Fortbildungen.

Als sich plötzlich mein Handy meldet: “Breaking News! Terroristische Gewalt in Paris. Mindestens 20 Tote.”

Ich lese, klicke, suche, gehe durch die virtuelle Tür ins soziale Netz. Schnell mit ganz vielen Menschen an allen Orten der Erde verbunden. Ich lese Nachrichten. Teile die aktuellste Meldung, die ich finden kann um andere zu informieren.

Facebook. Rauf und runter. Erste Posts von meinen Freunden und Bekannten treffen ein.

Ich kann dem Gespräch nicht mehr so recht folgen. Vergesse völlig, dass ich gerade eigentlich auf einen guten Wein in einem netten Laden bin, um das Wochenende einzuläuten.

“Sowas lässt dich dann auch nicht los, oder?”  “Nein. Lässt es nicht. Ich…ich bin todtraurig und entsetzt über diese Nachrichten. Ich muss einfach mehr dazu lesen. ”

“Hm…”

“Hey, ICH LEBE IN DIESER WELT!”

Wie sollte es anders sein, als dass es mich bestürzt?

Zuhause gehe ich statt mit meinem Buch über die Biographie von Steve Jobs mit den latest News ins Bett. Schaue mir den Nachrichtenkanal auf dem Tablet an, bis es mir einschlafend aus der Hand fällt. Und wache heute morgen wieder auf.

Im Gegensatz zu hunderten anderen Menschen, die genau wie ich gestern Abend vielleicht einfach nur nen Wein trinken waren. Sich austauschten über Belanglosigkeiten. Die ihr Leben genau so wie ich noch vor sich hatten. Spaß haben wollten. Gestern Abend. In einem Vergnügungsviertel mitten im Herzen von Paris.

Und ich kann nichts tun. Irgendwie. Und irgendwie doch. Habe das Gefühl, nun habe ich auch schon wirklich alle latest News gesehen und gelesen.

Das gute alte Facebook beschreibt unsere Welt in diesen Stunden. Menschen verändern ihre Profilbilder. Bekunden Mitleid. Bilder, Grafiken in Gedenken an die französischen Nachbarn und Opfer werden hochgeladen. Nachrichten geteilt.

Dazwischen finde ich Blogposts von Reisebloggern, die von ihrem wundervollen Job am Strand schreiben und sich selbst und ihren Lifestyle zelebrieren. Gerade von denen, die die Welt erkunden und sich überall zuhause fühlen wünsche ich mir mehr. Es muss kein Mitleidspost sein. Aber stille Anteilnahme kann doch auch hier genügen.

Und ich denke mir. Was kann ich gut? Mein Profilbild zu ändern ist nicht mein Stil. Irgendwie. Ich kann gut schreiben, denke ich. Passt es überhaupt in meinen Blog? Auf meine Seite?

Und wisst ihr was? Es ist mir total egal. Ob es passt oder nicht. Für die Menschen, die gestern an einem vermeintlich fröhlichen Abend ihr Leben verloren haben. Für die Menschen, die von dem Terror und von dem Leid gestern in irgendeiner Weise ergriffen wurden.

Für diese Menschen passt überhaupt nichts mehr. Terror und Freude. Ein trauriges Duo.

Am gestrigen Abend.

Und so schreibe ich. Nicht zuletzt auch, weil ich mich als Teilzeitnomadin überall auf der Welt zuhause fühle.

Vor allen Dingen aber, weil ich einfach auch in dieser Welt lebe.

unterschrift_tn

Tanja

 

Dieser Artikel kommt auch einfach mal ohne Bild und toller Überschrift aus. Bilder gibt es gerade genug und ein Wort beschreibt mehr als alles, worum es hier und mir gerade geht.

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